Weil Regisseur Axel Corti während des Drehs zu "Radetzkymarsch verstarb, sprang sein Freund und Kameramann Gernot Roll ein

© ORF/apa

Kultur Medien
11/12/2020

Von Hochkultur bis Trash-Komödie: Kameramann Gernot Roll gestorben

Der ROMY-Preisträger drehte mit Reitz, Breloer und Corti. Er wurde 81 Jahre alt.

Sein Name steht für anspruchsvolle Literaturverfilmungen wie Golo Manns "Wallenstein" oder Joseph Roths "Radetzkymarsch", und er drehte mit Helmut Dietls "Rossini" und Heinrich Breloers "Die Manns": Kameramann und Regisseur Gernot Roll ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren gestorben.

Sein größter Publikumserfolg war allerdings die Trash-Komödie "Ballermann 6". 5,5 Millionen sahen 1997 in den Kinos den Prolls am Strand von Malle beim Saufen zu. "Viel für deutsche Verhältnisse", meinte Roll einst. Bernd Eichinger, der große Münchner Filmproduzent, habe die Idee für "Ballermann 6" ausgebrütet und keinen Regisseur gefunden. "Als er mich fragte, ob ich das zusätzlich zur Kamera machen wollte, habe ich zugesagt. Und dazu stehe ich bis heute."

Keine Berührungsängste

Die Feuilletonisten jedenfalls waren entsetzt. Doch Roll selbst sah darin keinen Widerspruch. "Auch eine Komödie wie Ballermann, die nur auf aneinandergereihten Gags beruht, ist filmhandwerklich äußerst schwierig umzusetzen. Da muss man sehr genau darauf hinarbeiten, das muss sitzen." Außerdem kannte der überaus erfahrene Kameraprofi, der in seinem Leben "nie etwas anderes gelernt und gemacht hat als Film", keine Berührungsängste.

Roll stammte aus Sachsen. Schon mit 14 Jahren begann er eine dreijährige Ausbildung als Kameramann und verdingte sich danach bei den DEFA-Studios in Berlin-Babelsberg. 1960 wechselte er nach Westdeutschland und heuerte bei der Münchner Bavaria an, damals eines der größten Studios für TV-Produktionen. 1961 stand er erstmals selbst hinter der Kamera. Er drehte u. a. mehrere Folgen der Krimireihe "Tatort" mit Hansjörg Felmy, bei denen auch sein Idol Wolfgang Staudte Regie führte.

Freundschaftsdienst

Nachdem Roll zusammen mit Edgar Reitz das Nachkriegsdrama "Stunde Null" in Szene gesetzt hatte, gelang ihm mit der gefeierten TV-Serie "Heimat - Eine deutsche Chronik", die Reitz 1984 herausbrachte, der Durchbruch. Seither reihte sich in seinem filmischen Schaffen ein prestigeträchtiger Streifen an den anderen: Fritz Lehners Schubert-Trilogie "Mit meinen heißen Tränen", für die Roll einen von mehreren Grimme-Preisen erhielt oder auch Caroline Links Familiendrama "Jenseits der Stille", das sogar für den Oscar nominiert wurde.

Zu den großen Regisseuren, mit denen Roll zusammenarbeitete, gehörte nicht zuletzt der Österreicher Axel Corti. Während der Dreharbeiten zu Roths "Radetzkymarsch", einem bewegenden Abgesang auf das alte Europa, starb Corti an einer Krebserkrankung. Roll übernahm für seinen Freund auch die Regie und vollendete den Streifen kongenial. Dafür erhielt er, als einen von vielen Auszeichnungen, 1995 die goldene ROMY.

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