Elizabeth T. Spira mit ihrer persönlichen Assistentin Stefanie Speiser.

© Robert Neumüller

Neue Staffel
07/14/2019

Einblick hinter die Kulissen: Spiras letzte "Liebesg’schichten"

Stefanie Speiser war die persönliche Assistentin von Elizabeth T. Spira und bei den Dreharbeiten immer an ihrer Seite. Die 34-Jährige über die letzte Staffel mit Spira.

von Marco Weise

Elizabeth Toni Spira hat bis kurz vor ihrem Ableben an ihrer (wirklich) letzten Staffel gearbeitet. Die große Chronistin, die sich im Herbst 2018 doch noch überreden hat lassen, ein letztes Mal im Auftrag des ORF zu verkuppeln, konnte ihre Arbeit aber nicht mehr zu Ende bringen: Sie starb im März dieses Jahres 76-jährig nach langer Krankheit. Das von Spira hinterlassene Material wurde von ihrem  langjährigen Team „im Sinne ihrer Schöpferin“ fertigstellt und ist ab Montag auf ORF2 (20.15) zu sehen. Zum besagten Team gehört auch Stefanie Speiser, die seit Jahren für „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ mit Spira quer durchs Land gereist ist.

Elizabeth T. Spira hat sehr früh mit den Arbeiten zu ihrer letzten Staffel begonnen. Hat sie vielleicht schon gespürt, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt?

Stefanie Speiser: Ja, im Nachhinein betrachtet kommt es mir so vor, als hätte sie es gespürt, dass ihr bald die Kraft für die Reisen und Interviews ausgeht. Normalerweise hat sie sich nach einer Staffel im Herbst immer ein paar Wochen Ruhe und Urlaub gegönnt. Im Herbst 2018 war das aber anders: Wir haben relativ zügig, nachdem die letzte Folge im Fernsehen zu sehen war, mit den Dreharbeiten begonnen.

Gab es Rituale, die Spira wichtig waren?

Es war ihr wichtig, dass wir auf den Drehreisen gemeinsam frühstücken und zusammen zu Abend essen. Wenn geschnitten wurde, haben wir jeden Tag in der Früh gemeinsam Kaffee getrunken und Redaktionelles besprochen. Ansonsten hatte sie keine großen Extrawünsche. Sie war keine Diva, wie vielleicht viele glauben, sondern unkompliziert und keine kapriziöse Person.

Viele haben Spira Sozialpornografie vorgeworfen. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Auch wenn man ihr immer wieder unterstellt hat, Leute vorzuführen, kann ich mich dieser Meinung nicht anschließen. Denn sie hat immer Wert daraufgelegt, die Kandidaten nicht bloß zu stellen. Sie hat gedrehtes Material nicht gesendet, wenn es einem Kandidaten oder einer Kandidatin sehr geschadet hätte. Das, was man zu sehen bekommt, ist die Quintessenz der Gespräche, die Spira mit den Kandidaten geführt hat. Sie hat den Leuten immer viel Zeit gegeben, hat sie immer ernst genommen: Das Gespräch hat immer auf Augenhöhe stattgefunden.

Was hat Spira als Interviewerin noch ausgezeichnet?

Sie hatte definitiv ein unheimliches Gespür für Menschen. Sie war ein sehr prägender Mensch für jeden, der mit ihr gearbeitet hat. Sie hat den Menschen mit ihrer lockeren Art die Aufregung ganz schnell nehmen können. Das war mitunter ein Grund, warum sich die Kandidaten dann so schnell vor der Kamera öffnen konnten.

Wie viel war in den Wohnungen (Stichwort: Einrichtungsgegenstände) inszeniert?

Viele Zuseher glauben ja, dass die Zwischenschnitte, die während den Gesprächen zu sehen sind, inszeniert werden. Aber das stimmt nicht. Wir sind nicht mit dem Umzugswagen durch das Land gefahren und haben Wohnungen umdekoriert oder zusammengeräumt. Alles was man sieht, finden wir in den Wohnungen vor.

Wäre Spira mit ihrer letzten Staffel zufrieden gewesen?

Ob sie mit dem Ergebnis zufrieden gewesen wäre, kann ich nicht sagen, denn Spira war ihrer Arbeit gegenüber immer sehr kritisch eingestellt. Sie war eigentlich nur in seltensten Fällen zu 100 Prozent zufrieden. Sie war mit sich selber immer sehr streng und hat auch von ihren Mitarbeiterinnen viel verlangt. Aber wir hoffen natürlich, dass sie mit der neuen Staffel zufrieden wäre. Die Editorin Claudia Linzer, die nach dem Tod von Spira auch als Regisseurin tätig war, hat mit dem gesamten Team die neuen Folgen in Spiras Sinne fertig gestellt.

Was macht den Erfolg der Sendung aus?

Das Format ist sehr nah an den Menschen dran. Es ist nichts gescripted, nichts gestellt, sondern einfach ein sehr persönliches Gespräch zwischen zwei Menschen. In einer schnelllebigen Zeit fällt dieses Format total aus dem Rahmen: Die Bilder dürfen länger stehenbleiben, es gibt keine harten Schnitte, keine Action. Vielleicht haben die Leute eine gewisse Sehnsucht nach dieser Ruhe in den Bildern, die die „Liebesg’schichten“ ausstrahlen. Oder vielleicht ist es auch ein Teil Gewohnheit: Das Format begleitet viele Menschen schon viele Jahre lang durch den Sommer.

Gab es jemals Überlegungen, etwas am Format zu ändern?

Wir haben uns natürlich immer wieder Gedanken zu Neuerungen beziehungsweise Änderungen gemacht. Aber schlussendlich ist nichts daraus geworden, weil es das Format nicht besser gemacht hätte. Ich finde es sehr schön, wie die Programmdirektorin Kathrin Zechner ja auch betont hat, dass der letzten Staffel von Frau Spira genügend Raum gegeben werden wird, und die Sendungsverantwortlichen erst im Herbst entscheiden werden, was mit dem Format passieren wird, ob es überhaupt weitergehen wird und ob es Änderungen geben wird.

Die Musik war ihr auch immer wichtig. Konnte man mit Spira darüber diskutieren?

(lacht) Die Jungen im Team haben immer wieder mit ihr hitzig darüber diskutiert. Sie war aber durchaus für neue Songs offen, wenn die Musik und deren Inhalt zu den Kandidaten passte, Bild und Ton stimmig waren. Man spürt beim Schneiden relativ schnell, ob das funktioniert oder nicht.

Wer könnte Spira nachfolgen?

Das ist schwer zu beantworten. Es gibt viele verschiedene Arten ein Interview zu führen, die alle funktionieren können. Einer neuen Person gegenüber wäre es sehr unfair, sich direkt mit einer Spira vergleichen zu müssen. So wie die sendungsverantwortliche Redakteurin Sharon Nuni bereits erwähnt hat, würde es niemandem guttun, Elizabeth T. Spira einfach nur kopieren zu wollen. Aber die Entscheidung (über die Nachfolge) treffe Gott sei Dank nicht ich.

"Liebesg’schichten und Heiratssachen"
Ab 15. Juli zeigt ORF2 (immer um 20.15) neue „Liebesg'schichten und Heiratssachen“. Die 23. Staffel des Formats ist die letzte, an der die im März verstorbene
Filmemacherin Elizabeth T. Spira mitgewirkt hat. Zu sehen sind in den kommenden Wochen neue Episoden, die sich aus zwei Bilanzfolgen, sieben regulären Ausgaben mit neuen Kandidaten sowie einer Highlights-Sendung  mit den besten Szenen der vergangenen Jahre zusammensetzen.

"Alltagsgeschichten"
ORF III wiederholt seit Anfang Juli  jeden Dienstag die kultigsten Reportagen von Elizabeth T. Spira. Am 16. Juli sind „Denn Hundeherzen  schlagen treu“ (20.15),  „Das Glück ist ein Vogerl“ (21.05), „Im Park“ (21.55) und  „Am Brigittaplatz“ (22.40)  zu sehen. ORF 2 wiederum zeigt jeweils sonntags gegen 23.15 Uhr eine „Alltagsgeschichte“.