"Garmisch-Krimi": Ein Wolf erhitzt die Gemüter

Die Österreicherin Philine Schmölzer ermittelt in der neuen Alpenkrimi-Reihe. Im KURIER-Interview spricht sie über den Dreh, Berlin und Taylor Swift.
Daphne Meindl (Philine Schmölzer) kniet im Wald und berührt einen reglos am Boden liegenden Wolf.

Erst bekommt Tierschützer Fabian Pongratz einen abgetrennten Wolfskopf zugeschickt, wenig später ist er tot. Die Polizei in „Der Garmisch-Krimi: Wolfsmord“ (Samstag, ServusTV, 20.15 Uhr) beginnt zu ermitteln – und landet schnell mitten im Konflikt zwischen Wolfsbeschützern und jenen, die das Tier am liebsten tot sehen würden.

Ein Thema, mit dem sich Philine Schmölzer seit ihrer Jugend immer wieder beschäftigt, wie sie im KURIER-Gespräch erzählt: „Ich bin Unterstützerin des WWF und setze mich immer mit der Frage auseinander: Wie können wir wieder mehr Wildnis herstellen?“

Daphne Meindl (Philine Schmölzer) sitzt ernst zwischen zwei streitenden Personen in einem hellen Raum mit Jalousien.

Generell befasse sie sich mit Umweltthemen, der Klimakrise oder auch der Verhüttelung in ihrer Heimat Kärnten. „Ich mag aber sehr an dem Film, dass beide Seiten zu Wort kommen und auf niemanden mit dem Finger gezeigt wird. Es gibt hier nicht nur die armen Bauern und die bösen Politiker, sondern das Ganze bewegt sich in einer Grauzone.“ Von der besonnenen Art, mit der ihre Figur Daphne Meindl mit dem Konflikt umgeht, wolle sie sich selbst „eine Scheibe abschneiden“, so Schmölzer.

"Kann sich in der männderdominierten Welt durchsetzen"

Zu Beginn würde man Daphne, die meist einen großen Katzentrinkbecher in der Hand hält, leicht unterschätzen: „Sie wirkt in ihrem Stil und Verhalten angepasst und durchschnittlich. Erst nach und nach merkt man, dass sie sich mit ihrem feinen Gespür und ihrer Beharrlichkeit sowohl in der männerdominierten Welt des Polizeireviers als auch gegen ihre ehemalige Kollegin durchsetzen kann.“

Die wird von Lavinia Wilson („Cassandra“) gespielt, verkauft nach ihrem unrühmlichen Ende bei der Polizei Koi-Karpfen im Baumarkt – und beteiligt sich munter an den laufenden Ermittlungen, die auch nach Österreich führen. Im Gegensatz zur Ledermantel tragenden Ex-Kommissarin bevorzugt Daphne andere Outfits: „Um die langen Fingernägel, die Pastelltöne und ihren ,Girly Look‘ konnte ich die Figur gut drumherum bauen.“ Oft erstelle Schmölzer Playlists, um in Rollen zu finden. Was Daphne hört? „Taylor Swift. Das unterscheidet uns grundsätzlich“, lacht die 27-Jährige.

Ira Zach (Lavinia Wilson) und Daphne Meindl (Philine Schmölzer) sitzen an einem Tisch in einem Büro.

Ermitteln gemeinsam: Ira Zach (Lavinia Wilson) und Daphne Meindl (Philine Schmölzer).

"Man muss ab und zu aus Berlin verschwinden"

Sprachlich habe sie sich bei der aus Tirol stammenden Figur für eine eigene Dialektmischung entschieden: „Ich bin keine Tirolerin und es wäre komisch, wenn ich versucht hätte, mir in ein paar Wochen diesen Dialekt anzueignen. Ich habe mir gedacht, dass Daphne vielleicht Verwandte in Kärnten, Wien und anderswo hat und deswegen ein Mischmasch spricht. So wie es bei mir auch ist.“

Die gebürtige Villacherin lebt seit Jahren in Berlin, hat die Schauspielschule Ernst Busch absolviert und wurde 2021 Teil des Berliner Ensembles. Ihre erste Filmrolle hatte sie im Kärntner ORF-Landkrimi „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“, in „Die Flut – Tod am Deich“ spielte sie eine Norddeutsche, und in der Serie „Sisi“ gab sie die kleine Schwester der Kaiserin. Für ihren nächsten Dreh verschlägt es Schmölzer wieder nach Österreich: In Wien entsteht die zweite Staffel der ZDF-Serie „Crystal Wall“. Über den Ortswechsel ist sie froh: „Berlin ist toll, aber nicht lange. Wenn man keine Berlinerin ist, muss man ab und zu aus dieser Stadt verschwinden, weil sie schon extrem ist.“ In Österreich zu drehen sei „ein bisschen gemütlicher, man versteht den Schmäh“.

"Der Film sprengt das Alpen-Krimi-Idyll"

Andere Projekte seien in der Pipeline, aber noch nicht spruchreif. Sofern die Quoten stimmen, soll es auch mit dem „Garmisch-Krimi“ weitergehen. Geplant sei, relevante Themen aus der Grenzregion aufzugreifen. Für den aktuellen Fall hofft Schmölzer, „dass sich die Leute ein bisschen Gedanken zur Wolfssituation machen, sich ihr eigenes Bild machen, und vor allem, dass sie Spaß haben. Es gibt sehr humorvolle Elemente in dem Film. Und er sprengt das Alpen-Krimi-Idyll – auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt.“

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