"Samma auf Sendung?" Oder sind wir schon Europameister?

"Samma auf Sendung?" Oder sind wir schon Europameister?
Ein TV-Rückblick auf den denkwürdigen 6:1-Sieg des ÖFB-Teams gegen die Türkei.

* Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends*

 

Ex-Rapidler Helge Payer weiß auswendig, dass Peter Schöttel 524 Spiele für Rapid absolviert hat.

Helge Payer verlegte sich als Co-Kommentator dann aber mehr aufs Tore zählen. Denn bei der turbulenten EM-Vorbereitungspartie Österreich gegen die Türkei konnte man schon einmal den Überblick verlieren.

Und Helge Payer konnte gar nicht genug kriegen. „Wir führen 4:1 und geben weiter Vollgas. Das kann ganz gut auch ein 5:1 oder 6:1 werden ...“

„Unersättlich, Helge Payer“, sagte Oliver Polzer.

Polzer übte sich aber im Dämpfen: „Wir werden das jetzt nicht hochschrauben auf: Österreich wird Europameister. Denn da sind wir auch gut - im schnell Extreme malen.“

Payer: „Da sind wir SEHR gut!“

Payer sollte schließlich recht behalten. Es wurde ein 6:1. Daher war man sehr gespannt, wie euphorisch die Nachberichterstattung ausfallen würde.

Polzer blickte noch einmal zurück aufs erste Tor von Xaver Schlager nach 103 Sekunden. „Hat eigentlich lang gedauert, wenn man die österreichische Tradition der letzten Spiele hernimmt. Nein, Spaß beiseite …“

„Ein bissl unheimlich“ wirke das Ergebnis schon, sagte er.

Euphorisiert war Interviewer Andreas Felber, den das Tennis-Ergebnis faszinierte. „Ich bin versucht zu sagen: Spiel, Satz und Sieg für Österreich“ – 6:1 – aber nicht 6:1 / 6:1, sondern nur 6:1.“

Christoph Baumgartner hörte sich doppelt und nahm die Kopfhörer ab. Er blieb bescheiden: „Ob’s in der Höhe verdient ist, weiß ich nicht.“

Rainer Pariasek rief noch einmal in Erinnerung: „Ein 6:1 über die Türkei!“ – Er fragte Expertin Viktoria Schnaderbeck: „Wie ist das einzuordnen?“

Die einfache Antwort: „Wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt geschossen … und dann hat alles seinen Lauf genommen.“

Natürlich gab die Ex-ÖFB-Teamkapitänin noch eine ausführlichere Antwort, aber das ist doch im Fußball wirklich das entscheidende: Die Tore zur richtigen Zeit schießen. Also möglichst vor dem Halbzeit- und Schlusspfiff, ist ihr TV-Tagebuchschreiber versucht zu sagen.

Pariasek sah es ähnlich: „So einen Spielverlauf, die Tore zu solchen Zeitpunkten, brauchen wir wahrscheinlich bei der Euro auch.“

Herbert Prohaska hatte noch eine Idee, was den richtigen Zeitpunkt betrifft: „Egal, ob 4:1, 5:1 – sie haben immer weitergespielt. Wenn es jetzt noch zehn Minuten weiter geht, bekommen die Türken noch zwei Tore.“

Er erinnerte auch an den Umstand, dass das 4:2 für die Türken aberkannt wurde, weil im Nachhinein noch ein der Szene vorangegangenes Elferfoul erkannt wurde. Daher konnte Baumgartner per Elfer auf 5:1 stellen.

„Unglücklich ist es nicht verlaufen“, sagte Pariasek schmunzelnd.

Klingt fast nach: Hoch werden wir’s nimmer verlieren. Aber es ging ja keine zehn Minuten mehr weiter. Das Spiel war unwiederbringlich abgepfiffen.

 

"Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich"

Zurück zu Interviewer Andreas Felber. Er stellte dem Mittelfeldspieler Romano Schmid nach einer sehr guten Leistung die Killerfrage: „Ist es auch so eine Art Schaulaufen für den EM-Kader?“

Der blies ein paar Mal kräftig durch und sagte sinngemäß das einzig Richtige: Er gebe immer sein Bestes, „und natürlich ist es mein Ziel, dabei zu sein.“

Nun war der Teamchef an der Reihe. Pariasek fragte, was er geantwortet hätte, wenn ihm dieses Ergebnis vor dem Spiel prophezeit worden wäre?

Ralf Rangnick: „Dass es unwahrscheinlich ist, aber nicht unmöglich.“

Eine in dieser Kürze unmittelbar entwaffnende Antwort.

Und somit konnte das Match von ihm analysiert werden. Rangnick wies natürlich auch auf die schlechteren Phasen im Spiel hin.

Dann sagte er aber einen gefährlichen Satz: „Die zweite Halbzeit war annähernd perfekt, viel besser kannst du das nicht spielen.“

Das ist ein Satz, der den gelernten Österreicher zur Annahme verleiten könnte, wir seien schon Europameister.

Herbert Prohaska grüßte inzwischen die verbliebenen Fans im Stadion, die ihm zujubelten.

Pariasek wollte wissen, was bei den letzten Vorbereitungsspielen noch auf dem Programm stehe. 

Rangnick kehrte zurück zum trockenen Antworten: „Gut, in erster Linie geht’s darum, dass wir uns auf die 20 Feldspieler für die EM festlegen, das wird nicht so einfach."

Nach dieser Mannschaftsleistung in allen Bereichen wird das wohl umso schwieriger.

 

Gregoritsch und das "Radarauge"

Dann ging die "ZiB 3" vorbei und Pariasek, Schnaderbeck und Prohaska standen noch immer im Happel-Stadion. Der Triple-Torschütze Michael Gregoritsch wurde interviewt. Obwohl erklärt wurde, dass es kein echter Hattrick war, gratulierte Interviewer Felber zum Hattrick. Analysiert wurde dann noch, dass Gregoritsch sich den Matchball (oder besser: einen der Matchbälle) gesichert hat und, so Pariasek, "mit seinem Radarauge" verteidigt habe.

Pariasek fragte die beiden Analytiker süffisant: "Habt's ihr eigentlich einmal drei Tore gemacht in einem Match?"

Schnaderbeck wies auf ihre eher defensiven Aufgaben in ihrer Spielerinnenkarriere hin.

Prohaska: "Ich hab' drei Mal drei gemacht."

"Im Nationalteam?", fragte Pariasek.

"Nein, im Nationalteam einmal nur zwei."

"Und auch den Ball mitgenommen?"

Prohaska, lachend: "Nein, damals gab's ja nur den einen Ball und den mussten wir dem Schiedsrichter geben."

Nach diesem Ausflug in die grauen Vorzeiten des Fußballs ging es mit Spielzusammenfassungen weiter.

"Samma auf Sendung?" Oder sind wir schon Europameister?

„Samma auf Sendung?“

Nach dem Highlights des Spiels Frankreich gegen Chile sah man sekundenlang das weite Stadienrund, ohne Ton, dann hörte man ein Rascheln und plötzlich leise die Stimme Pariaseks: „Samma auf Sendung?“

Als Pariasek dann wieder im Bild war, und ein Ersatzmikro in der Hand hielt, sagte er grinsend: „Ja, bei uns ist leider ein bissl ein Tonproblem ... aber ich hoffe, zuhause hört man alles.“

Ja, wir haben mitgehört. War ja alles auf Sendung.

Nachdem man noch beobachten konnte, dass Polen, Ukraine (!) und Georgien (!) in den Playoffs die letzten EM-Tickets lösten, war dann nach Mitternacht Zeit für Prohaska, „Gute Nacht“ zu sagen.

Samma jetzt schon Europameister?

Kommentare