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Kultur Medien
06/29/2020

"Golden Girls"-Folge wegen "Blackfacing" aus Programm gestrichen

"Scrubs", "30 Rock", "Simpsons" und "Family Guy": Immer mehr Comedyserien sind von Streichungen betroffen.

von Peter Temel

Nun auch die „Golden Girls“. Der US-Streamingdienst Hulu hat eine Folge der Comedyserie (1985-1992) aus dem Programm genommen, weil in einer Szene eine Art „Blackfacing“ verwendet wird. Es handelt sich um die Folge 23 aus der dritten Staffel namens „Mixed Blessings“ (auf Deutsch: „Gemischte Gefühle“).

Und darum geht es: Dorothys Sohn Michael beschließt, eine ältere schwarze Frau namens Lorraine zu heiraten. Dorothy (Beatrice Arthur) macht sich weniger Gedanken um die unterschiedliche Hautfarbe als um den gehörigen Altersunterschied, während Lorraines Familie sehr wohl Bedenken äußert, dass sie als Schwarze einen Weißen ehelichen wolle. Die wechselseitigen Versuche, das ganze abzublasen, enden darin, dass Lorraine im Haus der „Golden Girls“ ankommt. Rose (Betty White) and Blanche (Rue McClanahan) probieren in diesem Moment gerade eine neue Schönheitsbehandlung mit Schlamm fürs Gesicht aus. Als sie auf die afro-amerikanischen Gäste stoßen, sagt Rose: „Das ist nur Dreck in unseren Gesichtern, wir sind nicht wirklich schwarz.“

„Blackfacing“ ist eine überkommene Methode in der Kulturwelt, um afrikanisch aussehende Menschen zu imitieren. Der Kunstgriff, am berühmtesten vielleicht bei der Verdi-Oper „Otello“, wird heutzutage als rassistische Darstellung aufgefasst und weithin abgelehnt.

Im Zuge der antirassistischen Proteste der „Black Lives Matter“-Bewegung hat die Verurteilung von „Blackfacing“ neuen Aufschwung genommen. Die landesweiten Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis Ende Mai befeuerten auch die Debatte über strukturellen Rassismus und Diskriminierung in der US-Gesellschaft.

"Scrubs" und "30 Rock"

Anfang dieser Woche wurden drei Episoden der Ärzte-Comedy „Scrubs“, in denen Blackfacing satirisch eingesetzt wurde, aus Hulu entfernt. Auch vier Episoden der erfolgreichen Mediensatire „30 Rock“ sind betroffen. "Ich entschuldige mich für den Schmerz, den ich verursacht habe", schrieb Autorin und Hauptdarstellerin Tina Fey in einem Statement für das Magazin Vulture. Kein Kind, das Comedy liebe, solle über die Witze stolpern und sich von ihnen getroffen fühlen.

Außerdem hat „The Office“ eine Szene mit einer schwarzen Figur aus einer Episode der neunten Staffel entfernt, den Rest der Episode jedoch gleich belassen.

Die britische Sketch-Show „Little Britain“ wurde Anfang Juni sogar zur Gänze von Netflix und anderen Streaming-Plattformen entfernt, da Blackfacing in jeder Folge vorkommt.

"Simpsons": Apu war nur der Anfang

Einen ebenfalls konsequenten Weg gehen die Macher des TV-Dauerbrenners "Die Simpsons“. Sie wollen in Zukunft keine weißen Synchronsprecher mehr für die Vertonung von nicht-weißen Figuren einsetzen, wie die US-Produktionsfirma Fox Studios mitteilte. 

Bereits Anfang des Jahres hatte der langjährige Synchronsprecher des indisch-stämmigen Ladenbesitzers Apu Nahasapeemapetilon, Hank Azaria, angekündigt, die Vertonung aufgeben zu wollen. Zuvor hatte es immer wieder Rassismusvorwürfe gegeben. Kritiker warfen Azaria eine klischeehafte Darstellung Apu Nahasapeemapetilons vor, weil er dessen indischen Akzent stark überspitzte.

Die Entscheidung von Fox Studios betrifft auch die Figur des Arztes Dr. Hibbert, der vom weißen Schauspieler Harry Shearer vertont wird. Shearer leiht zahlreichen weiteren "Simpsons"-Figuren seine Stimme, darunter dem berüchtigten Unternehmer Mr. Burns und dem quirligen Nachbarn der Familie Simpson, Ned Flanders.

Auch Auswirkungen auf "Family Guy"

Und auch bei der Cartoonserie „Family Guy“ tut sich etwas. Mike Henry gibt seine Sprechrolle als Cleveland Brown auf. “Ich liebe diese Figur, aber farbige Personen sollten farbige Charaktere spielen. Deshalb werde ich von der Rolle zurücktreten“, schrieb Henry auf Twitter.

Henry ist seit 1999 Teil des Synchronisatorenteams von „Family Guy“. Neben Cleveland spricht er auch zahlreichen andere Nebenfiguren wie Consuela, eine Latina-Magd.