Rosamunde Pilcher: Im siebten Himmel

© ORF / Jon Ailes

Kultur Medien
12/03/2021

Bei Rosamunde Pilcher heiraten erstmals zwei Frauen

Neuer Film "Im siebten Himmel" setzt gesellschaftspolitisches Signal. Am Samstag in ORF 2.

Rummms, da geht die KirchentĂŒr auf und ein gestrenger Aufseher mit Ă€ußerst humorlosem Gesicht betritt das Gotteshaus. Vikarin Rebecca Taylor hat gerade zwei Frauen getraut, was ihrem Chef so gar nicht zu gefallen scheint. Spannung liegt in der Luft. "Hoffentlich kriegen Sie wegen uns keinen Ärger", sagt eine der beiden Frischgetrauten verunsichert. Die Jung-Vikarin aber ist sich ihrer Sache gewiss: "Vor Gott sind wir alle gleich."

So beginnt der neue Rosamunde-Pilcher-Film ("Rosamunde Pilcher: Im siebten Himmel"), den ORF 2 am morgigen Samstag (4. Dezember, 20.15 Uhr) zeigt. Manch einer wird sich fragen, warum man das so herausstellen muss. Aber im Pilcher-Film-Universum, das es seit 1993 gibt und das nicht gerade als Hort des Fortschritts verschrien ist, ist es eine kleine Sensation. Erstmals wird die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares gezeigt. Die Szene ist kurz - aber verbunden mit einer Botschaft. Denn die grundsympathische Nachwuchs-Pastorin (Antonia Bill) ist die Heldin dieser Geschichte.

Der Mann hinter den Filmen ist Michael Smeaton. Will man erfahren, warum die Trau-Szene etwas Besonderes ist, muss man also ihn fragen. Bei einem Kaffee in Köln stellt der Filmproduzent zunĂ€chst mal klar: "In der Gesellschaft ist das natĂŒrlich gar nichts Sensationelles mehr. FĂŒr einen Pilcher-Film aber schon." Der ein oder andere Zuschauer werde sicherlich auch fragen, wer auf diese Idee gekommen sei. "Oder vielleicht auch: Weiß Frau Pilcher davon?"

Die Anmutung der Pilcher-Filme, die aus dem literarischen Werk der 2019 gestorbenen Autorin resultieren, ist durchaus konservativ.

Beim Zuschauen beschleicht einen das GefĂŒhl, dass diese Welt - sofern es sie denn mal gab - schon ein Weilchen zurĂŒckliegt. Schauplatz ist ein extrem aufgerĂ€umtes England. Sonnenbeschienene Menschen tragen perfekt sitzende Kleidung, wohnen in herrschaftlichen HĂ€usern und fahren romantische Landstraßen entlang. Dazu tragen sie Namen wie "Lady Charlotte Biningham", was einen sofort an den Loriot-Sketch denken lĂ€sst, in dem Evelyn Hamann versucht, "Lady Hesketh-Fortescue" und "Lord Molesworth-Houghton" auszusprechen.

Man kann durchaus die Frage stellen, wie sich so ein Format modernisieren lĂ€sst. Produzent Smeaton ("Pilcher-Filme sind MĂ€rchenfilme") wird das auch hĂ€ufiger gefragt. Er fragt dann aber zurĂŒck: Was ist moderner? Schnelle Schnitte? Andere Texte? "Ich denke, dass die Modernisierung ĂŒber die Geschichten kommen muss. Das haben wir bei diesem Film gemacht", erklĂ€rt er. NatĂŒrlich lasse sich ein Pilcher-Plot in der heutigen Zeit ansiedeln.

Das Material, das momentan zu Pilcher-Filmen wird, basiere auf kleinen ErzĂ€hlungen, die die Autorin einst unter Pseudonym fĂŒr Frauen-Magazine geschrieben habe, berichtet er. Von deutschen Autoren sei es dann bearbeitet worden. "Das wurde aber immer mit ihr besprochen."

Der neue Film, der auf der ErzĂ€hlung "Another view" fußt und erzĂ€hlt, wie sich die junge Pastorin nach ihrer Zwangsversetzung in einen Mann verliebt, den sie in ihrer neuen Gemeinde eigentlich trauen soll, entstand allerdings erst nach Pilchers Tod. In der Ausgangsgeschichte tauche die Trauung der beiden Frauen am Anfang nicht auf, so Smeaton. Sie wurde reingeschrieben.

Der Produzent glaubt aber, dass die Großmeisterin der Romanze sehr einverstanden wĂ€re mit der Bearbeitung. Er war eng mit ihr befreundet. "Sie war eine moderne, aufgeschlossene Frau", sagt Smeaton. Ein Thema wie die Hochzeit gleichgeschlechtlicher Paare sei ihr nicht fremd gewesen. Er wagt sogar eine Prognose: "Wenn sie jetzt da oben im Himmel zuschaut am Samstag, wĂŒrde sie sicherlich sagen: Well done."

Gesellschaftspolitisch wird Rosamunde Pilcher damit zeitgemĂ€ĂŸer. Eine andere RealitĂ€t bleibt gleichwohl weiterhin außen vor. Stichwort Corona. Ein Pilcher-Film mit Masken ist fĂŒr Produzent Smeaton vollkommen undenkbar. "Da muss natĂŒrlich geknutscht werden."

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