„Les Misérables“ im Kino: Ein Elender, der wieder Hoffnung schöpft

Victor Hugos Klassiker „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“ als intensives Kammerspiel.
Grégory Gadebois als Ex-Häftling.

 Kann ein Mann, der 19 Jahre seines Lebens wegen einer Lappalie im Kerker saß, noch so etwas wie Güte und Menschenliebe empfinden? Oder bleibt für ihn nach all dem erlebten Grauen und den zahllosen Demütigungen die Welt ein Ort der Verdammnis?

Victor Hugo, Frankreichs epochaler Romancier, beantwortete diese Frage 1862 mit Ersterem: Für Hugo, den großen Humanisten, war es nur logisch, dass sein Jean Valjean die Dämonen besiegen und zur Menschlichkeit bekehrt werden kann. Er erschuf einen Elenden, der wieder Hoffnung schöpft. Es ist kein Leichtes, Victor Hugos Meisterwerk „Les Misérables – Die Elenden“ eine neue Facette abzuringen. Zu oft wurde der Roman schon verfilmt, neben diversen Kinoadaptionen existieren zig Musicalversionen.

Doch Regisseur Éric Besnard gelingt es dank seiner kammerspielartigen Inszenierung, die einen ganz nah an den vier Protagonisten (Jean Valjean, der gütige Bischof Myriel, der ihm Obdach gewährt, dessen Schwester und die Haushälterin) verweilen lässt, Dichte und Intensität zu schaffen. Den ersten beiden Kapiteln des Romans folgend, zeigt er die Läuterung des verrohten Ex-Häftlings zu einem Menschen, der wieder Gutes in der Welt sehen kann. Getragen wird das Historiendrama vom großartigen Grégory Gadebois, der mit seinem ruhigen, intensiven Spiel Jean Valjean geradezu idealtypisch verkörpert. Eine interessante Auseinandersetzung eines literaturverliebten Franzosen mit einem Stück nationaler Literaturgeschichte.

INFO: F 2025. 99 Min. Von Éric Besnard. Mit Grégory Gadebois, Isabelle Carré.

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