Peinliche "Melania“-Doku: "Was für eine Narzisstin. Und so mittelmäßig."

Melania Trump im Auto.
Der Amazon-Film "Melania – 20 Days to History“ ist eine peinliche PR-Hochglanz-Doku von gähnender Langeweile - derzeit im Kino.

Leer ist der Kinosaal nicht. Anlässlich des Filmstarts der First-Lady-Doku „Melania“ haben sich doch knapp zwanzig Leute im Wiener Apollokino eingefunden. Eine Blitzumfrage ergibt, was die Zuschauer hergeführt hat: Eine junge Frau erklärt, sie sei – ebenso wie Melania Trump – aus Slowenien und deswegen hier. Ihr Begleiter verspricht sich „einen lustigen Abend: „Aber Trump-Fan bin ich keiner.“ Ein Zuschauer dahinter ist gekommen, um zu überprüfen, „ob die Kinosäle tatsächlich so leer sind, wie überall zu lesen steht.“ Und für die in Wien lebende Amerikanerin ist „Melania“ ein „historisches Zeitdokument des ganzen Horrors, der sich gerade in den USA abspielt. Davon will ich Zeugin sein. Aber niemand wollte mich begleiten.“

Wovon sie Zeugin wurde? Von einer bombastisch-gelackten Hochglanz-Doku über Melania Trump, deren peinliche Selbstvermarktung nur durch die gähnende Langeweile ihrer Inszenierung übertroffen wird.

Als Regisseur ihrer Belangsendung hat sich Melania Trump den Filmemacher Brett Ratner ausgesucht. Ratner war nach Erfolgen mit Actionkomödien wie der „Rush Hour“-Trilogie und „X-Men: The Last Stand“ 2017 in Ungnade gefallen. Mehrere Frauen hatten schwere Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen ihn erhoben. Mit „Melania“ erhofft er sich ein Retourticket nach Hollywood. Und tatsächlich scheinen die guten Beziehungen zum Präsidenten zu fruchten: Demnächst dürfte er „Rush Hour 4“ in Angriff nehmen.

Für das Filmprojekt, für das Amazon-Chef Jeff Bezos den Rekordpreis von 40 Millionen Dollar hat springen lassen, heftete sich Brett Ratner mit seinem Team an Melania Trumps Fersen. Inhalt: die letzten 20 Tage bis zu Donald Trumps zweiter Angelobung zum Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Der schwarze Hut

Man glaubt ja gar nicht, was es vor so einer Angelobung alles zu tun gibt. „Ich umgebe mich mit Menschen, die meine Vision teilen“, verkündet Melania Trump aus dem Off: „Und meine kreative Vision ist immer klar.“

Wie ihr schwarzer Hut auszusehen hat, zum Beispiel. Flankiert von ihren Designern, adjustiert Melania vor dem Spiegel die Kleidung, die sie zur Inauguration tragen wird: Der Hut gehört noch einen Tick flacher. Die Bluse muss ein Stück hinunter. Die Taille einen halben Zentimeter enger. Alles, so versichert uns Melanias Stimme,  „ist Teil meiner kreativen Vision“.

Ratner, der offensichtlich selbst schon mit dem Schlaf kämpft, lässt zu perlender Klaviermusik die Kamera über die teure Inneneinrichtung im Trump Tower gleiten, nimmt Tischtücher, Teppiche und Wollknäuel in den Blick: „Zeitlose Eleganz ist wichtig“, plappert Melania aus dem Off.

Nachdem wir viel Zeit mit der Anpassung ihrer Garderobe verbracht haben, begleiten wir die zukünftige First Lady auf ihren Wegen: In die Kirche, wo sie ihrer verstorbenen Mutter gedenkt; zu einem Zoom-Meeting mit Brigitte Macron; zu einem Treffen mit einer israelischen Ex-Geisel.

Melania und Donald Trump.

Melania und Donald Trump in "Melania - 20 Days to History".

Bei allen diesen Begegnungen – selbst wenn sie emotional werden – hält Melania Trump eisern an ihrer öffentlichen Fassade fest. Als gelerntes Ex-Model versteht sie es, der Kamera in jeder Sekunde das perfekte Bild von sich zu bieten. Dadurch verwandelt sie jede – ohnehin schon spannungsarme – Szene in ein durchgehendes, monotones Modeshooting. Mit wehendem Haar und schwarzer Sonnenbrille macht sie jeden Hotelgang zum Laufsteg, der über 104 Minuten Filmdauer ziemlich lang wird.

Auch die Idee, mit ihrem durchgehenden Voiceover persönliche Einblick hinter die Kulisse ihrer maskenhaften Persona zu bieten, scheitert an den Plattitüden. Man glaubt Melania Trump, dass sie stark um ihre verstorbene Mutter trauert. Aber Stehsätze wie „Man muss jeden Augenblick genießen, den man mit seinen Liebsten verbringen darf“, machen sie keinen Deut interessanter oder gar komplexer.

Donald Trump stolpert mit Lobsprüchen wie „Ich bin so stolz auf sie“ immer wieder durchs Bild, bleibt aber weitgehend im Hintergrund. „My husband“ verleihe ihr Gravitas, verrät uns seine Frau: „Die First Lady zu sein, bringt viele Verpflichtungen mit sich.“

Um ein wenig ... äh ... Spannung ins Geschehen zu bringen, blendet Ratner – fast schon verzweifelt – einen Countdown ein: „Noch zwei Tage bis zur Angelobung!“ Dazwischen lenkt er uns mit Drohnenflügen über Mar-a-Lago oder Großaufnahmen von Melanias Knöcheln in Stöckelschuhen ab. Die Ansicht von langweiligen Gala-Dinners und Ballveranstaltungen befeuert er mit einem Soundtrack, der vom Bolero bis hin zu Michael Jacksons „Billy Jean“ – Melanias Lieblingspopsong – reicht.

Als Melania einmal Tanzbewegungen zum Klang von „Y.M.C.A.“ andeutet, kann man fast schon von einem Höhepunkt des Films sprechen.

Irgendwann neigt sich dann auch der heiß erwartete Tag der Angelobung seinem Ende zu, und Melania Trump resümiert allen Ernstes: „Heute bin ich stärker geworden, als ich noch gestern war.“

Die Amerikanerin auf dem Nebensitz kann es nicht fassen: „Was für eine Narzisstin. Und so mittelmäßig. Diese Leute bestimmten heute unsere Gesellschaft.“

Was sie ihrem Freundeskreis erzählen wird?

„Ich habe den Melania-Film gesehen, damit ihr in euch ersparen könnt.“

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