Zum Tod von Scott Adams: Im Großraumbüro hilft nur noch verzweifeltes Lachen
Es gibt, natürlich, ein endloses Reservoir an Absurdität im Büroleben.
Scott Adams hat es ausgeschöpft: Seine höchst erfolgreiche „Dilbert“-Comicreihe, die am Höhepunkt von Adams’ Erfolg in mehr als 2000 Zeitungen in 65 Ländern und 25 Sprachen abgedruckt wurde, hat alles, was man auch in echt – natürlich nur vom Hörensagen! – kennt.
Den Kaffeetassen tragenden Kollegen, der gescheit redet, nichts tut (ein IT-Projekt von ihm ist, testweise große Bilddateien von den aktivsten Servern der Welt herunterzuladen, sprich: im Dienst Porno zu schauen) und trotzdem kündigungsmäßig unantastbar ist.
Die hoch talentierte und zynisch-verzweifelte Frau, die, manchmal bebend vor Zorn, den Männern beim Unsinntreiben zuschauen muss.
Den Chef, der von nichts eine Ahnung hat, unrealistische Ziele mit dadaistischen Vorgaben setzt und deren Erfüllung boykottiert.
Die böse Teufelskatze aus der Human-Resources-Abteilung.
Giftiges Lachen
Und Dilbert eben, den modisch herausgeforderten Mehr-oder-weniger-Normalo, der sich Tag für Tag in sein kleines Abteil im Großraumbüro schleppt und all diese Absurdität mitmachen muss (und am Ende auch keinen geringen Anteil an ihnen hat). Er tanzt etwa täglich einmal um den Bürosessel herum, um das, was er sonst tut, sinnvoller erscheinen zu lassen.
Adams bot mit Dilbert hochwillkommene Entlastung in kleinen Dosen von all dem, was die Weiße-Hemdkragen-Arbeitswelt so toxisch macht. Es ist das alles ein großer Kalauer über die aufgeblähte Businesssprache, über Prozesse um der Prozesse Willen und die umfassende Unprofessionalität, die sich hinter den neonbeleuchteten Bürofassaden abspielt. Dass Adams hier den Nerv der Zeit traf, ist unbestritten: Der erste „Dilbert“ erschien 1989, also genau zu der Zeit, als die beginnende Computerisierung der Büros viele Manager und Mitarbeiter unter Rechtfertigungszwang brachte, wofür sie eigentlich noch gebraucht werden – genau der Moment also, als ein hoher Faktor der Fiktion in die Arbeitswelt Einzug hielt. Aus dieser ließ „Dilbert“ die Luft raus.
Es traf aber auch, sozusagen, der Nerv der Zeit den Herrn Adams. Im großen Spielraum der Satire noch abbildbar ist die Tatsache, dass Adams dann selbst Wirtschaftsselbsthilfebücher zu schreiben begann. Zwar witzige, aber doch letztlich von einem Gehalt, über den sich Dilbert wohl lustig gemacht hätte: Man müsse etwas nur wirklich wollen, so Adams in einem davon, dann trete es auch ein. Das ist nicht nur genau jener Unsinn, den man aus dem reichhaltigen Feld der absurden Wirtschaftsliteratur kennt. Sondern hat auch erste Anzeichen einer Schlagseite ins Faktenfreie, die Adams später – Stichwort: Nerv der Zeit – noch einholen sollte.
Denn sein Erfolg endete schlagartig, als er 2023 sagte, dass das Gescheiteste für Weiße wohl sei, sich von Schwarzen fernzuhalten. Er tat dies an einem Ort, an dem viele Männer sich überstolpern, in einem Podcast. Die Reaktion folgte prompt: Zeitungen und Verleger ließen ihn en masse fallen. Es habe absichtlich übertrieben, meinte er später. Doch der Schaden war angerichtet.
Nun ist Adams, 1957 im Bundesstaat New York geboren, 68-jährig an einer Krebserkrankung gestorben.
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