Thurnher will ORF bis Jahresende leiten: Durch Krise "noch nicht durch"

Interimistische Leiterin hat sich in der ersten von zwei ORF-Ausschreibungen beworben, zehn weitere Bewerbungen sind eingegangen.
Thurnher will ORF bis Jahresende leiten: Durch Krise "noch nicht durch"

Ingrid Thurnher will den ORF bis Jahresende leiten. Die derzeitige interimistische Leiterin hat sich für die Generaldirektion bis Jahresende beworben. Die diesbezügliche Ausschreibung hat gestern geendet. Zehn weitere Personen haben sich laut Aussendung des Stiftungsrats beworben.

Die Kandidaten sind laut Aussendung in alphabetischer Reihenfolge:

  • Victoria Benhak
  • Michael Gerdej
  • Alexander Kaufmann
  • Felix Kovac
  • Axel Mayrhofer
  • René Pöllibauer
  • Andreas Radl
  • Gerhard Ruscher
  • Christoph Schlagenhaufen
  • Gerhard Steinmetz
  • Ingrid Thurnher

Eine Bewerbung heißt noch nicht, dass man zum Hearing geladen wird. Diese Bewerbungen werden nun geprüft. Bis zuletzt können auch Stiftungsräte weitere Kandidaten ins Spiel bringen, die sich nicht beworben haben. "Wir freuen uns über so viel Interesse", sagt der Vorsitzende des Stiftungsrats, Heinz Lederer, zum KURIER. "Ich gehe von einem transparenten, fairen und informativen Hearingprozess aus. Wir alle sind dabei natürlich gespannt auf die Ausführungen der interimistischen ORF-Chefin und wie ihr Konzept für die Monate bis Ende 2026 aussieht."

Kommenden Donnerstag ist Stiftungsratssitzug, in der es um die Leitung gehen wird. Dabei wird auch die Ausschreibung für die Zeit ab 2027 debattiert. "Die Ausschreibung der Generaldirektion nach den Kritierien des neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetzes ist juristisches Neuland über Österreich hinaus", sagt Lederer. "Wir gehen mit einem Vorschlag in die Stiftungsratsdebatte, der im Zuge eines intensive Beratungsprozesses entstanden ist. Es ist ein vernünftiger, faktenbasierter Vorschlag, der dem EMFA und der österreichischen Gesetzeslage entspricht und den Freiraum der Stifungsratsmitglieder berücksichtigt. Dazu zählen eine Hearing-Prozess, nachvollziehbare Bewertungen und geheime Wahl mit, weil gesetzlich vorgegeben, namentlicher Kennzeichnung."

Thurnher: "ORF nicht auf einzelne Vorfälle reduzieren"

"Die vergangenen Wochen waren sehr intensiv", sagte Thurnher in einem Video, mit dem sie sich an die ORF-Mitarbeitenden wendet.  Darin spricht sie von einer "Krise" im ORF, von der die Menschen in Österreich laut einer aktuellen Umfrage jedoch ein differenziertes Bild hätten. "Die aktuelle Diskussion ist natürlich nicht gut für den ORF", betont sie. Der ORF lasse sich aber "nicht auf einzelne Vorfälle reduzieren, und seien sie noch so desaströs". 

"Wir schauen nicht weg, wir klären auf, wir ziehen Konsequenzen", betont sie. Wenn die Affäre transparent aufgearbeitet würde, "dann können wir aus dieser Situation verstärkt hinausgehen". Noch "sind wir nicht durch durch diese Krise", sagt sie. "Die kommenden Wochen und Monate werden sicher nicht leicht. Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft  stellen". Sie schloss mit: "Wish me luck".

Wer den ORF ab 2027 leitet, wird in einer weiteren Ausschreibung erkundet. Diese soll Anfang Mai stattfinden, die Wahl im Stiftungsrat dann voraussichtlich Mitte Juni.

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