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Kultur Medien
01/16/2020

Grimme-Preis: Nominierungen für "M" und "Das Wunder von Wörgl"

Die deutschen Fernsehpreise sehen viel Potenzial bei Serien und Krimis, weniger bei Unterhaltung.

von Michael Huber

73 Produktionen und Einzelleistungen sind für den 56. Grimme-Preis 2020, den renommiertesten Fernsehpreis im deutschen Sprachraum, nominiert. Aus über 850 Einreichungen und Vorschlägen wählten die Kommissionen in den Kategorien Information & Kultur, Fiktion, Unterhaltung und Kinder & Jugend die Nominierten aus. Diese stellen sich ab dem 25. Januar der Beurteilung der Jurys, die insgesamt bis zu 16 Grimme-Preise vergeben können. Die herausragenden Produktionen und Leistungen werden am 27. März 2020 im Theater der Stadt Marl mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Der Streaminganbieter Netflix ist zum ersten Mal in zwei Kategorien vertreten: Mit „Wir sind die Welle“ (Rat Pack Filmproduktion, Sony Pictures Film und Fernseh Produktions GmbH für Netflix) und „How to sell drugs online (fast)“ (btf für Netflix) sind Produktionen in der Kategorie Kinder & Jugend genannt, eine Spezialnominierung erhielten die Serien „Skylines“ (Komplizenfilm für Netflix) für den überzeugenden Umgang mit Musik.

Die vom Österreicher David Schalko ersonnene und vom ORF gemeinsam mit RTL Crime getragene Produktion „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist im Bereich Fiktion nominiert. Nominiert ist außerdem Urs Eggers bereits mehrfach preisgekröntes historisches ORF-Drama „Das Wunder von Wörgl“ mit u. a. Karl Markovics und Verena Altenberger

Die negative Entwicklung der vergangenen Preisjahre beim Unterhaltungsfernsehen setzt sich nach Angaben des Grimme-Instituts fort: Obwohl die Jury theoretisch 19 Nominierungen in diesem Bereich aussprechen könnte, schafften es in diesem Jahr nur neun Produktionen unter die besten des Fernsehjahres. Ausgewählt sind unter anderem „Joko & Klaas LIVE – 15 Minuten“ (Florida TV für ProSieben), „Die Geschichte eines Abends … mit Olli Schulz“ (NDR) und „Chez Krömer“ (ProBono Tv für rbb).

Im Wettbewerb Fiktion stehen noch 23 Produktionen und Einzelleistungen im Wettbewerb um einen der fünf Grimme-Preise. „Es zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Stoffen zurückgeht und die Macher und Macherinnen auf bewährte Genres wie den Krimi setzen“, erklärte die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach. Für die Serie war auch 2019 ein starkes Jahr, insgesamt 37 wurden durch die Nominierungskommission Fiktion gesichtet, fünf wurden nominiert, darunter „Eden“ (Atlantique Productions/Port au Prince für SWR/ARTE/ARTE France/ARD Degeto), „Der Pass“ (Wiedemann & Berg/epo-film für Sky) und „Andere Eltern“ (eitelsonnenschein für TNT).

Information und Kultur

Die weiter hochaktuellen gesellschaftspolitischen Themen Flucht und Migration, Rechtsextremismus, gesellschaftliche Ungleichheit, Klimawandel und ein unter Druck stehendes Europa fanden auch in diesem Jahr in besonderem Maße im Bereich Information & Kultur ihren Niederschlag. Auch viele Beiträge zum dreißigjährigen Jubiläum des Mauerfalls prägten das dokumentarische Fernsehjahr 2019. 23 Beiträge und Einzelleistungen wurden nominiert, darunter „Lucica und ihre Kinder“ (B’Braun Filmproduktion für ZDF/3sat), „Draußen“ (unafilm für WDR/ARTE), „Die Story im Ersten: Tote auf der Balkanroute“ (BR) und der Dokumentarfilm „Dark Eden“ (MADE IN GERMANY Filmproduktion für ZDF/3sat), der anhand des kanadischen Fort McMurrays den existenziellen Preis der fossilen Energie aufzeigt.

Für die Besondere Journalistische Leistung nominierte die Kommission die Journalist*innen Olga Sviridenko, Edmund Willison, Hajo Seppelt, Jörg Winterfeldt und Shea Westhoff unter anderem für ihre Recherchen für die im Rahmen der ARD-„Sportschau“ ausgestrahlte Dokumentation „Kampf ums Geschlecht“ (WDR), die Redaktion von MONITOR für das hohe Niveau ihrer kontinuierlichen und haltungsstarken Berichterstattung über Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus (WDR) sowie Oliver Mayer-Rüth, stellvertretend für das Team des ARD-Studios Istanbul, für seine facettenreichen Beiträge aus der Türkei (BR).

 Die komplette Liste der Nominierungen ist auf der Website des Grimme-Instituts zu finden.  Preisträgerinnen und Preisträger des 56. Grimme-Preises 2020 werden am 3. März 2020 bei einer Pressekonferenz im Essener Grillo-Theater bekanntgegeben.