Reinhardt Seminar: Hoffnungslosendrama mit überzeugenden Bühnenhoffnungen

Vincent Busche inszeniert Maxim Gorkis „Nachtasyl“ am Reinhardt Seminar.
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Gestrandete haben in diesem Nachtasyl Unterkunft gefunden. Hoffnung aber finden sie hier keine. Als ein mitteilsamer Pilger auftaucht und von vermeintlichen Auswegen spricht, scheint etwas in Bewegung zu geraten. Der Schein trügt. Bald versinken die Verzweifelten wieder in Agonie, einer begeht Selbstmord.

Vincent Busche, der am Max Reinhardt Seminar im 3. Studienjahr Schauspielregie studiert, hat Maxim Gorkis 1902 uraufgeführtes Stück „Nachtasyl“ nun als Vordiplomarbeit inszeniert. Seine Arbeit überzeugt. Vor allem die dystopische Stimmung hat er gut eingefangen. Kaltes Neonlicht beherrscht die Bühne (Marcus Möller). Ein länglicher Quader, in dem den Verzweifelten durch geschickten Einsatz der Hebebühne die Decke buchstäblich auf den Kopf zu fallen droht. Dann wieder tun sich, ebenfalls wörtlich, Abgründe auf. Die Bedrängnis dieser Ausgestoßenen geht unter die Haut. 

Dass Vincent Busche, der neben Regie auch Philosophie studiert hat, Gorki in die Gegenwart versetzt – es geht unter anderem um Migrantenfeindlichkeit – ist legitim, aber nicht zwingend. Gorkis Text spricht von der Bedrängnis des Menschen an sich. Das Ensemble – Diyar Agit, Noëmi Duong, Nikolas Lajos Kendi, Leonie Pum, Caroline Szivak, Leonard Tondorf, Schauspielsstudentinnen und -studenten des 2. und 3. Studienjahres – ist beeindruckend. Kaum zu glauben, dass der eine oder andere hier zum ersten Mal überhaupt an einer Ensemblearbeit teilnimmt.