Pressefreiheitsindex: Global niedrigster Wert, Österreich verbessert sich um 3 Plätze

Österreich kletterte im Ranking um drei Plätze auf Rang 19 nach oben. Pressefreiheitssituation in mehr als der Hälfte aller Länder "schwierig" oder "sehr ernst". In Österreich führte vor allem das Informationsfreiheitsgesetz zur Ranking-Verbesserung.
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Österreich hat sich im Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen (RSF) weiter nach oben gearbeitet. Mit 79,43 von 100 Punkten belegt das Land nun Platz 19 im Ranking und steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um 1,31 Punkte bzw. drei Plätze. An der Spitze finden sich Norwegen, die Niederlande und Estland, am unteren Ende Eritrea, Nordkorea und China. In mehr als der Hälfte aller Länder wird die Pressefreiheitssituation als "schwierig" oder "sehr ernst" eingestuft.

Als "gut" wird die Situation in nur sieben Ländern - neben dem Spitzenreitertrio auch in Dänemark, Schweden, Finnland und Irland - eingestuft. Dort lebt weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung. Österreich findet sich in Nachbarschaft zu Kanada (20.) und Großbritannien (18.) in jener Gruppe von 36 Nationen, denen eine "zufriedenstellende" Lage attestiert wird. Unter diesen findet sich auch Deutschland (14.), die Schweiz (8.) und Frankreich (25.).

Niedrigster Wert der 25-jährigen Rankinggeschichte

Laut den Presseunterlagen war der durchschnittliche Wert der untersuchten Staaten in der 25-jährigen Geschichte des Pressefreiheitsindexes noch nie so niedrig wie 2026. "Die aktuelle Weltlage führt täglich vor Augen, dass Demokratie und Pressefreiheit enormen Bedrohungen ausgesetzt sind", hielt RSF-Österreich-Generalsekretär Martin Wassermair in einer Aussendung zum Ranking fest. So müsse etwa die Rekordzahl getöteter Medienschaffender im Vorjahr eine "globale Mahnung" sein. Laut Angaben von RSF aus Dezember wurden in den zwölf Monaten davor 67 Journalistinnen und Journalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet - die meisten davon (29) im Gazastreifen. Seit Oktober 2023 seien gar mehr als 220 Medienschaffende in Gaza von der israelischen Armee getötet worden, davon mindestens 70 im Rahmen ihrer Arbeit, teilte RSF mit. Israel findet sich auf Platz 116 des Rankings.

Aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen - Hunderte Journalisten sitzen weltweit aufgrund ihrer Arbeit hinter Gittern, die meisten in China - und die finanzielle Lage haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Ländern für Journalismus erschwert. Zudem richtet sich politische Rhetorik zunehmend gegen Medienschaffende - etwa in den USA unter Präsident Donald Trump. Die Vereinigten Staaten rutschten um sieben Plätze auf Platz 64 ab, womit die Lage mit Blick auf die Pressefreiheit als "problematisch" eingestuft wird. Den größten Sprung nach oben - wenngleich auf niedrigem Niveau - verzeichnete Syrien nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Bashar al-Assad. Das Land machte 36 Plätze gut und findet sich nun auf Rang 141.

Der Pressefreiheitsindex stützt sich auf die Befragung von Fachleuten für Pressefreiheit (z.B. Journalisten, Wissenschaftern, Menschenrechtsexperten) aus den jeweiligen Ländern, die ihre Einschätzung zum politischen, wirtschaftlichen und soziokulturellen Kontext wie auch dem rechtlichen Rahmen und der Sicherheit für Medienschaffende abgeben. Auch erfasst RSF selbst etwaige Inhaftierungen, Todesfälle und Geiselnahmen.

INTERVIEW MIT RSF-PRÄSIDENT  FRITZ HAUSJELL

Gute Sicherheitslage, kriselnde Finanzen

Österreich schneidet am besten in puncto Sicherheit (94,31 Punkte) ab. Den stärksten Punktegewinn gab es mit Blick auf den rechtlichen Kontext (+2,4 Punkte auf 84,37). Einen merkbaren Zuwachs gab es auch beim Wert für den politischen Kontext (+1,76 auf 74,35), während es im sozio-kulturellen (79,09) und ökonomischen Kontext (65,01) kaum Bewegung gab.

Vom historischen Tief vor zwei Jahren (Platz 32, 74,7 Punkte) hat sich Österreich damit mittlerweile ein gutes Stück entfernt. Die Top Ten, aus denen sich 2015 verabschiedet wurde, sind aber nach wie vor nicht in Griffweite. Wassermair verwies auf Verbesserungen vor allem im allgemeinen Diskurs, der "nach zahlreichen Fällen von Korruption und Machtmissbrauch der kritischen Berichterstattung wieder mehr Wertschätzung entgegenbringt". Im Ö1-Morgenjournal erklärt der Präsident von Reporter ohne Grenzen Österreich (RSF) Fritz Hausjell, dass die Verbesserung in Österreich auch mit rechtlichen Rahmenbedingungen zusammenhängt. Die haben sich durch das Informationsfreiheitsgesetz verbessert. Dadurch wurde die Amtsverschwiegenheit beendet, es ergeben sich somit neue Möglichkeiten für investigative Recherchen. 

Ergänzend wurden auch erste Schritte zur Umsetzung des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) gesetzt, das etwa Vorgaben zum Schutz vor politischer Einflussnahme und mehr Transparenz bei Eigentumsstrukturen vorsieht. Hausjell warnte jedoch, dass der "überfälligen Stabilisierung der ökonomischen Grundlagen von Medien und Journalismus" bisher nicht ausreichend Rechnung getragen worden sei.

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