ORF-interne Info nach Weißmann-Rücktritt: Unternehmenskultur "großes Anliegen"

Nach Rücktritt wurde Belegschaft erneut auf interne Anlaufstellen hingewiesen.
Das ORF-Zentrum am Küniglberg.

Nach dem Rücktritt von ORF-General Roland Weißmann wurde die Belegschaft des Senders intern vom Direktorium erneut darauf hingewiesen, dass es "etablierte Prozesse und professionelle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner" im Haus gebe, um ein "sicheres und respektvolles Arbeitsumfeld" zu gewährleisten. Betont werden die "Strukturen und Anlaufstellen zum Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", insbesondere "im Bereich der Prävention und Meldung von sexueller Belästigung".

Dass die Frau, die Roland Weißmann Fehlverhalten vorwirft, einen externen Anwalt nahm, um dies zu tun, war auch Thema bei der Pressekonferenz des Stiftungsratsvorsitzes. "Es gibt schon ein Problem, das uns aufgefallen ist", sagte Vorsitzender Heinz Lederer am Mittwoch: "Dass eine betroffene Mitarbeiterin sich einen Anwalt nehmen muss, um einen Schaden abzuwehren. Dass da nicht die Whistleblower-Hotline oder andere Einrichtungen im ORF genommen werden, gibt uns zu denken", sagt Lederer. "Das muss ein Problem darstellen. Wir wollen schauen, warum das nicht gemacht wird, warum haben Frauen Sorge oder Angst, diesen Weg zu beschreiten." 

Die interne Mitteilung nun verwies darauf, dass "Unternehmenskultur" im ORF "in den vergangenen Jahren ein großes Anliegen" gewesen sei. Die entsprechenden Anlaufstellen, darunter ein anonymes Whistleblowing-Tool und die Gleichstellungsbeauftragte, "arbeiten weisungsfrei" und sind zur "Verschwiegenheit verpflichtet", wird betont.

Darüber hinaus bestehen "verpflichtende Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen für Führungskräfte". Man wolle über die weiteren Entwicklungen rund um den zurückgetretenen ORF-General "transparent informieren".

Erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte wird der ORF ab Donnerstag zumindest interimistisch von einer Frau geleitet. Ingrid Thurnher soll übernehmen, der Posten muss ausgeschrieben werden. Das Direktorium ist mit ihr, Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Finanzchefin Eva Schindlauer derzeit stark weiblich besetzt.

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