ORF: Stiftungsräte nahmen Einsicht in Compliance-Berichte
Nachdem der ORF-Stiftungsrat in der Vorwoche beschlossen hat, Einsicht in mehrere Compliance-Berichte der vergangenen Jahre nehmen zu wollen, haben mehrere Räte diese nun (zumindest teilweise) bekommen. Dabei geht es u. a. um Berichte zur Causa Roland Weißmann und ORF-III-Chef Peter Schöber. Letzterer will die Einsicht verhindern und klagt den ORF (mehr dazu hier).
"Dass ein hochbezahlter Manager versucht, mit einer Klage gegen das eigene Unternehmen die Aufklärung von Vorwürfen zu blockieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände am Küniglberg", hielt FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker in einer Aussendung fest und forderte "volle Transparenz und eine lückenlose Aufklärung". Grünen-Mediensprecherin Sigrid Maurer meinte in einer Aussendung, dass Schöber "schon längst den Sessel hätte räumen müssen". Dass dieser nun den Compliancebericht verräumen lassen wolle, sei "Wahnsinn".
Unmut im Landesstudio NÖ
Aber nicht nur Schöber begehrt gegen die Veröffentlichung seines Berichts auf, auch im ORF-Landesstudio NÖ wächst der Unmut. Horizont berichtete, dass sich mehrere Redakteure in einem Schreiben an ORF-Chefin Ingrid Thurnher gewandt haben. Sie sehen in der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zur Causa Robert Ziegler, der einst als ORF-NÖ-Landesdirektor laut Vorwürfen professionelle Distanz zu ÖVP-Politikern vermissen ließ, einen "massiven Vertrauensbruch". Befürchtet wird, dass einst im Rahmen der Untersuchung getätigte Aussagen rückverfolgbar sein könnten. Damals wurde den Dutzenden Personen, die damals aussagten, absolute Anonymität zugesichert. Wäre damals klar gewesen, dass Stiftungsräte Einsicht erhalten, hätten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre Aussage verzichtet, heißt es in dem Schreiben.
Der ORF betonte in einem Statement gegenüber der APA, dass "Schutz und die Wahrung der Vertraulichkeit und Anonymität aller Auskunftspersonen" oberste Maßgabe sei. Die Berichte würden nur nach sorgfältiger rechtlicher Prüfung in anonymisierter und gegebenenfalls geschwärzter Form in einem gesicherten Raum aufgelegt. Auch werde die Einsichtnahme beaufsichtigt und dokumentiert. Laut Standard wurde Zieglers Bericht vorerst nicht aufgelegt.
Stiftungsräte sichten Berichte
Mehrere ORF-Stiftungsräte haben bereits Einsicht in die restlichen Berichte genommen. Darunter der von der FPÖ entsandte ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler, der nach der Lektüre gegenüber oe24 von "Gefahr in Verzug" sprach und Thurnher aufforderte, sofort zu handeln.
ORF-Stiftungsrat Leonhard Dobusch war ebenfalls bereits im ORF-Zentrum, um Einblick zu nehmen. Er empfahl anschließend ORF-Chefin Thurnher, in der Causa rund um den Pensionsvertrag von Pius Strobl eine Sachverhaltsdarstellung wegen "mutmaßlicher Untreue und Bilanzfälschung" einzubringen, wie er dem Standard sagte. Nähere Angaben machte er mit Verweis auf die Vertraulichkeit nicht.
Kommentare