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Landestheater NÖ: Feministische Gegenwartsfragen mit Gretchen und Geierwally

Patricia Nickel-Dönicke beginnt als Direktorin des Landestheaters NÖ mit Bertolt Brecht, inszeniert von einem zwölfköpfigen Regieteam
INTERVIEW MIT DER NEUEN KÜNSTLERISCHEN LEITERIN DES LANDESTHEATERS NÖ: PATRICIA NICKEL-DÖNICKE

Das Publikum des Landestheaters Niederösterreich wird sich an viele neue Gesichter gewöhnen müssen: Patricia Nickel-Dönicke, ab dem Herbst Direktorin, übernimmt nur ein Drittel des Ensembles, sprich: Caroline Baas, Bettina Kerl und Michael Scherff. Hinzu kommen – meist aus Deutschland – acht Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Susi Wirth, Ines Schiller und Emma Bahlmann; Clemens Dönicke, der Mann der Direktorin, bestreitet am 31. Dezember mit Ensemblemitgliedern eine Musikshow mit dem Titel „Klub 27“.

Ob Marie Rötzer, die im Theater an der Josefstadt auf Herbert Föttinger folgt, das eine oder andere Noch-Ensemblemitglied mit nach Wien nimmt, wird man erst demnächst erfahren: Sie stellt am Donnerstag ihr Programm vor. Man weiß lediglich, dass sie äußerst josefstadtaffin beginnt: mit Arthur Schnitzer und Peter Turrini. 

Patricia Nickel-Dönicke hingegen wagt ein Statement: Zwölf Regisseurinnen und Regisseure, die in den nächsten beiden Saisonen eine Rolle spielen werden, bringen am 19. September zusammen mit dem gesamten Ensemble „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Bertolt Brecht aus 1941 heraus – als „Theaterabend über autoritäre Verführbarkeit, demokratische Fragilität und gesellschaftliche Verantwortung“. Die Deutsche, 1979 in Potsdam (damals DDR) geboren, will mit diesem „Regieprojekt“ unmittelbar sichtbar machen, wie das Landestheater künftig arbeiten will: „kollektiv, vielstimmig, offen für unterschiedliche Perspektiven und ästhetische Handschriften“.

Friedhof und Sanatorium

Am 17. Oktober folgt in der Theaterwerkstatt die Uraufführung einer „theatralen Videoinstallation“ über das Gretchen, deren Ruh nach der Bekanntschaft mit Heinrich hin ist: Margarete aus Goethes „Faust“ befreit sich in der Neudeutung durch Bert Zander „aus der ihr seit Jahrhunderten zugeordneten Opferrolle“. In der Theaterwerkstatt bringt der Regisseur auch seine Mystery-Show „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ zur Uraufführung (am 22. Jänner). Inspiriert dazu wurde er durch die Skelettfunde am Domplatz, ehemals Friedhof, im Zuge der Neugestaltung als Betonpiste.

Davor noch, am 4. Dezember, hat das „Sanatorium zur Gänsehaut“ von Ferdinand Schmalz als österreichische Erstaufführung in einer Inszenierung von Christina Tscharyiski Premiere. Im kommenden Jahr folgen Frank Wedekinds Sittengemälde „Musik“ (am 13. März), die Dramatisierung des Hans-Fallada-Romans „Der Trinker“ bei einer „Fahrt ins Blaue“ zum Heurigen Fink in Unterwölbling (2. April) und als Uraufführung „Die Geierwally“ in einer Bearbeitung der Tirolerin Anna Gschnitzer (15. Mai): Der zum dritten Mal eingesetzte Wolfgang Menardi werde „in seiner Bildgewalt feministische Gegenwartsfragen mit Volksmusik, Tanz und regionalen Performerinnen“ verbinden. 

Unter dem Label „Junges Landestheater“, kurz „JuLa“, gibt es „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende (ab 7. November) sowie „Die Sache mit dem Gruselwusel“ von Christine Nöstlinger und die Erstaufführung „22 Bahnen“ von Caroline Wahl in der Bühne im Hof.

Die Zahl bedeutender Gastspiele, deretwegen man nach St. Pölten reisen musste, verringert sich stark: Zu sehen ist „Mozart und Salieri“ von Burgtheater-Star Nils Strunk als musikalischer Soloabend (am 2. und 3. Oktober) sowie „Was ihr wollt“ von William Shakespeare in der Regie von Antú Romero Nunes als Produktion des Berliner Ensembles (am 16. und 17. April 2027). 

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