┬ę Kurier / Juerg Christandl

Kultur Medien
07/07/2021

ServusTV setzt auf mehr Fiktionales und die gleiche Zahl an Sendern

Comedy-Serie mit Proll und Zweiteiler mit Moretti geplant. Wegscheider: "Fiction ist die Marmelade auf dem Brot eines Vollprogrammsenders".

ServusTV erweitert in den kommenden Monaten und Jahren seine Palette an fiktionalen Eigenproduktionen. Neben Altbew├Ąhrtem wie weiteren Altaussee-Krimis und einem "Meiberger"-Film kommt auch eine Comedy-Serie mit Nina Proll und ein koproduzierter Zweiteiler namens "Im Netz der Camorra". Vom Gesamtpaket verspricht man sich f├╝r den Sender "eine pers├Ânliche Note", wie ServusTV-Intendant Ferdinand Wegscheider gegen├╝ber der APA erkl├Ąrte.

"Fiktionale Eigenproduktionen sind ein wichtiges Element f├╝r einen Sender mit Vollprogramm, wie es ServusTV anbietet. Damit verleiht man dem Sender eine pers├Ânliche Note und zwar weit besser als mit zugekaufter Ware", sagte Wegscheider. Man habe sich "durchaus lokalen Elementen" verschrieben, wobei man versuche, "mit den besten zu arbeiten".

├ľSTERREICHISCHE MEDIENTAGE 2019: WEGSCHEIDER

Noch im Herbst erscheint nach drei Staffeln mit insgesamt 20 Episoden erstmals ein Film rund um den Gerichtspsychologen Thomas Meiberger (gespielt von Fritz Karl) namens "Im Kopf des T├Ąters". Auch steht ein zweiter Altaussee-Krimi ("Letzer Gipfel") mit Cornelius Obonya in der Hauptrolle in den Startl├Âchern. Auf neues Terrain wagt sich der Salzburger Privatsender in Koproduktion mit dem ZDF, Satel Film und der good friends Filmproduktion mit dem Zweiteiler "Im Netz der Camorra". Tobias Moretti spielt dabei einen Winzer, der von seiner dunklen Vergangenheit in Neapel eingeholt wird. Regie f├╝hrt Andreas Prochaska ("Das Boot").

Im Winter startet die Comedy-Serie "Aus die Maus" mit Nina Proll als einst gefeierter und nun gefeuerter Schauspielerin, die sich in einem Tierbestattungsinstitut widerwillig um die Trauerangelegenheiten ihrer Kunden k├╝mmern muss. Anfang 2022 kommt der Film "Klammer" rund um den Olympiasieg Franz Klammers im Jahr 1976 in die Kinos. Servus TV arbeitete dabei mit epo-film, Samsara Film und zahlreichen weiteren Partnern wie dem ORF zusammen.

Noch etwas Geduld ist f├╝r den dritten Altaussee-Krimi und die internationale Serie "Das Netz" gefragt. Sie starten im Herbst n├Ąchsten Jahres. F├╝r "Das Netz" - Moretti ├╝bernimmt auch hierf├╝r die Hauptrolle - trat ServusTV als Ideengeber und Initiator in Erscheinung. Die acht Episoden werden von MR-Film in Koproduktion mit dem Salzburger Privatsender, ARD Degeto und Netz GmbH erstellt. Gedreht wird in mehreren Sprachen, wobei die jeweiligen national eigenst├Ąndigen Produktionen inhaltlich verflochten sind.

Thematisch stehen die Fu├čballwelt, deren Leidenschaft und dunkle Machenschaften im Fokus. "W├╝rde man zu dieser Thematik eine Dokumentation machen, k├Ânnte man sich vermutlich vor lauter Klagen nicht mehr wehren", glaubte Wegscheider. Die Serie soll im Vorfeld der Fu├čballweltmeisterschaft 2022 in Katar ausgestrahlt werden.

Mit dem ORF, der j├Ąhrlich rund 100 Mio. Euro in die heimische Film- und Fernsehwirtschaft investiert, h├Ąlt ServusTV hinsichtlich des Auftragsvolumens nicht mit. "Das w├Ąre sch├Ân, wenn wir uns in ├Ąhnlichen Gefilden bewegen k├Ânnten. Wenn man j├Ąhrlich rund 650 Mio. Euro an Geb├╝hren erh├Ąlt, ist es nat├╝rlich leichter einen so gro├čen Anteil in Fiction zu investieren. Bei ServusTV wird es aber von Jahr zu Jahr mehr", so Wegscheider. Rein kaufm├Ąnnisch betrachtet w├╝rden sich diese Investitionen in "einem kleinen Land wie ├ľsterreich" nicht rechnen. "Man muss fiktionale Eigenproduktionen als Teil des Ganzen sehen: Sie sind die Marmelade auf dem Brot eines Vollprogrammsenders", meinte der 60-J├Ąhrige, der seit 2016 als Intendant f├╝r den Privatsender t├Ątig ist.

Offen stehe man Kooperationen zur Vermarktung der kommenden Fiction-Angebote gegen├╝ber. "Wo immer Kooperationen Sinn machen, sind wir dazu bereit. Ein 'Austro-Player', wo private Anbieter und der ORF auf Augenh├Âhe vertreten sind, macht durchaus Sinn. Nicht spielen wird es mit uns einen ORF-Player, bei dem die privaten Anbieter als Anh├Ąngsel dabei sind", erkl├Ąrte Wegscheider.

F├╝r einen vollumf├Ąnglich einsetzbaren Player ben├Âtigt das gr├Â├čte Medienunternehmen des Landes jedoch bekanntlich eine ORF-Gesetzesnovelle, um Inhalte "online first", "online only" und zeitlich unbefristet anbieten zu k├Ânnen. Ginge es nach Wegscheider sollte eine Novelle zum Anlass genommen werden, um den ORF zu redimensionieren. "Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich den ORF im Verh├Ąltnis zur Gr├Â├če des Landes als zu aufgebl├Ąht erachte", meinte Wegscheider, der als Privat-TV-Pionier gilt, hatte er doch 1995, noch vor dem Fall des Fernsehmonopols, Salzburg TV gegr├╝ndet, aus dem sp├Ąter Servus TV wurde.

Die urspr├╝ngliche Konzeption f├╝r den ORF mit zwei Fernsehprogrammen sei "durchaus richtig und ausreichend" gewesen. "Die mittlerweile vier Sender werden aus meiner Sicht ├╝ber Strecken ganz klar missbraucht, um mithilfe von Geb├╝hrengeldern den Markt zu verstopfen", kritisierte der ServusTV-Intendant.

Angesprochen darauf, dass ServusTV mit Sendungen wie dem "Corona-Quartett" oder auch dem w├Âchentlichen provokanten Kommentar "Der Wegscheider" von manchen Teilen der Bev├Âlkerung mittlerweile als Sender der Ma├čnahmengegner und Corona-Zweifler angesehen wird, reagierte Wegscheider emp├Ârt: "Nein, ich sehe das definitiv nicht so. Ich empfinde diese Behauptung nahezu als Chuzpe. Andere Sender und Medien haben in den vergangenen 15 Monaten eine einseitige Berichterstattung betrieben, die mich an totalit├Ąre Staaten erinnert, weil sie den kritischen Teil der Wissenschaft aussperren und deren Vertreter auch noch als Quacksalber oder Spinner verunglimpfen." Wissenschaft sei nie in Stein gemei├čelt und es seien immer Diskurse zu f├╝hren, so Wegscheider.

Dass mit den zahlreich erworbenen Sportrechten und nun der Ausweitung im Bereich fiktionaler Eigenproduktionen bald ein zweiter ServusTV-Sender kommen, verneint der ServusTV-Intendant: "Das ist ein Ger├╝cht. Wir wollen den ├ľsterreichern und ├ľsterreicherinnen ein m├Âglichst ausgeglichenes Vollprogramm anbieten und dabei soll es kurz- und mittelfristig auch bleiben." F├╝r den Sender mache auch durchaus Sinn, dass mittlerweile so manche Sportrechte nur f├╝r die Onlineplattform verwendet werden. "Wir spielen manche Sportarten bewusst nur digital, da wir so flexibler sind und etwa auf ├Âsterreichische Beteiligungen reagieren k├Ânnen", erkl├Ąrte Wegscheider.

Zudem sei es nicht neu, dass vor allem j├╝ngere Zuseher zunehmend auf digitale Angebote umsteigen. Dem wolle man mit einer k├╝nftig noch st├Ąrkeren Teilung auf die zwei ├ťbertragungswege linear und digital Rechnung tragen. Zufrieden w├Ąre Wegscheider, "wenn die Kurve f├╝r ServusTV weiterhin so nach oben geht wie in den vergangenen Jahren."

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