Nach Weißmann-Rücktritt: "Es gibt schon ein Problem" im ORF
Der ORF-Stiftungsrat war an "jedem Punkt dieser Phase anwaltlich vertreten", es gab "kaum einen Termin, in dem nicht mehrere Anwälte anwesend waren". Dies betonte Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer Mittwochvormittag bei einer Pressekonferenz, bei der es um die wenigen Tage vor dem Rücktritt von ORF-General Roland Weißmann ging.
Man habe "in kurzer Zeit versucht, uns ein umfassendes Bild zu machen", betonte Lederer. Es wurde dem Stiftungsrat "immer grünes Licht gegeben". Zur geplanten Sitzung des Stiftungsrates werden am Donnerstag Rechtsvertreter eingeladen, damit sich der "Stiftungsrat in rechtlichen Fragen ein Bild machen" könne, so Lederer.
Wie es mit Weißmann weiter geht
Weißmann ist nun nicht mehr Generaldirektor, sondern Angestellter des ORF. Er sei "in seine normale Funktion zurückgekehrt", er habe einen "Arbeitsvertrag als Chefproducer". In dieser Funktion wurde er dann beurlaubt. Ob er finanzielle "Ansprüche an den ORF geltend macht", ist "uns nicht bewusst". Finanzielle Ansprüche seien auch "nicht mit dem Stiftungsrat, sondern mit der interimistischen Generaldirektorin" zu klären. Gemeint ist Ingrid Thurnher, die am Donnerstag mit der vorläufigen Geschäftsführung betraut werden soll.
Weißmann unterliege als Angestellter "nicht mehr dem Regime des Stiftungsrates", so Lederer auf eine KURIER-Frage zur Zukunft des derzeit beurlaubten Ex-Generals. "Er untersteht der Generaldirektorin, die muss ihre Schlüsse ziehen. Wir werden das ganz genau besprechen, wir werden uns keiner Frage entziehen. Die Generaldirektorin muss sich ein Bild machen und wird danach handeln. Alle Fragen arbeitsrechtlicher Natur muss sie selber mit ihrem Team bewerten."
Die Vorgeschichte schlägt seit Tagen Wellen: ORF-General Roland Weißmann war nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin am Sonntag überraschend zurückgetreten. Am Dienstag hat Weißmann dann via Anwalt den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer attackiert. Dieser habe in ORF-Nachrichtensendungen „eine Vielzahl von […] Unwahrheiten“ verbreitet.
Lederer verteidigte in einem Schreiben an den Stiftungsrat die Vorgangsweise. "Von einer Drucksituation (gegenüber Weißmann, Anm.) kann nicht die Rede sein", so Lederer dann bei der Pressekonferenz.
Dass in der Aussendung des ORF gleich von "sexueller Belästigung" gesprochen wurde, verteidigte Lederer. "Es war entscheidend hier ein Wort auch für die betroffene Person und ihren Anwalt zu finden. Ich finde es auch nur korrekt, dass man so eine Sache nicht verschwummert."
Am Sonntag, nach dem Rücktritt Weißmanns um 11.45 Uhr am selben Tag, "haben wir umfassend bis 2 Uhr in der Nacht mit allen Direktoren gesprochen, wie wir am Montag die Mitarbeiter, aber auch den Stiftungsrat informieren werden. Das waren unsere wichtigsten Schritte", so Lederer.
Nun gehe es um "die umfassende Aufklärung der Causa mit allen Facetten und Hintergründen", sagte Vizevorstand Gregor Schütze. Es sei jetzt "die Compliancestelle am Zug", man könne auch überlegen, zusätzlich eine externe Firma beizuziehen.
Eine Taskforce soll weiters die Führungskultur im ORF beleuchten. "Es gibt schon ein Problem, das uns aufgefallen ist: Dass eine betroffene Mitarbeiterin sich einen Anwalt nehmen muss, um einen Schaden abzuwehren. Dass da nicht die Whistleblower-Hotline oder andere Einrichtungen im ORF genommen werden, gibt uns zu denken", sagt Lederer. "Das muss ein Problem darstellen. Wir wollen schauen, warum das nicht gemacht wird, warum haben Frauen Sorge oder Angst, diesen Weg zu beschreiten."
Man nehme die Taskforce "sehr ernst. Wir müssen uns das genau anschauen".
Für Song Contest "voll funktionsfähig"
Man bemühte sich, Zweifel an der anstehenden Abwicklung des Song Contests auszuräumen. "Wir sind voll funktionsfähig", so Lederer. Es gäbe für den ESC "ein umfassendes Team. Das läuft in ganz korrekten Bahnen. Wir haben alle Sicherheitsmaßnahmen, alle Diskussionen fest im Auge."
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