Landestheater Niederösterreich: Im Eilzug zur Schweinediktatur
Animal Farm: Sven Kaschte, Tobias Artner, Katharina Rose, Marthe Lola Deutschmann.
Kritik. Folgender Satz wird wohl selten geschrieben: Dieses Stück war kurz. Kaum, dass es finster im Saal wurde, war’s schon wieder vorbei. So zumindest fühlten sich die im Programm angegeben 80 Minuten bei der Premiere am Samstag an.
Etwas mehr Raum hätte die Entwicklung der demokratischen Tierrepublik zur Schweinetyrannei gut vertragen. Zumal am Anfang eine Spur zu viel gewitzelt wird. Es wirkt ein bisschen wie im Schnelldurchlauf: Eben noch unterdrückte das Schwein Mensch die Tiere, einen Wimpernschlag später schon war das Schwein Mensch geworden.
Das Landestheater Niederösterreich zeigt George Orwells Klassiker „Farm der Tiere“ als Theaterstück für Menschen ab 14 (Regie: Jonathan Heidorn). Im Mittelpunkt der Fabel vom Aufstand der Tiere steht der Satz: „Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher.“ Die Revolutionäre werden im Handumdrehen zu Unterdrückern. Bei Orwell sind die Revolutionäre Tiere, die sich gegen ihren Bauern auflehnen. Der Mensch ist der Feind und bald tot, die Tiere übernehmen und etablieren eine demokratische Ordnung. Die Gleichheit währt nicht lange. Sofern es sie jemals gab und sie nicht nur behauptet wurde. Denn dass Schweine schlauer als Schafe sind, steht gleich fest. Die Schweine sind Revolutionsführer und bald Herrscher.
Orwell wollte mit seinem 1945 entstandenen Roman Kritik an der Sowjetunion üben. Dass seine Fabel darüber hinaus geht, war ihm klar. Sein Oberschwein heißt Napoleon. Ein gewisser Napoleon Bonaparte stieg während der Französischen Revolution in der Armee auf, bevor er zum größenwahnsinnigen Feldherren wurde. Katharina Rose spielt das Führer-Schwein Napoleon mit fast unheimlicher Diktatoren-Verve. Auch ihre Kollegen Tobias Artner, Marthe Lola Deutschmann und Sven Kaschte machen ihre Sache ausgezeichnet. Alle spielen alle. Schwein, Schaf, Pferd, Mensch – den Schlachter. Gelungen auch Bühne und Kostüme (Thorben Schumüller). Grausige rosa Plastikanzüge deuten von Beginn an: Diese Utopie wird bald zur Dystopie. Das Farmhaus auf der Drehbühne wird clever eingesetzt. Beeindruckend: Schatten dunkler Flüssigkeit, die erahnen lassen: Im Stall spritzt das Blut. Das Ende des Tierparadieses.