Auch Küken können Gangstarap in "Kacken an der Havel" auf Netflix

Die neue Netflix-Serie "Kacken an der Havel“ über einen Rapper, der zurück in sein Heimatkaff muss, ist ein komödiantisches Highlight des Jahres.
Ein Mann mit Kopfhörern und Sonnenbrille steht auf einer Landstraße vor einem Ortsschild mit der Aufschrift „KACKEN“.

Keine Sorge: Kacken ist in dieser Serie kein Verb, sondern ein Ortsname. Kacken an der Havel – wenn es ein Fucking gab, warum soll es nicht auch ein Kacken geben? In Kacken jedenfalls ist Toni (gespielt von Rapper Fatoni, bürgerlicher Name Anton Schneider) geboren, aber er lebt schon lange in Berlin, wo er eigentlich eine Rapperkarriere starten wollte. Nur hat Toni nicht einen einzigen Song in all den Jahren fertiggeschrieben. Er ist Pizzabäcker in einem Imbiss, in dem es auch die Sorte Banane-Brathähnchen gibt, und seine beste Freundin ist ein Sauerteig namens Susi. Aufgegeben hat er seinen Musiktraum aber nicht.

Wohin geht er? "Kacken"

Mitten in einer Rap-Battle erreicht ihn die Nachricht, dass seine Mutter gestorben ist. Ihm gelingt sein erster guter Beitrag – weil die genreübliche Beleidigung der Mutter vom Battlegegner in diesem Fall natürlich besonders reinknallt. Danach fährt er nach Kacken, nur für einen Tag, denkt er.

Günther war’s

Mutter Wera starb so, wie sie es sich immer gewünscht hat: „beim Retten einer Ente vom Baum gefallen“. Ihre letzten Worte waren: „Komm da runter, Günther!“ Der Blitz hat sie dann auch noch getroffen. In der alten Heimat erwarten Toni drei Schwestern und sein Stiefvater, der jünger als er ist. Und noch jemand, mit dem er aber nicht gerechnet hat. Denn Toni hat einen 14-jährigen Sohn namens Charlie. Und der will jetzt Zeit mit Papa verbringen.

Problem: Ein Plattenlabel ist beim Rapbattle auf Toni aufmerksam geworden und will jetzt rasch Hits von ihm. Er sollte also schnell zurück nach Berlin. Nach einem Zwischenfall mit Königsberger Klopsen erkennt er aber, dass er sich um den Teenager kümmern muss. Und dann gibt es ja auch noch Entenküken Tupac, dessen Eltern Toni überfahren hat („Wegen euch ist ja auch meine Mutter tot, jetzt sind wir quitt“).

Sehr spezielle Wasserbestattung

Die Serie von Alex und Dimitrij Schaad (bekannt als Marc-Uwe Kling in den „Känguru“-Verfilmungen, er spielt hier Stiefvater Johnny) ist vollgepackt mit verbalen und visuellen Gags. Allein die Sekunden, in denen die ostdeutsche Ortschaft vorgestellt wird – es gibt original Brandenburger Tumbleweed zu kaufen, der ganze Stolz ist ein Laubbläsermuseum – ist quasi ein bewegter Cartoon. Die Beerdigung der Mutter strotzt vor komischen Absurditäten (ein Gedicht ihres Lieblingsdichters Haddaway!), gipfelnd in einer Brandenburger Explosionswasserbestattung. 

Veronica Ferres spielt als Bürgermeisterin Veronica Ferres eine Soft-Autokratin, der man am Bösewicht-Haaransatz anmerkt, dass sie Übles plant. Und ab und zu gibt es Seitenhiebe auf Netflix, die immer mit dem akustischen Streamerlogo verdeutlicht werden. Das ist originell, denn viel Lustigeres findet man auf Netflix wohl nicht.

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