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Museen
10/22/2019

Leonardo da Vinci-Jubiläumsschau in Paris: Es geht wieder um Kunst

Die Blockbuster-Schau des Louvre, Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 500. Todestag, ist ab Donnerstag für Publikum zugänglich

von Michael Huber

Zuletzt ging es um Geld, sehr viel Geld. Es ging um Politik. Es ging um angebliche Geheimnisse, unentdeckte Meisterwerke und um einen Geniekult, der bis in die Ratgeberliteratur durchsickerte. Die Kunstgeschichte hatte in diesem Gemenge zuletzt eher wenig Platz.

Mit der mit Spannung erwarteten Ausstellung, die der Pariser Louvre am Donnerstag für Publikum öffnet - Ticketreservierungen sind Pflicht, viele Zeitfenster schon lange ausgebucht - soll sich der Fokus wieder ändern. Die Kuratoren der Schau (bis 24.2.2020) versprechen einen neuen wissenschaftlichen Blick auf Leonardo, gestützt auf ein Jahrzehnt der Forschung und auf neuartige technische Analysemethoden.

Zusätzlich zu den eigenen fünf Meisterwerken konnte das Pariser Museum vier eigenhändige Leonardo-Gemälde als Leihgaben sichern, dazu zwei Versionen der "Madonna mit der Spindel", die als Kollaboration des Meisters und seiner Werkstatt ausgewiesen sind. Damit schmückt sich die Schau mit immerhin "elf Leonardo-Gemälden" (zweifelsfrei zugeschrieben werden dem Meister 14 Werke, bei weiteren ist sich die Fachwelt über die Beteiligung anderer Maler uneins.) Hinzu versammelt die Schau rund 140 Zeichnungen, Skulpturen und Archivalien, die ein umfassendes Bild von Leonardos Schaffen geben.

Rund um das Gemälde "Salvator Mundi", das 2017 den Rekordpreis von 450 Millionen US-$ erzielt hatte, herrschte bis zuletzt Unklarheit - der Louvre zeigt eine der Werkstatt zugeschriebene Version des Motivs aus der Sammlung de Ganay und reiht das Original in Leonardos Florentiner Zeit um 1500. Das spricht für die grundsätzliche Akzeptanz des Bildes im Leonardo-Kanon. Die Kuratoren schlossen gegenüber dem Art Newspaper auch nicht aus, dass das Bild, sollte sein Eigentümer noch einer Leihgabe einwilligen, noch während der Laufzeit in die Schau kommen könnte.

Auch um die berühmte Zeichnung des "Vitruvianischen Menschen" herrschte bis zuletzt Tauziehen, erst vor kurzem gab ein italienisches Gericht aus der Accademia Florenz das Bild frei. Ein Kulturschutzverein namens Italia Nostra (Unser Italien) hatte gegen die Herausgabe des Kulturguts geklagt. So viel zum Thema Geld und Politik.

Leonardo, der Maler

Im Bereich der Kunstgeschichte, um den es nun endlich gehen soll, wollen die Kuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank hervorheben, dass Leonardo da Vincis Werk bei all seinen vielfältigen Facetten nicht um die Technik oder die Wissenschaft, sondern um die Malerei kreiste: Sie sei ihm ein Mittel gewesen, um zu erkunden, was die Welt zusammenhält und was hinter den Erscheinungen steckt. Leonardos Interesse für Anatomie und Mechanik sei ebenso im Dienste dieses Erkenntnisinteresses gestanden wie sein Bestreben, Menschen im Bild durch Bewegung, Licht und Schatten lebendig wirken zu lassen. Dass er die Kunst als eine "göttliche Wissenschaft" sah, beweise auch seine Technik des "sfumato", mit der es Leonardo auf einzigartige Weise gelang, mithilfe von Farbschleiern Atmosphäre im Bild zu kreieren.

Die Kuratoren wollen auch mit der Idee aufräumen, dass Leonardos Kunst sich je nach seinem Aufenthaltsort änderte. Von der Lehrzeit in Florenz über seine Zeit als Hofmaler der Grafen Sforza in Mailand, über seine spätere Florentiner Zeit bis zum Lebensabend in Frankreich zieht die Ausstellung daher die Idee einer konstanten künstlerischen Entwicklung, die eines zum Ziel hatte: Eine bisher ungekannte Freiheit.

Kunst und Technik

Zusätzlich zur historischen Forschung versammelten die Louvre-Kuratoren noch neue Erkenntnisse aus der technischen Analyse von Leonardos Gemälden, insbesondere aus der Infrarot-Reflektografie. Sie erlaubt Blicke auf die Kohle-Unterzeichnung und gibt Aufschluss darüber, wie der Künstler sein Bild anlegte und welche Elemente er wieder verwarf.

Die "Mona Lisa" wird nicht im Rahmen der Ausstellung präsentiert, dafür würde der angestammte Aufstellungsort renoviert. Zusätzlich tat sich das Museum mit der Virtual-Reality-Firma HTC Vive zusammen, um das Bild, das im Museumsbetrieb hinter Glas präsentiert und tagtäglich von tausenden Touristen belagert wird, von einer neuen Seite zu zeigen. "Mona Lisa: Beyond the Glass" ist das erste Virtual-Reality-Angebot des Louvre und soll den Weg weisen, um technische Erkenntnisse und andere Kontexte zur historischen Kunst zu vermitteln. Das Angebot kann mit der entsprechenden Software auch außerhalb des Museums genutzt werden.

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