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TV-Tagebuch
02/22/2021

Botschafter in "ZiB 2": Deutsches Eck liegt an der Mosel

Beziehungspflege mit Ecken: Zur derzeit delikaten Situation an der deutschen Grenze zu Tirol war der Diplomat Ralf Beste bei Martin Thür zu Gast.

von Peter Temel

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Fernsehdiplomatie auf höchstem Niveau am Sonntagabend in der „ZiB 2“. Der deutsche Botschafter Ralf Beste gab bei Martin Thür Auskunft über die aktuellen Reisebeschränkungen, die bei vielen Tirolern für Unmut sorgen. Ein Kritikpunkt betrifft die ausufernde Bürokratie, die man auf sich nehmen müsse, um eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten.

Beste argumentiert mit der Ausgeglichenheit des Diplomaten: Es wäre einfacher, so wie im vergangenen Frühling einfach zuzusperren. Weil man aber nun Ausnahmesituationen berücksichtige, erhöhe sich im Zuge der Nachweispflicht auch die Anzahl der Grenzfälle.

Wo ist das Deutsche Eck?

Beste erklärte aber auch möglichst behutsam, dass die Befahrbarkeit der schnellsten Route von West- nach Ostösterreich nicht gerade Causa prima bei unseren nördlichen Nachbarn ist.

„Wenn Sie in Deutschland jemanden fragen: Wo ist das Deutsche Eck? Dann wird er sagen: Das ist die Mündung der Mosel in den Rhein bei Koblenz“, sagte Beste. Dass das die kürzeste Landverbindung zwischen der Stadt Salzburg und Tirol ist, sei nicht so bekannt. Daher habe man erst eine Sensibilität für die beliebte Pendlerstrecke durch Bayern aufbauen müssen und erst mit Verspätung Ausnahmelösungen gefunden.

Flood of the river Rhine in and Moselle in Koblenz

Eleganz

Thür hielt den Gesprächsfluss gekonnt am Laufen: „Weil Sie die Mosel schon angesprochen haben. Das Département Moselle (in Frankreich, Anm.) hat auch sehr hohe Infektionszahlen, dort soll es einen Cluster mit Südafrikabezug geben. Dort sind die Grenzen aber noch offen, warum der Unterschied?“

„Elegante Überleitung, wenn ich das sagen darf“, erklärte Beste. „Es gibt einige Unterschiede, können wir gern gemeinsam durchgehen.“ Die angrenzenden deutschen Bundesländer hätten sich eine offene Grenze gewünscht und hielten die Quarantänemaßnahmen in Frankreich derzeit noch für ausreichend, beschied der Diplomat.

Was das für die Beurteilung der Tiroler Coronadisziplin vonseiten Bayerns bedeutet, zeigt wahrscheinlich der Umkehrschluss. Auch das ist Diplomatie.

Delikatesse

Aber Beste deutet immerhin eine Art Bonus für Österreich an: Aufgrund der „Delikatesse und Enge“ der deutsch-österreichischen Beziehungen habe man sich dazu entschieden, nur die Grenze zu Tirol dichtzumachen und nicht - wie im Fall von anderen Virusvariationsgebieten wie Tschechien - die komplette Staatsgrenze.

Jetzt könnten wiederum die Tschechen einen Umkehrschluss ziehen.

Bleibt noch die Frage, was die Beziehungen zu Österreich in den Augen des Diplomaten delikat macht. Das kann ja sowohl "köstlich" als auch "kompliziert" bedeuten.

Wesentlich diplomatischer beschrieb diese Thür, nämlich als „traditionell sehr freundschaftlich und sehr gut“.

Wir werfen zur Auflockerung einen Blick auf die Webseite der Deutschen Botschaft. Dort stellt sich Beste gleich auf der Homepage so vor: „Mein erster Kontakt mit Österreich war Córdoba 1978 – ausgerechnet an meinem zwölften Geburtstag. Danach konnte es nur besser werden.“

Piefke-Saga

Am Beginn der „ZiB 2 am Sonntag“ wurde das Interview mit dem deutschen Botschafter übrigens mit der Headline „Piefke-Saga“ angekündigt.

Diese Fernseh-Delikatesse lief gerade - offenbar anlassbezogen - im ORF. Alle vier Teile der berüchtigten Serie sind derzeit noch in der ORF-TVThek nachzusehen.

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