Madison Beer im Gespräch: „Ich hatte keine Kindheit“
Madison Beer wurde mit einem Cover von „At Last“ bekannt – da war sie erst zwölf Jahre alt. Die frühe Karriere ging mit psychischen Problemen einher.
Madison Beer treibt sich gerne in Antiquitätenläden herum. Gut möglich, dass die amerikanische Pop-Sängerin am Mittwoch die Altwarentandler in Wien abklappert. Schließlich steht ihr Konzert in der Marx-Halle an. Eine Preziose bringt sie aber schon mit: Ihr drittes Album „Locket“ („Medaillon“).
„Die neuen Songs handeln von einer schmerzhaften Trennung. Sie sind Erinnerungen, die ich trotzdem gerne in meinem Herzen tragen werde. Da dachte ich, dass der Titel passend ist“, erzählt die 27-Jährige im KURIER-Gespräch.
Ungeachtet des traurigen Themas, sagt Beer, sei das Album ein neuer Anfang für sie. „Ich fühle mich viel freier, spüre viel weniger Druck von außen und bin an einem Punkt angekommen, wo ich alle Entscheidungen selbst treffe und Dinge so machen kann, wie ich will. Jetzt ist meine Priorität, Spaß zu haben, mich selbst zufriedenzustellen, anstatt die Erwartungen von anderen zu erfüllen.“
Bekannt wurde Beer mit einem Cover des Etta-James-Klassikers „At Last“. Sie hatte damals – noch nicht einmal ein Teenager – erste Videos von Interpretationen ihrer Lieblingssongs gepostet. „At Last“ ging viral, weil Justin Bieber es entdeckt und seiner Fan-Community einen Link dazu geschickt hatte. Trotzdem sieht Beer die sozialen Medien heute sehr kritisch. Sie waren der Grund, dass die schon mit zwölf Jahren berühmte Sängerin als Teenager mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen hatte.
Cybermobbing
Als sie 15 war, tauchten nämlich Nacktfotos und -Videos von ihr im Internet auf, die sie ihrem Freund geschickt hatte. In ihrem Buch „The Half of It“ schrieb sie dazu: „Ich habe ihn seit Jahren gekannt, ihm von ganzem Herzen vertraut, wir waren so unglaublich verliebt ineinander. Wir waren jung, haben unsere Sexualität und Körper entdeckt, uns Fotos und Videos geschickt. Aber ich dachte, wenn er sie gesehen hat, löscht er sie.“ Das Resultat davon, dass sie doch im Internet auftauchten, war massives Cybermobbing, mit dessen Auswirkungen Beer zehn Jahre zu kämpfen hatte. Dazu kamen der Druck der Musikindustrie, der plötzliche Riss in der jungen Karriere und ein Gefühl der Einsamkeit.
Mit Therapien und dem Rückhalt ihrer Familie bekam sie das aber in den Griff. „Ich war sehr jung Dingen ausgesetzt, denen man in diesem Alter nicht ausgesetzt sein sollte“, resümiert sie. „All diese Meinungen über mich, die in den sozialen Medien herumschwirrten, während ich selbst noch voll in der Entwicklung meiner Persönlichkeit war, waren total ungesund. Ich habe das Gefühl, dass ich keine Kindheit hatte, von zwölf Jahren zu 27 gesprungen bin. Aber ich habe all das in den Songs meiner ersten beiden Alben thematisiert und hoffe, dass diese Offenheit Leuten hilft, denen es genauso geht, dass sie sich weniger alleine fühlen.“
Zur Show in Wien wird Beer neben den Songs von „Locket“ auch die Erinnerungen an diese Zeit, allen voran ihren größten Hit „Reckless“, mitbringen. Und sie hofft, dass es ihr diesmal besser geht als beim letzten Wien-Besuch: „Da hat mich jemand zu einem wunderbaren klassischen Konzert eingeladen. Aber ich konnte nicht hingehen, ich hatte hohes Fieber – sehr traurig. Diesmal aber muss das klappen.“
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