Leykam-Verlag stellt sein Programm großteils ein

Mehrere Orcas und verschiedene Fische schwimmen zwischen Algen und Korallen, einige Fische sind in Fischernetzen gefangen.
Ab 2027 veröffentlicht der österreichische Verlag keine Kinderbücher, Literatur und Sachbücher mehr. Der Fokus wird auf Wissenschaft gelegt.

Seine Kindersachbuchreihe „Faszination Krake“, „Faszination Qualle“ und „Faszination Wale“, elegant in Schwarz-Weiß illustriert von Michèle Ganser, gehört zu den Vorzeigeprodukten des Leykam Verlags. Nun hat der Autor Michael Stavarič auf Facebook eine Information ins Rollen gebracht, die überrascht hat. Der österreichische Verlag wird solche Bücher in Zukunft nicht mehr produzieren.

Keine Kinderbücher, keine Jugendbücher, keine Belletristik, keine Literatur, keine populären Sachbücher. Der komplette Publikumsbereich wird ab 2027 eingestellt. Das bestätigte Leykam schließlich in einem eigenen Instagram-Post. Aus „wirtschaftlichen Gründen“ habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, der Verlag wolle sich auf „andere Programmschwerpunkte (insbesondere Wissenschaft und Pädagogik) konzentrieren“. Das aktuelle Programm und das von Herbst 2026 sei davon nicht betroffen, bereits veröffentlichte Bücher bleiben lieferbar.

Ältester Verlag

Der 1585 in Graz gegründete Leykam Verlag gilt als der älteste Verlag in Österreich. Als Druckerei von Hofbuchdrucker Georg Widmannstetter zeitgleich mit der Grazer Universität gegründet, gab es schon früh eine Verbindung zwischen den Institutionen. Noch heute kooperiert Leykam eng mit dem Grazer Universitätsverlag. 1781 gründete Andreas Leykam, Gehilfe in der Druckerei Widmannstetter, eine eigene Druckerei, die schließlich die ursprüngliche eingliederte.

Zu den Autorinnen und Autoren von Leykam gehören Bettina Balaka, Kurt Palm, Mareike Fallwickl, Michael Köhlmeier, Eva Reisinger, Fabian Navarro, Jaqueline Scheiber und sehr viel früher: Peter Rosegger.

Mehrfach ausgezeichnete Bücher

Leykam schuf sich eine Nische mit engagierten Essays über feministische, diverse und queere Themen. Zuletzt stand vor allem der anspruchsvolle und herausragend gestaltete Kinder- und Jugendbuchsektor im Fokus der Aufmerksamkeit. Da war es Leykam gelungen, sich im deutschsprachigen Bereich mit mehrfach ausgezeichneten Titeln einen Namen zu machen, etwa mit der Frauenbiografiesammlung „Mach dir die Welt“ von Raffaela Schöbitz, in der Kleopatra, Frida Kahlo und Malala Yousafzai Mädchen (und Buben) inspirieren sollen.

Wirbel um Penismuseum

Im vergangenen Herbst geriet Leykam wegen des von Eva Reisinger und Mareike Fallwickl herausgegebenen feministische Sammelbands „Das Pen!smuseum“ in die Medien, weil die ursprünglich mit einem Beitrag vorgesehene Autorin Gertraud Klemm wieder ausgeladen worden war.

Kinderliteratur hat Wert

Die österreichische Verlagswelt wird jedenfalls ärmer. Stavarič hat in seinem Posting über die Kinderliteratur geschrieben: „Unsere Arbeit hat einen Mehrwert für die Gesellschaft. Ein anspruchsvolles Kinderbuchprogramm – und ich spreche nicht nur vom Leykam-Verlag – sogar noch mehr, denn der Wert solcher Bücher steht völlig außer Frage. Die Abwärtsspirale der Simplifizierung und Empathielosigkeit in der Welt dreht sich weiter, der Sprach- und Identitätsverlust folgt“.

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