Studie: Kulturelle Teilhabe mit und ohne Migrationshintergrund etwa gleich
Eine neue Studie zeigt, dass sich die kulturelle Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich mit 85 Prozent kaum von jener der Gesamtbevölkerung unterscheidet. Dies gelte auch für den Stolz auf Österreichs Kunst und Kultur. "Eine Ausnahme ist hier die in Österreich geborene zweite Zuwanderungsgeneration, die mehr Stolz auf Österreichs Kunst und Kultur berichtet als die Wohnbevölkerung insgesamt", heißt es im Endbericht.
Für die im März fertiggestellte und am Montag vom Kulturministerium veröffentlichte Studie, die Christian Glantschnigg vom Institut Foresight im Auftrag des Ministeriums durchführte, wurden zwischen Oktober 2025 und Jänner 2026 insgesamt 808 Menschen über 16 Jahre mit Migrationshintergrund in sieben Sprachen (Deutsch, Englisch, Türkisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch und Arabisch) befragt. Für die Vergleichswerte wurde eine Grundlagenstudie zur kulturellen Beteiligung aus dem Jahr 2023 herangezogen. Die wichtigsten Beweggründe für den Kulturbesuch sind Freude, Unterhaltung, das Erleben von Gemeinschaft sowie die Möglichkeit, neue Perspektiven kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern.
Ergänzung, nicht Ersatz: Kulturelle Veranstaltungen mit Bezug zum Herkunftsland
Einige Differenzen konnten konstatiert werden. Der Anteil jener, die keine Kulturveranstaltungen besuchen, liegt mit 15 Prozent leicht unter jenem der Allgemeinheit. Der Besuch von Denkmälern, Filmvorführungen und Museen spielt bei Menschen mit Migrationshintergrund eine größere, der von Kabarett eine geringere Rolle. Als Informationsquellen über kulturelle Veranstaltungen haben Internet und Social Media höhere Relevanz. Kulturelle Veranstaltungen mit Bezug zum (familiären) Herkunftsland werden als ergänzendes Angebot, nicht als Ersatz, wahrgenommen und von 24 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund oft oder gelegentlich besucht.
Eine höhere kulturelle Beteiligung ließe sich für 70 Prozent durch billigere Preise oder Gratiseintritte erzielen, 55 Prozent sehen leichter verständliche Informationen, 41 Prozent mehrsprachige Angebote als Möglichkeit, Kunst und Kultur für sie attraktiver zu machen. "Aber auch die Repräsentation von Menschen mit Migrationshintergrund würde für viele dafür sorgen, häufiger Kunst- und Kulturveranstaltungen zu besuchen - sei es, dass Menschen mit Migrationshintergrund als Mitwirkende (39 Prozent), auf inhaltlicher Ebene (37 Prozent) oder im Publikum (35 Prozent) stärker vertreten sind", heißt es in der Studie, die für Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) "die wichtige integrative Wirkung einer aktiven Kulturpolitik" bestätigt.
Babler will "niederschwellige Angebote auch in Zeiten knapper Budgets erhalten"
"Kunst und Kultur schaffen Räume der Begegnung und des gemeinsamen Erlebens. Sie fördern Verständnis, gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl", so der Kulturminister in einer Aussendung."Die Studie hebt hervor, dass eine Verschränkung von Kultur- und Bildungspolitik für die kulturelle Bildung besonders wichtig ist. Wer schon im jungen Alter mit Kunst und Kultur in Berührung kommt, wird auch im weiteren Leben eher am kulturellen Leben teilhaben. Die Studie bestätigt auch klar den Kurs, insbesondere niederschwellige Angebote auch in Zeiten knapper Budgets zu erhalten."
So gesehen leiste der Gratiseintritt für Kinder und Jugendliche in Bundesmuseen einen wichtigen Integrationsbeitrag.
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