"School of Champions": Simon Hatzl über die Grenzen des Erträglichen
Veighofer (Simon Hatzl) trifft in der zweiten Staffel noch ein Mal auf seinen aussichtsreichsten Schützling Dani (Emilia Warenski). Gibt es noch bad feelings?
Im Grunde hätte man dieses Gespräch schon zum Start der zweiten Staffel führen müssen. Denn Schauspieler Simon Hatzl, der sonst gerne als Gestalter von interessanten Nebenrollen eingesetzt wird, lief da als unangenehmer Schleifer im Ski-Internat Gastein zur Höchstform auf. „Es hat sich herauskristallisiert, dass der Veighofer ein sehr guter Antagonist ist“, sagt Hatzl. „Er hat Konflikte mit allen. Einerseits durch die Ziele, die er sich setzt, andererseits durch seine Methoden und sein Verhalten. Für mich war es eine riesige Herausforderung und ein Riesenspaß, das in so vielen Szenen herausarbeiten zu dürfen.“
Staffel 2 hatte mit einem Eklat geendet. Athleten des Internats rebellieren bei der Junioren-WM mit der Aktion „Don’t cross the line“ gegen Skitrainer Veighofer. Simon Hatzl kommentiert: „Einige haben zwar vor dem Ziel abgekristelt, aber Dani ist dafür Weltmeisterin geworden. Also denkt er sich: ,Was wollt ihr von mir?‘“
Aber Veighofer wurde entlassen. Dani (Emilia Warenski) knabbert am Beginn von Staffel 3am Loyalitätskonflikt, die Ablehnung der Goldmedaille bringt ihr zudem Hass ein. Noch schwerer wiegt das drohende Aus der Ski-Akademie Gastein. Mark (Jakob Seeböck), der sein Alkholproblem in den Griff bekommen zu haben scheint, übernimmt provisorisch und ehrenamtlich das Training.
Unter der Regie von Jakob Fischer und Johanna Moder spielen erneut Imre Lichtenberger, Luna Mwezi, Gregor Seberg u. a. Veighofer taucht noch einmal auf und trifft seine Ex-Schüler. Hatzl: „Die Szene zeigt die Hilflosigkeit, mit der sie den Erfahrungen mit Veighofer gegenüberstehen.“
ORF1 zeigt am 18. und 19, Jänner jeweils ab 20.15 Uhr Doppelfolgen, danach jeweils montags die weiteren (insgesamt acht). Alle drei Staffeln sind bereits auf ORF ON verfügbar, Staffel 4 wird derzeit produziert.
Am Ende der Staffel nahm „School of Champions“ allerdings eine Wendung. Beim Saison-Höhepunkt, der Junioren-WM, kam es zur Rebellion gegen den Trainer. „Es kulminiert in diesem Triumph, der gleichzeitig für ihn zur absoluten Niederlage wird“, sagt Hatzl. „Er kriegt da ja richtig kalt-warm.“
Veighofer wurde als Cheftrainer entlassen. Dieser Abschied von der Rolle sei ihm, Hatzl, nicht leicht gefallen, „weil ich viel Herzblut hineingesteckt habe. Ich habe aber auch sehr viel zurückbekommen auf dieser Reise. Es hat halt jetzt ein Ende. Ich bin traurig, aber es geht weiter.“
Emilia Warenski (vorne), Luna Mwezi (dahinter) und Kollegen mit bangem Blick.
Graubereiche
Weiter geht es auch für die jungen Protagonistinnen in der ORF/BR/SRF-Serie. Doch sie müssen mit einer schwierigen Situation umgehen: Die Ski-Akademie wird geschlossen, der Insolvenzverwalter ist der neue Bad Boy der Serie.
„Man sieht in der dritten Staffel am stärksten, wie sich die Figuren entwickeln – und die jugendlichen Darsteller, denen jedes Lebensjahr einen riesigen Schub gibt. Schauspielerisch sind sie top und es macht großen Spaß mit ihnen zu spielen, mit dieser Energie und Freude, die sie zeigen. Einer meiner Lieblingsmomente war, wo wir da an dieser Skisprungschanze stehen und ich diesen wilden Haufen vor mir habe und mit ihnen rede. Da war so eine Energie da, da musste man fast nichts dazuspielen, weil einfach alles da war und jeder wusste, was er zu tun hat. Das ist sehr beglückend."
Tony (Sean McDonagh) wickelt gemeinsam mit seiner Assistentin (Laetitia Tourkassissian) die Ski-Akademie ab (Tony) und befragt hier Schülerin Nawal Ammann (Luna Mwezi).
Zu sehen gab es aber schon in Staffel 2 Unangenehmes. Etwa Veighofers Konflikt mit der jungen Schweizerin Nawal (Luna Mwezi), die entdeckt, dass er Fotos von ihr in der Umkleide gemacht hatte. „Das ist absolut übergriffig, das steht völlig außer Zweifel“, sagt Hatzl, „aber seine Absicht war eine komplett andere. Es wäre viel zu billig gewesen, wenn er sich da zum Beispiel selbst befriedigt hätte, dann wäre diese Figur sofort erledigt gewesen. Dennoch hat Veighofer eine Grenze überschritten. Und das zu zeigen, finde ich spannend, weil es Graubereiche anspricht, wo man nicht gleich sagen kann, ob es schwarz oder weiß ist.“
ÖSV: Parallelen zu Veighofer
Die Öffentlichkeit schaut heute genauer hin, aber inwieweit muss man sich im Spitzensport Graubereichen nähern, um erfolgreich sein?
Hatzl: „Das eine ist, dass man teilweise über körperliche Grenzen gehen muss. Das Schwierigste ist, dass dabei die Psychohygiene erhalten bleibt, die Grenzen zur Übergriffigkeit eingehalten werden.“ Dazu gehöre, „dass diese Verhaltensmuster und Strukturen, die Machtmissbrauch ermöglichen, abgeschafft werden. Nur müssen das die entscheidenden Stellen wollen. Es gibt nach wie vor im ÖSV solche Themen, vergangene Saison etwa im Damen-Skiteam, die Berichte über den Umgangston haben sich für mich wie Veighofer gelesen.“
Es sei „peinlich, dass heute noch solche Dinge passieren, auch in der Kommunikation fand ich es nicht glücklich, wie damit umgegangen wurde. Wenn die Mannschaft dem Trainer das Misstrauen ausspricht, wird es schwierig. Getan hat sich aber wenig.“ Dennoch sieht er den ÖSV auf einem guten Weg, Aber sie sind noch nicht dort, wo es sein könnte.“ Als Vorbild nennt er Norwegen.
Grundsätzlich ist der 52-jährige, körperlich austrainierte Schauspieler für „offenere Kommunikation“. Etwa darüber, „dass Frauen jeden Monat zwei, drei Tage nicht die volle Leistung bringen können, weil sie unterschiedliche Zykluskurven haben.“
Simon Hatzl hat in Staffel 3 noch einen Auftritt als gefallener Trainer Veighofer.
"In Österreich lauter Cheftrainer"
Das Interesse an „School of Champions“ kann er bei einer Skination wie Österreich gut nachvollziehen. „Es hat mich gewundert, dass weder Deutschland, die Schweiz noch Österreich vorher so eine Ski-Serie gemacht hat. Es ist eigentlich ein Wunder, wie lange das gedauert hat.“
Ihm sei bewusst, dass eine solche Serie umso glaubwürdiger sein muss, weil so viele Auskenner unterwegs sind: „Ja, da können viele mitreden, du hast lauter Cheftrainer und jeder weiß genau, wie es geht. Ich denke mir ja auch vorm Fernseher: ,Hearst, lass den Ski gehen!' Obwohl es heute schon mehr darum geht, wie sehr man den Ski beschleunigen kann. Der Sport hat eine riesige Dynamik bekommen durch die Carvingtechnik."
Rasante Skiszenen: Inwieweit muss man an Grenzen gehen?
Der Weststeirer aus Eibiswald fuhr selbst im Kindesalter beim Skiklub Soboth für den ÖSV, entschied sich dann aber zunächst für eine Tourismusausbildung, bevor er bei zur Schauspielerei kam, ins Wiener Max-Reinhardt-Seminar.
Zwei Mal arbeitete Hatzl, der auch in Hamburg lebte, mit Til Schweiger zusammen (Bei "Das Beste kommt noch" und "Lieber Kurt"). Derzeit gebe es mit dem deutschen Star keine weiteren Pläne. Hatzl: „Es ist derzeit etwas ruhiger um ihn. Ich denke, dass er sich auch auf die heutige Zeit einstellen muss. Ich will das, was ihm vorgeworfen wird, nicht entschuldigen, aber er ist in einer Zeit zum Film gekommen, wo einfach der Ton ein komplett anderer, ein rauerer war.“
Wertvolles Coaching
Bei „School of Champions“ sei das ganz anders. „Das Intimacy-Coaching am Set fand ich sehr wertvoll, weil das Vertrauen gestärkt wird, damit sich jeder wohlfühlt. Das habe ich leider nicht immer so erlebt. Früher hieß es bei Liebesszenen: ,Bitte, macht's, ihr wisst's eh, wie es geht.‘“
Mitgehangen war Hatzl, als es auch mit seiner Rolle in „Die Toten von Salzburg“ zuende ging, als sein Rollenbruder Florian Teichtmeister wegen massiver Vorwürfe privaten Fehlverhaltens die Krimireihe verlassen musste. Hatzl dazu: „Ich hab’ den Sebastian Palfinger sehr gern gespielt. Aber bei dem, was Florian gemacht hat, da gibt es keinen Graubereich mehr.“
Für die Rolle des Trainers Veighofer hofft Hatzl aber auf eine Zukunft: „Der ist schon eine starke Figur. Es gibt Ideen, ihn weiterzuentwickeln, aber dass es mit ,School of Champions‘ zu tun hat, glaube ich nicht."
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