Große Leinwand für Melania Trump: Kinostart mit politischen Nebentönen
Es gibt ein neues Trump-Ziel: Nach Grönland soll nun die große Leinwand erobert werden. Diesfalls nicht von Donald, sondern von Melania: Am Freitag startet weltweit eine gleichnamige Doku über die First Lady der USA in den Kinos.
Und wie alles, was die Trumps tun, verspricht dies Großes – in welcher Hinsicht, ist aber vorerst unklar.
Es könnte auch ein großer Flop werden.
Dass es den Film überhaupt gibt, ist ein Abbild des derzeitigen Amerikas. Amazons MGM-Studio hat den Film gedreht und dafür ein Budget locker gemacht, das für eine Dokumentation Seltenheitswert hat: Rund 40 Millionen Dollar flossen in das Projekt, weitere 35 Millionen sollen laut CNN fürs Marketing aufgewendet werden. Laut US-Medienberichten rätseln Brancheninsider nun, wie diese Summen wieder eingespielt werden sollen.
Gute Investition
Es wird gemutmaßt, dass Amazon unter seinem Boss Jeff Bezos eine Umwegrentabilität mitgedacht haben könnte – vielleicht sind 40 Millionen, von denen ein guter Teil an die Produzentin des Filmes fließt, für ein US-Techunternehmen an und für sich schon eine gute Investition. Ach ja, die Produzentin heißt Melania Trump. Diese hat laut Wall Street Journal den Film direkt mit Bezos besprochen.
Wie die insbesondere auch weltweite Strahlkraft des Films ist, darauf wird nun mit Spannung geschaut. Denn Amazon bringt den Film vorerst einmal ins Kino, und zwar in zwei Dutzend Ländern, bevor er (zu einem späteren, noch nicht bekannt gegebenen Zeitpunkt), ins Streaming kommen soll. Der Guardian hat sich die Kartenvorverkäufe in England angeschaut – die waren vorerst nicht übermäßig vielversprechend. Für das erste Screening eines großen Kinos am Freitag war zum Zeitpunkt der Recherche gerade mal eine Karte verkauft. In anderen Locations war es nicht viel besser. Für 28 Vorstellungen in drei Kinos waren noch alle Karten erhältlich.
In Österreich ist der Film am Freitag laut Webseite in zwei Cineplexx-Kinos in Wien, einem in Hohenems und der Lugner City zu sehen. Die Cineplexx-Plätze (der Film ist hier ab 16 gekennzeichnet) wurden am Dienstag freigeschaltet, vorerst waren auch hier noch alle frei. Vielleicht auch, weil niemand bisher sagen kann, wie der Film überhaupt so ist.
„Melania“ wurde am Wochenende im Weißen Haus einem erlauchten Kreis – dabei waren u. a. der ehemalige Profiboxer Mike Tyson, die jordanische Königin Rania, der Vorstandsvorsitzende von Amazon, Andy Jassy, und Apple-Chef Tim Cook – vorgeführt. Am Donnerstag soll es im von Trump einverleibten Kennedy Center eine Premiere geben. Für die breitere Öffentlichkeit (oder die Presse) gab es abseits des Trailers noch keine Einblicke. Der zeigt Melania auf ihrem Weg, nach dem zweiten Wahlsieg ihres Mannes erneut First Lady zu werden. „Here we go again“ (ungefähr: jetzt geht es wieder los) sagt sie zu Beginn in die Kamera. Man sieht sie dabei, ihrem Mann Stichworte für eine Rede zu geben und ihn für etwas zu loben, das sie, wie sie gleich darauf sagt, gar nicht gesehen hat. „Ich werde es dann in den Nachrichten sehen“, sagt sie.
Es geht um 20 Tage im Herbst 2024, während derer sich Melanie Trump wieder in ihre Rolle einarbeitet. Gezeigt werden soll, so scheint es, wie wichtig sie hinter den Kulissen für die Präsidentschaft ist. Er sei ein Friedensbringer, sagt Donald Trump in einer Szene. „Friedensbringer und Einiger“, ergänzt Melania Trump hilfreich. Sie ist sicher, dass die Menschen sie sehen wollen: „Zum ersten Mal ist ein weltweites Publikum eingeladen, in die Kinos zu kommen und mitzuerleben, wie sich dieses entscheidende Kapitel entfaltet — ein privater, ungefilterter Einblick darin, wie ich auf meinem bemerkenswerten Weg zur First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika zwischen Familie, Business und Philanthropie navigiere“, ließ sie Fox News wissen.
Rückkehr
Business ist ein gutes Stichwort. Allein der Trailer verströmt schon jene Optik, die teuer gemachte Filme so an sich haben. Die Trumps haben dafür einen bemerkenswerten Regisseur gefunden, einen (einstmals) großen Fisch in Hollywood: Brett Ratner drehte Kassenschlager wie „Rush Hour“.
Zuletzt war es ruhig um ihn geworden, denn 2017 haben mehrere Frauen ihm Fehlverhalten vorgeworfen. Für Ratner ist „Melania“ also ein Ticket zurück aus dem Abseits: Nachdem bekannt geworden war, dass er „Melania“ dreht, wurde auch ein neuer Teil von „Rush Hour“ unter seiner Regie fixiert. Ob „Melania“ auch ein Blockbuster wird, werden die nun Kinobesuchszahlen zeigen.
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