Die umtriebigen Chefs des ORF-Stiftungsrates
Heinz Lederer, Vorsitzender des Stiftungsrates, SPÖ
Ihr lukratives Geschäft ist die PR- und Krisen-Beratung, doch so viel Öffentlichkeit in eigener Sache freut die beiden Chefs des ORF-Stiftungsrates weniger. Vor allem der Vorsitzende Heinz Lederer (63), Leiter des SPÖ-Freundeskreises und etwas zurückhaltender sein Stellvertreter Gregor Schütze (42), Leiter des ÖVP-Freundeskreises, haben in der Causa Weißmann nicht so professionell kommuniziert wie sie es für ihre Kunden tun sollten.
Zwei PR-Unternehmer an der Spitze des quasi Aufsichtsrates des größten Medienunternehmen des Landes – vereinbar oder nicht? Liegt hier, wie die Redaktion des ORF kritisiert, ein wandelnder Interessenskonflikt vor? Geht es in diesem Business doch oft darum, Kunden (meist größere Unternehmen) zu Berichterstattung im ORF zu verhelfen – oder dies zu verhindern.
Lederer sieht kein Governance-Problem, es dürfe kein Berufsverbot für Spezialisten im Medienbereich geben. Für ihn stelle sich diese Frage aber ohnehin nicht, da klassische PR nur einen sehr geringen Anteil ausmache, erklärte er gegenüber dem KURIER.
„Wo zieht man die Grenze“, fragt Schütze und verweist auf die „extrem strenge Compliance“, alle Geschäft mit dem ORF seien im Stiftungsrat zu melden. Beide betonen, in der „äußerst unabhängigen Redaktion“ nie interveniert zu haben.
Gregor Schütze, ÖVP
„Lederer ist sehr machtbewusst und geriert sich schon so, als ob der ORF sein Unternehmen wäre. Sowohl bei Personalia als auch bei inhaltlichen Ideen“, hört man von Stiftungsräten über den ehemaligen SPÖ-Kommunikationschef, der eine wechselvolle Karriere hingelegt hat.
Nach der Politik ging Lederer als Pressesprecher seines Freundes André Rettberg zu Libro und wurde Vorstand der Online-Tochter lion.cc. Mit deren Ausgleich trat Lederer zurück. Libro ging in Konkurs und Rettberg in Haft.
Als Berater kam Lederer dann mit dem später verurteilten Lobbyisten Peter Hochegger ins Geschäft. Dieser sagte, Lederer habe von Telekom Austria, ÖBB und Flughafen Wien mehr als 1,2 Millionen Euro erhalten, was Lederer im Korruptions-U-Ausschuss dementierte. Auch heute will er die korrekten Beträge nicht nennen, angebliche 400.000 Euro Honorar von der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria will er ebenfalls nicht kommentieren. 2007 zog Lederer erstmals für die SPÖ in den Stiftungsrat ein, ging zwischendurch ab und kehrte 2017 zurück.
Millionengewinne
Der Oberösterreicher Schütze begann seine politische Karriere schon als Schüler, in die „große“ Politik kam er als Sprecher und Kabinettsmitarbeiter der ÖVP-Innen- und Finanzministerin Maria Fekter. Nach deren Abgang gab’s einen beruflichen Durchhänger, im Windschatten von Sebastian Kurz ging es dann steil aufwärts. Hilfreich war die Freundschaft zu Philipp Maderthaner, dem Kampagenen-Chef von Kurz. 2018 schickte Kurz Schütze in den Stiftungsrat.
Der Stiftungsrat sei für eine PR-Agentur ein Umsatz-Turbo, meint man in der Branche. Zufall oder nicht – die Firmen der Stiftungsräte, beide an besten Innenstadt-Adressen, boomen seitdem.
Die 2017 gegründete Heinz Lederer Verwaltungs GmbH schrieb 2017 noch einen kleinen Verlust, 2019 schon mehr als 520.000 Euro Gewinn und 2024 mehr als 571.000 Euro Gewinn. Die Communication GmbH seines Geschäftspartners Thomas S., in der Lederer Geschäftsführer ist, brachte es 2017 auf knapp 530.000 Euro Gewinn. 2024 auf mehr als 933.000 Euro.
Schütze hat bereits eine der größten (25 Mitarbeiter und Partner) und profitabelsten Agenturen des Landes aufgebaut. Schütze Public Results fuhr 2020 rund 534.000 Euro Gewinn ein, 2024 knapp 2,2 Millionen.
Dass die Agentur die ORF-Konkurrenten Netflix und Sky als Kunden hat, hält Schütze für zulässig. Man berate ja nur in Sachen Kommunikation.
Lederer dementiert übrigens, für Signa bzw. Benko gearbeitet zu haben. Laut Krone taucht er aber auf Abrechnungen von Benko-Anwalt Stefan Prochaska auf.
Lobbying
Lederer scheint außerdem im Lobbying-Register mit 280.000 Euro Umsatz und 12 Aufträgen auf. Schütze und zwei Partner mit 234.000 Euro und fünf Aufträgen.
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