Musikprojekt: „Wir haben uns angeschaut und gewusst, das ist zauberhaft“
„Ich kriege Gänsehaut, wenn ich nur darüber spreche, so wunderbar ist das, was entsteht, wenn wir zusammenspielen“, sagt David Reumüller und hält im Zoom-Gespräch mit dem KURIER als Beweis seinen Arm in die Kamera. Auslöser der freudigen Aufregung ist die Erinnerung an die jüngsten Proben mit der Band Exit Void, die am 1. Mai einen der Auftritte des Eröffnungstages des heurigen Donaufestivals bestreiten wird.
Was entsteht, wenn der Schlagzeuger mit Sängerin Anja Plaschg (Soap&Skin), Trompeter Alex Kranabetter und den drei weiteren Bandmitgliedern improvisiert, ist in kein Genre einzuordnen: „Einmal kam Anja mit einem Shaker an, ich habe meinen dazu genommen, Alex ist eingestiegen, und nach einer Minute haben wir uns angeschaut und gewusst, das ist zauberhaft“, erklärt Reumüller. „Es gibt ganz zarte, fragile Momente, die im Raum schweben. Wir haben aber auch eine richtige Industrial-Doom-Nummer und eine Skizze, bei der Anja rappt.“ Veröffentlicht hat das Sextett bisher aber nur drei Noise-Rock/Avantgarde-Titel.
Audioskulptur
Einerseits, weil der Sound von Exit Void auf Improvisation beruht, andererseits, weil die Formation ganz jung ist. Der Donaufestival-Auftritt im Stadtsaal Krems um 19.30 Uhr ist erst der Dritte der Band-Karriere.
Entstanden ist Exit Void aus einem anderen Projekt von Reumüller, der aus der bildenden Kunst kommt und Video-, Raum- und Lichtinstallationen kreiert, aber seit fast 30 Jahren auch mit seiner Band Reflector arbeitet: „Ich habe mit Wolfgang Lehmann, dem Gitarristen von Naked Lunch, den Soundtrack zu einer Videoinstallation gemacht. Weil das so spacig geklungen hat, haben wir Alex gebeten, dazu Trompete zu spielen. Er hat Anja mitgebracht, und weil ich in meiner Kunst oft Worte wie Exit oder The End verwende, habe ich sie gebeten, damit etwas zu machen.“ Später kamen Katrin Euller, die als „Rent“ auftretende experimentelle Electronic-Künstlerin, und Gitarrist Manfred Engelmayr dazu.
Die Idee bei der Gründung: „Eine Art Audioskulptur entstehen zu lassen, also Musikprozesse, die den Raum einbeziehen“, so Reumüller. „Zum Beispiel haben wir vier Buben – Anja hatte keine Zeit – drei Tage lang im Kunsthaus Graz gespielt, während 120 Tonnen Ytong-Ziegel von der Wand der Installation ,Wall’ von Sol LeWitt abgebaut wurden. Wir haben auf Paletten gespielt, sind auf denen rumgefahren und haben mit dem Raum interagiert.“
Lichtinstallation
Ähnliches ist beim Donaufestival nicht möglich. Der Performance-Charakter wird dort von einer Lichtinstallation kommen. Dabei stehen die Musikerinnen und Musiker rund um einen Laser, der die hohen, tiefen und mittleren Frequenzen der Musik aufgreift und in sogenannte Lissajous-Figuren überträgt, die an die Decke projiziert werden.
Die musikalische Dramaturgie beinhaltet viel Raum für Improvisation, wobei es auch einige festgelegte Song-Strukturen gibt, zu denen Exit Void an vereinbarten Stellen zurückkehren. Weil beim Improvisieren so viel spannende Gänsehautmomente entstehen, ist die Lust von Exit Void, daraus fixe Songs und ein Album zu machen, sehr groß: „Ich denke, wir werden dafür ins Studio gehen, uns dort wie bei den Proben neulich, treiben lassen, alles aufnehmen und daraus schöpfen.“
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