Thomas Birkmeir, Regisseur, Autor, Schauspieler und Intendant des Theaters der Jugend in Wien/?├▒sterreich

┬ę Th.d Jugend/Rita Newman

Kultur

Neue Saison im Theater der Jugend "wird sicher nicht einfach werden"

Sechs Neuproduktionen in der neuen Spielzeit, von Odysseus bis Mozart. Leiter Thomas Birkmeir: "Wir sind gewappnet.".

09/08/2021, 01:44 PM

Sechs Neuproduktionen, darunter drei Urauff├╝hrungen und eine ├ľsterreichische Erstauff├╝hrung bietet das Theater der Jugend in der kommenden Saison an. Angesichts steigender Inzidenzen ist jedoch klar: "Es wird sicher nicht einfach werden." Das sagte der k├╝nstlerische Leiter Thomas Birkmeir bei der heutigen Spielplanvorstellung. Doch: "Wir sind gewappnet. Die Hoffnung stirbt zuletzt."

In der vergangenen Saison habe nur im Oktober sowie im Mai und Juni gespielt werden k├Ânnen, "mit 100 Prozent Auslastung bei den erlaubten Pl├Ątzen", so Birkmeir. Man habe jedoch weiterproduziert und Produktionen geschaffen, "die wir in der Pipeline haben und nun darauf warten, das Licht der Theaterwelt zu erblicken". Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden teilweise in Kurzarbeit geschickt. "Wir kamen ├╝ber die Runden und mussten niemanden k├╝ndigen." Finanziell sei die Situation stabil. "Es wird sicher nicht einfach werden, aber im Prinzip geht es uns im Moment gut." Auch "erste Abo-Einbuchungen lassen sehr hoffen".

Flexible Abos - starke Einbu├čen

Schon in der Vorsaison habe man das Abo-System auf "ABOflexibel" umgestellt, sagte die kaufm├Ąnnische Leiterin Sonja Fretzer. "Wir werden dieses Modell in der heutigen Saison fortsetzen." 2020/21 habe es dennoch starke Einbu├čen im Abo-Verkauf gegeben, vor allem die Abonnenten aus Nieder├Âsterreich, die 40 Prozent ausmachten, seien ausgeblieben. Diese werden nun neuerlich fehlen, wenn im Rahmen des Drei-Stufenplans f├╝r eine "sichere Schule" bei einer Inzidenz von ├╝ber 200 alle Schulveranstaltungen, und damit auch die klassenweisen Theaterbesuche ausgesetzt werden m├╝ssen. Das zwinge das Theater zu hoher Flexibilit├Ąt, meinte Birkmeir: "Das wird spannend, um es sportlich zu sagen."

Die im Vorjahr geplante und dann auf heuer verschobene Produktion von Wedekinds "Fr├╝hlings Erwachen" musste abgesagt werden, daf├╝r kommen "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" und "Die Abenteuer des Odysseus" nun mit einer Saison Versp├Ątung. Dass man nun einige Produktionen weitgehend vorprobiert habe, "ist uns in dieser Situation ganz recht, weil es uns Ressourcen spart", sagte der Theaterleiter, der nicht ungl├╝cklich dar├╝ber ist, dass die Probenkapazit├Ąten heuer nicht voll ausgesch├Âpft werden: "Da backen wir lieber etwas kleinere Br├Âtchen - und verkaufen die aber als Hot-Dogs!"

"Greta-Thunberg-Vorl├Ąufer"

Das erste Hot-Dog wird am 12. Oktober serviert: "Der kleine dicke Ritter" wurde von Birkmeir als "ein etwas verlangsamter Greta-Thunberg-Vorl├Ąufer, der f├╝r sein Gutmenschentum verlacht wird", angepriesen. Birkmeier ist in der kommenden Saison einmal als Regisseur und zweimal als Autor vertreten. Er inszeniert die Dramatisierung von "Anne of Green Gables", einem Roman aus 1908, "der f├╝r heutige Leser von Kitsch trieft", in dem aber die rothaarige Hauptfigur quasi als Pippi-Langstrumpf-Vorl├Ąuferin "eine anarchische Lust hat, alles infrage zu stellen und die Menschen zum Umdenken zu zwingen". Sein "gro├čes Shakespeare-Abenteuer" wird wieder aufgenommen, das Aufeinandertreffen des kleinen Wolfgang Amadeus Mozart und der Kaiserinnen-Tochter Marie Antoinette im Jahr 1762 spinnt er in einem St├╝ck weiter, das den Titel "Das h├Âchst kuriose Abenteuer der hochwohlgeborenen kaiserlichen Tochter Marie Antoinette und des allseits bekannten Wunderkindes Wolfgang Amadeus Mozart" tr├Ągt, bereits 2002 im Theater der Jugend uraufgef├╝hrt wurde und nun von Nicole Claudia Weber neu inszeniert wird. Gerald Maria Bauer bringt "Peter Schlehmil" auf die B├╝hne, Carmen Schwarz widmet sich der "sonderbaren Welt des Christopher Boone".

Sonderbar sei auch die Welt, in der wir leben, geworden, f├╝hrte Thomas Birkmeir aus. Eine Lehre aus den Katastrophen dieses Sommers sei klar: "Wir m├╝ssen unsere Lebensweise schleunigst infrage stellen." Und eine bittere Erfahrung sei ebenfalls zu konstatieren: "Kinder wurden von Kultureinrichtungen und Bildung abgeschnitten! Viele von ihnen wurden ausgebremst. Dass Kinder und Jugendliche nicht ein weiteres Jahr weggesperrt werden d├╝rfen, m├╝sste gesamtgesellschaftlicher Konsens werden."

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