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Kultur Medien
12/11/2018

Ärger zwischen Sender-Familien: ORF reagiert auf Puls4-Seher-Bilanz 2018

ORFeins und ORF2 sind erfolgreichste österreichische Sender in allen Zielgruppen. 1,6 Millionen Minuten eigenproduziertes Programm.

von Christoph Silber

Die von der Politik intensiv gewünschte Zusammenarbeit zwischen dem ORF und privaten Sendern hat am Dienstag einen kleinen Dämpfer erlitten. Grund dafür ist eine Aussendung von ProSiebenSat.1Puls4. Darin jubelt die Sender-Gruppe über ein Quotenhoch im Jahr 2018 und liefert zudem einige Detail-Daten. Denen tritt der Öffentlich-Rechtliche auf KURIER-Anfrage entgegen mit klaren Ansage: "Die ORF-Sendergruppe ist mit 32,9 Prozent Marktanteil und 5,9 Mio. Sehern jede Woche eindeutiger österreichischer Marktführer sowohl hinsichtlich Marktanteilen als auch Reichweite". Die Werte beziehen sich auf die Zielgruppe 12 Jahre und älter im Jahr 2018 (bisher).

Der ORF liefert in seiner Stellungnahme auch aktuelle Detail-Daten für das zu Ende gehende Jahr 2018 mit: ORFeins erreichte demnach bislang heuer einen Marktanteil von 10,8 Prozent (12 Jahre und älter) sowie knapp 14 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen. In ORF2 sind 19,4 Prozent sowie 9,4 Prozent. "ORFeins und ORF2 sind die erfolgreichsten österreichischen Sender in allen Zielgruppen", lautet das Fazit am Küniglberg.

Dort beeinsprucht man auch die Selbstdarstellung von ProSiebenSat.1Puls4 als österreichische Sendergruppe. " Puls4, ATV und ATV2 sind österreichische Sender, der Rest sind deutsche Sender mit österreichischen Werbefenstern."

Vergleiche man "fairerweise nur die österreichischen Sender miteinander liegen die ORF-Sender mehr als 20 Prozentpunkte vor Puls4, ATV und ATV2" (bei 12 Jahre und älter). Dies gelte auch für die Behauptung der ProSiebenSat.1-Marktführerschaft in der „TV-Kernzielgruppe“ (nach Sinus-Milieus). "Auch hier liegen ORFeins und ORF2 in allen Zielgruppen mit teilweise großem Abstand auf den Plätzen 1 und 2. Vergleicht man wieder nur die österreichischen Angebote der Sendergruppen liegt der ORF mit noch größerem Abstand vorne."

Volles Programm

Verärgert ist man auf dem Küniglberg auch ob der Darstellung von ProSiebenSat.1Puls4 und deren Eigenproduktionsaufkommen. Der ORF sende rund 1,6 Mio. Minuten eigenproduziertes Programm pro Jahr (Wert 2018). "Der ORF investiert mehr als 300 Mio. Euro in österreichische Filme und Serien allein 2019-2021. Österreichische Kommerzielle (mit Ausnahme von Servus TV) produzieren bisher nahezu keine österreichischen Filme und Serien", wird betont.  Allein 2019 würden etwa 500 neue österreichische Film, Serienfolgen, Dokumentationen und ähnliches vom ORF beauftragt.

Auch der Darstellung über Werbung im Programm widerspricht man im ORF entschieden: "Die ProSiebenSat.1Puls4-Gruppe strahlt 14x so viele Werbesekunden aus, wie der ORF". Bezogen auf die Monate Jänner bis Oktober 2018 verzeichneten ORFeins und ORF2 zusammen 1656 Werbeminuten - gegenüber 22.761 Minuten, die die ProSiebenSat.1Puls4-Gruppe nach ORF-Darstellung im selben Zeitraum ausspielte.

Stärker als die private Konkurrenz ist man in Sachen Werbung demnach nur mit den für die werbetreibende Wirtschaft wichtigen Werbeblock-Reichweiten. Jene von ORFeins und ORF2 gemeinsam sei mit durchschnittlich 367.000 Sehern 13 Mal so hoch wie jene der stärksten Privatsendergruppe, heißt es in der ORF-Stellungnahme.  

 

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