© Ben Rothstein/Ben Rothstein/Netflix

Kultur Medien
10/11/2019

Kritik zu "El Camino": Nachspiel von "Breaking Bad" macht nicht high

Der Aufguss von "Breaking Bad" erzählt bei Netflix von den 48 Stunden nach dem Serien-Ende.

von Alexandra Seibel

Als die US-TV-Serie „Breaking Bad“ vor sechs Jahren endete, waren sich alle einig: „Breaking Bad“, Gewinner von zwei Golden Globes und zahllosen weiteren Auszeichnungen, zählte zu den besten Serien der jüngeren Fernsehgeschichte. Und: Das blutige Finale der fünften und letzten Staffel galt als ganz besonders hervorragend.

Hätte es da noch eine Fortsetzung gebraucht?

Achtung, Spoiler!

Natürlich nicht.

Zwar schickte der Mastermind von „Breaking Bad“, Vince Gilligan, nach Ablauf der Serie das Prequel-Spin-off „Better Call Saul“ hinterher; doch mit einer Fortsetzung von „Breaking Bad“ war nach dem elegant inszenierten Tod von Bryan Cranston als Drogenkoch Walter White nicht mehr zu rechnen.

Mit „El Camino: A Breaking Bad Movie“ liefert der Streamingdienst Netflix nun aber ein längliches Nachwort, das dem ursprünglichen Finale wenig hinzuzufügen hat, obwohl es von Gilligan höchst persönlich geschrieben und verfilmt wurde.

Dem Schicksal entgegen

El Camino“ gehört ganz Jesse Pinkman, kongenial gespielt vom dreifachen Emmy-Gewinner Aaron Paul. Jesse ist der ehemalige Schüler von Walter White, der mit seinem Ex-Lehrer zusammen Crystal Meth kochte und groß ins Drogengeschäft einstieg. Gegen Ende von „Breaking Bad“ geriet Jesse in die Fänge einer Neo-Nazi-Gruppe, wurde von ihnen wie ein Tier im Käfig gehalten und gezwungen, rund um die Uhr Drogen zu brauen. Walter White befreit ihn – und das letzte, was wir von Jesse Pinkman sehen, ist, wie er hysterisch lachend in einem El Camino davon braust – seinem ungewissen Schicksal entgegen.

Exakt an dieser Stelle setzt nun „El Camino: A Breaking Bad Movie“ ein und erzählt die nächsten 48 Folge-Stunden. Wer die Serie nicht gesehen hat, sollte sich die Zusammenfassung vor Filmbeginn ansehen, um eine Ahnung von der Handlung zu bekommen. Allerdings bleibt für Nicht-Eingeweihte „El Camino“ nicht mehr als ein düsterer, solider Thriller. Fans der Serie hingegen werden sich im nachtschwarzen Albuquerque und den Weiten der Wüste von New Mexico sofort heimisch fühlen.

Gleich zu Beginn stattet der traumatisierte Jesse alten Freunden, den zwei Witzbolden Badger und Skinny Pete einen Besuch ab, um erst einmal Nudeln zu futtern, zu duschen und seine Zukunft zu planen. Nachdem er mit großem Polizeiaufgebot gesucht wird, keine leichte Sache.

Western-Stilismen

Gilligan muss beinahe jeden neuen Handlungsschritt mit einer Rückblende erklären, was zu gewieften Twists führt und das Wiedersehen mit alten Bekannten aus der Serie ermöglicht, vor allem – so viel sei verraten – mit dem soziopathischen Killer Todd (Jesse Plemons) und seinem pseudo-freundlichen Milchgesicht; durch die dauernden Zeitsprünge allerdings wird die Erzählung auch durchlöchert.

Mithilfe von dunklem Humor und Western-Stilismen wie Pistolen-Duellen und epischen Landschaftsaufnahmen liefert Gilligan Nachschub aus vertrautem Serien-Terrain. Damit gelingt es ihm zwar, manche offene Fragen zu beantworten, kann aber trotzdem nicht verhindern, dass sich „El Camino“ wie der Aufguss von etwas anfühlt, das längst fulminant zu Ende gegangen ist.

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