"Sternstunde der Mörder" auf ServusTV: Gewaltexzess am Ende des Krieges

Der TV-Zweiteiler „Sternstunde der Mörder“ nach einem Roman von Pavel Kohout spielt in Prag und wurde in Wien gedreht. ServusTV zeigt die prominent besetzte ARD-Koproduktion am 28. März um 20.15 Uhr.
Eine Frau und ein Mann stehen sich sehr nahe gegenüber und berühren mit geschlossenen Augen die Stirn.

„Der Autor Pavel Kohout zeigt tiefe Einblicke in die Seele desillusionierter Menschen, die sich sowohl auf der Täter- als auch auf der Opferseite des Naziterrors befinden.“ Diese Formulierung aus einer Romanbesprechung hat sich Schauspielerin Jeanette Hain notiert, erzählt sie.

Mit seinem einzigen Krimi, „Sternstunde der Mörder“, hat der tschische Schriftsteller und Wahlwiener Kohout 1995 einen Bestseller gelandet. Er spielt vor dem Hintergrund der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und wurde von ServusTV und ARD als packender Zweiteiler verfilmt.

INFOS: ServusTV zeigt "Sternstunde der Mörder" als TV-Zweiteiler, Canal+ als vierteilige Serie.

Heikle Ermittlungen

Im März 1945 herrschen noch die NS-Besatzer in Prag. Nach dem Mord an einer deutschen Offizierswitwe übernimmt der tschechische Polizist Jan Morava (Jonas Nay) die heiklen Ermittlungen. Dabei wird er vom Gestapo-Schergen Erwin Buback (Nicholas Ofczarek) überwacht. Dieser soll Widerstandskämpfer ausspionieren.

„Kohout hat sicher auch der Umbruch interessiert, die Fremden in der Fremde, der Zusammenbruch von Systemen“, sagte Ofczarek im Gespräch bei den Dreharbeiten in Wien im Vorjahr. „Es ist mehr als ein historischer Krimi. Diese Figuren sind alle sehr einsam und irgendwie verloren.“

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Der undurchsichtige Gestapo-Mann Buback (Nicholas Ofczarek) im Büro des Prager NS-Befehlhabers Meckerle (Devid Striesow). 
 

Buback hat Frau und Kind verloren. Ofczarek über dessen Entwicklung: „In einer Zeit des Umbruchs und eines zu Ende gehenden Systems wird er komischerweise wieder lebendig, findet irgendwie eine Aufgabe. Das ist eine Lebendigkeit, die mehr mit Leben zu tun hat als mit Ideologie.“

Sturm zieht auf

Jeanette Hain spielt die Schauspielerin Marlene Baumann, die sich in die schützenden Arme Bubacks begibt. Sie beschreibt diese als „unabhängige, friedvolle Frau, sie wird durch die Kriegswirren in den Abgrund gerissen und sucht im freien Fall Halt bei Menschen, an die sie sich unter anderen Umständen nie gewandt hätte.“

Über die darstellerische Herausforderung sagt sie: "Wir haben versucht, in den Szenen, die sich dafür angeboten haben, Leichtigkeit, Licht und Hoffnung einfließen zu lassen, eben all das, was Liebe unabhängig von Umständen, Zeit und Raum mit sich bringen kann. Manchmal gab es allerdings nur ein Teelicht am Horizont. Meine Marleen versucht, diese kleine Flamme ständig am Leben zu halten, doch am Ende, soviel sei verraten, zieht ein großer Sturm auf."

Lockvogel

Baumann bietet sich sogar als Lockvogel in diesem düsteren Fall an. Ein gefährliches Unterfangen, denn der Mörder schlachtet seine weiblichen Opfer auf grauenvolle Weise hin und entnimmt ihnen das Herz.

Den blutrünstigen Killer Antonin Rypl spielt der auf extreme Rollen abonnierte Gerhard Liebmann. „Grundsätzlich könnte dieser Serientäter auch in einer anderen Zeit morden“, sagt er. „Aber für die Geschichte spielt es insofern eine Rolle, weil dieser Gewaltexzess auf die ausufernde Gewalt bezogen ist, die sich in den letzten Kriegstagen in Prag abgespielt hat. Dafür wird er zu einer allegorischen Figur. Was seine Motivation betrifft, sehe ich ihn sehr heutig. Weil er einer ist, der von der Gesellschaft abgehängt wurde. Er ist einer, der Aufmerksamkeit sucht.“

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Eine Welt am Abgrund, dennoch im Salon: Jeanette Hain (2.v.li.), Nicholas Ofczarek und Devid Striesow.

Serienkiller als einsames Geschäft

Rypl sucht sich auf Friedhöfen Witwen aus, egal ob Deutsche oder Tschechinnen. „Die fast absurde Grausamkeit im Drehbuch fand ich anfangs geschmacklos“, sagt Liebmann. „Als ich dann die Beweggründe von Kohout recherchiert habe, wurde mir klarer, dass das nicht nur Selbstzweck ist.“

Viel Dialog hat er nicht, dazu sagt er mit einem Lachen: „Der Serienkiller ist ein einsames Geschäft. Ich bin hauptsächlich mit meinen Opfern zugange, und mit denen spreche ich relativ wenig.“ Das, was er sagt, sagt er auf Tschechisch – obwohl der Steirer die „schwere Sprache“, wie er sagt, nicht beherrscht. „Ich habe es mir phonetisch angeeignet.“

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Für die Rolle des Serienkillers eignete sich Gerhard Liebmann  auch ein bisschen Tschechisch an.

Deutsch und Tschechisch

Zweisprachigkeit ist in einem Fernsehfilm nicht alltäglich. Dazu habe es viele Vorgespräche gegeben, sagt Regisseur Christopher Schier („Der Pass“). „Wir versuchen so authentisch wie möglich zu sein“, sagt er. „Ich denke, am Ende ist uns eine gute Mischung gelungen. Wir haben Rollen mit Tschech*innen besetzt, die sich Deutsch angeeignet haben und umgekehrt hat sich Jonas Nay Tschechisch angeeignet. Das finde ich unglaublich bewundernswert.“

 

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