Furiose Fahrt: "Fliegender Holländer" wieder an der Staatsoper

„Der fliegende Holländer“ an der Staatsoper mit Tomasz Konieczny und Dirigent Bertrand de Billy.
46-224474285

Szenenapplaus mitten in einer Wagner-Oper an der Wiener Staatsoper?

Beim Frühwerk „Der fliegende Holländer“ kann man das durchgehen lassen, wenn der Titeldarsteller so überwältigend seinen Monolog vorträgt wie Tomas Konieczny

Wie konkurrenzlos er Richard Wagners zur ewigen Weltumsegelung verdammten Seefahrer verkörpert, ist jetzt in Wien zu erleben. Er bringt alles mit: absolute Wortdeutlichkeit, Dramatik, Charisma. Mit dem metallen harten Timbre seines Baritons drückt er das unerbittliche Schicksal aus, das ihn so lange übers Meer fahren lässt, bis er nur durch eine treue Frau erlöst wird. Dabei zieht er alle Register der vokalen Farbskala. Mit seinem feinst dosierten Vibrato erhöht er die Spannung.

Nahezu gespenstisch

Erica Eloff, 2024 mit dem österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet, ist eine theatralische Senta, die ihren Sopran in manchen Passagen nahezu gespenstisch klingen lässt. Vokal und darstellerisch wirft sie sich in ihre Ballade und gibt sich dem Wahn ihrer Figur hin. Wie entrückt klingen ihre Piano-Passagen. Wie aus einer seltsamen Zwischenwelt wirkt ihr Zusammenspiel mit dem Holländer. Da begegnen einander zwei Wesen, die nirgendwo dazugehören, nur zueinander.

Eloff richtet sich ganz in der Inszenierung von Christine Mielitz aus dem Jahr 2003 ein, die noch immer frisch mit ihren Thrillerqualitäten überzeugt. Bei ihr wandelt sich Senta zu einer Art Brünnhilde, die sich im Finale selbst in Brand steckt.

Jörg Schneider, der sich bereits 2021 als Einspringer für den Erik bewährte, hatte bei der ersten Aufführung die Partie fliegend von Andreas Schager übernommen. Jetzt profiliert er sich mit seiner starken, silbernen Tenorstimme erneut mehr als beeindruckend. 

46-224475867

Franz-Josef Selig hört man seine Erfahrung als Daland an. Hiroshi Amako muss für den Steuermann noch viele Seemeilen Erfahrung sammeln. Stephanie Maitland ist eine ordentliche Mary. Der Chor übertrifft sich selbst. Fulminant sind die Doppelchor-Szenen.

Bertrand de Billy arbeitet am Pult feinste Nuancen präzise heraus. Forsch hebt er an und entfacht Stürme. Sublim lässt er Wagners Verehrung für Carl Maria von Weber hören und gibt im Finale einen musikalischen Ausblick auf seine großen Opern. Brillant die philharmonischen Bläser. Jubel für alle! 

Kommentare