Israel präsentiert mitten im Krieg den Song-Contest-Beitrag
Unpolitisch war der Song Contest, entgegen allen Beteuerungen, ohnehin nie. Ausgerechnet beim Wien-ESC aber drängt sich die Weltpolitik besonders in jenes Scheinwerferlicht, das eigentlich komisch gekleidete Sängerinnen und Sänger beim Performen ihrer eigenwilligen Songs beleuchten sollte.
Die erste Runde der Debatte um Israels Teilnahme ist vorbei – und brachte den Boykott von fünf Ländern, die wegen Israel nicht nach Wien fahren.
Nun könnte es, von mancher Seite vielleicht immer noch zähneknirschend, eigentlich um die Musik gehen. Doch gerade bei der für Donnerstag Abend im israelischen TV angesetzten Präsentation des Songs „Michelle“, mit dem Noam Bettan antritt, fordern die weltpolitischen Umstände erneut Aufmerksamkeit.
Bettan muss sich gegen das Kriegsgeschehen Israels und der USA im Iran, das derzeit zum Flächenbrand in der Region zu eskalieren droht, Gehör verschaffen.
Keine idealen Umstände, für nichts und niemanden, aber schon gar nicht für den Song Contest.
Ursprünglich war eine größere Live-Show zur Präsentation von „Michelle“ geplant. Doch laut ESC-Fanseiten wurde diese nun zusammengestrichen: Die Vorstellung des Songs soll demnach ohne Publikum voraufgezeichnet werden, und – sollte sich im Kriegsgeschehen Wichtiges tun – jederzeit unterbrochen werden.
Den Termin am Donnerstagabend, wenige Tage nach Kriegsbeginn und mitten in den Kampfhandlungen, will Kanal 11 von KAN, dem israelischen öffentlich-rechtlichen Sender, offenbar beibehalten.
Damit steht die Teilnahme Israels am Song Contest erneut unter neuen Vorzeichen. Auch wenn die geopolitischen Umstände deutlich nuancierter sind, könnten Gegner der Teilnahme Israels nun damit argumentieren, dass mit Russland 2022 ein kriegsführendes Land ausgeschlossen wurde, damals, um dem Ansehen des ESC nicht zu schaden. Gilt das Argument für Israel?
„Nein“ vom ORF
Vom ORF kam bereits am Montag auf KURIER-Anfrage ein deutliches „Nein“: Die Teilnahme Israels soll nicht neu debattiert werden. Letztlich entscheiden würde das die Sender-Union EBU, die den ESC veranstaltet. Dort blieben mehrere Anfragen des KURIER seit Montag vorerst unbeantwortet.
„Michelle“ soll übrigens keine Ballade sein und auf Französisch, Hebräisch und Englisch gesungen werden.
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