"Tosca" an der Staatsoper: Anna Netrebko überstrahlt sie alle
Die wenigen Personen, die vor der Wiener Staatsoper gegen den Auftritt von Anna Netrebko demonstrierten, taten der guten Stimmung des Publikums keinen Abbruch und wurden kaum beachtet. Die russische Starsopranistin zeigt sich als Titelheldin in Giacomo Puccinis „Tosca“ auch in absoluter Topform, sowohl darstellerisch als auch stimmlich.
Netrebko ist auch optisch eine Tosca wie aus dem Bilderbuch. Sie spielt die Rolle mit allen Facetten ungemein erregt, herrisch als eifersüchtige Diva aber auch als bittende und verzweifelte Frau wie auch als durchaus brutale Mörderin.
Sängerisch ist sie mit ihrem dunklen Timbre makellos und berührend. Vor allem „Vissi d’arte“ im zweiten Akt, in der sie ihr Leben besingt, wird mit kleinen Unsauberkeiten zu Beginn zu einem der wahrhaftigsten Momente dieser Aufführung. Und sie überstrahlt damit alle.
In erster Linie ihren Geliebten Cavaradossi: Ivan Gyngazov singt ihn bei seinem Rollendebüt zwar mit allen mühelosen Spitzentönen. Völlig ungetrübt hörte man etwa auch seine „Vittoria“-Rufe. Allerdings ist das Timbre seiner Mittellage gewöhnungsbedürftig und es fehlt ihm auch teils an Volumen und an Italianità.
Christopher Maltman, ebenfalls ein Rollendebütant am Haus, ist ein wenig böser Scarpia. Sein fast gemütlicher, aber doch hinterlistiger römischer Polizeichef klingt manchmal fast zu schön und schmeichelhaft, hin und wieder dann doch etwas brutal. Es gelingt ihm, selbst im „Te Deum“ trotz des vollen Orchesters und des sehr homogen singenden Chores des Hauses nicht unterzugehen.
Zupackend
Die kleineren Partien sind alle gut besetzt: So gefallen Clemens Unterreiner als nachdrücklich leidender Cesare Angelotti und Dan Paul Dumitrescu ist ein kautziger, stimmlich idealer Mesner.
Mit enormen Zupack leitet Daniel Oren das Orchester der Wiener Staatsoper. Der im italienischen Fach sehr routinierte Dirigent weiß, worauf es ankommt. Manchmal erzeugt er jedoch zu laute aber immer spannende Ausbrüche. Dazwischen gelingen ihm auch klangschöne und zart gefühlvolle Momente.
Unglaubliche 667 Aufführungen hat diese beinahe schon „antike“ „Tosca“ von Giacomo Puccini in der Regie von Margarethe Wallman in der Wiener Staatsoper auf ihrem Buckel. Gespielt wird sie hier schon seit 1958. Man kann nur hoffen, dass diese beim Publikum so sehr beliebte Produktion noch lange weiter im Repertoire bleibt. Großer Jubel und ein einsamer Buhrufer für den Dirigenten.
Kommentare