Musikalische Juwelen mit den Berliner Philharmonikern in Eisenstadt
Helmut Christian Mayer
Schon zwei Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, seit 1991, wird das Europa-Konzert der Berliner Philharmoniker, das die Einheit und Vielfalt des Kontinents dokumentieren soll, an historischen Stätten veranstaltet. Seither findet das Konzert jedes Jahr um den 1. Mai, dem Gründungstag des Orchesters (1882), an wechselnden Orten in Europa statt.
Nun spielte der traditionsreiche Klangkörper an jenem Ort, an dem Joseph Haydn fast vier Jahrzehnte wirkte und von dem Beethoven inspiriert wurde, nämlich im prachtvollen und akustisch exzellenten Haydn-Saal von Schloss Esterhazy, einem Barock-Juwel in Eisenstadt.
Natürlich durfte an diesem geschichtsträchtigen Ort auch Musik vom Genius Loci nicht fehlen: So war gleich zu Beginn Haydns Ouvertüre in D-Dur unter dem Dirigat von Kirill Petrenko sehr lebendig zu erleben. Mit vielen virtuosen solistischen Einlagen insbesondere des Konzertmeisters erklang die „Pulcinella-Suite“ aus dem neoklassizistischen Ballett von Igor Strawinski, das auf Musik von Giovanni Battista Pergolesi beruht. Hier wurden gekonnt die moderne Harmonik und Metrik ausgelebt.
Wo Star-Cellist Gautier Capucon auftritt, begeistert er das Publikum. Nicht anders war es hier im Schloss Esterhazy mit den „Variationen über ein Rokokothema“, mit der Piotr Iljitsch Tschaikowski seine Verehrung für Mozart kundtat und ein Stück, das zum Schwierigsten zählt, was für dieses Instrument je komponiert wurde. Der französische Cellist spielte die sieben Variationen vollendet: Mit allen Registern seiner Virtuosität, warmem Ton, feinem Strich und vielen Farben, mal romantisch ausladend, mal temperamentvoll tänzerisch und immer mit perfekter Intonation. Einfühlsam begleitet wurde er dabei vom Orchester. Als Encore für den Jubel intonierte Capucon mit der Cellogruppe gemeinsam innig „Song of the Birds“ von Pablo Casals.
Große Spielfreude
Schließlich wurde die 2. Symphonie von Ludwig van Beethoven mit großer Spielfreude musiziert, wobei auch die Kontraste vom Chefdirigenten akzentreich herausgearbeitet wurden. Dem weitausschwingenden Ruhepol des Werkes, dem kantablen Larghetto fehlte es nicht an großer Innigkeit. Auch die teils extrem schnellen, diffizilen Tempi im Finalsatz wurden mit Bravour bewältigt.
Ovationen!
KURIER-Wertung: ***** von *****
TV-Tipp: Am 3. Mai zeigt Arte Deutschland das Konzert um 16.40 Uhr. Am Pfingstmontag (25. Mai) ist es um 11 Uhr in ORF 2 und im ZDF zu sehen.
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