"Arizona Lady" in Graz: Eine Rarität zwischen Operette und Musical
Es ist fast ein Bühnenwunderwerk, das hier am Grazer Opernhaus zu sehen ist. Denn die weitläufige, hohe, verspielt dekorierte Holzkulisse, eine Ranch samt Saloon darstellend, ist mehrstöckig sowie beidseitig bespielbar, in sich drehbar und schafft so immer neue Räume. Diese stammt vom Duo Okarina Peter und Timo Dentler ebenso wie die knallbunten, fantasievollen Glitzerkostüme, in welchem die letzte, kaum je aufgeführte Operette von Emmerich Kálmán, „Arizona Lady“, dessen Titel sich auf ein erfolgreiches Rennpferd bezieht, dargeboten wird. Dieses unvollendet gebliebene Werk wurde von seinem Sohn Charles vollendet und erst 1954 in Bern posthum uraufgeführt, in Graz gab es sogar schon im selben Jahr die österreichische Erstaufführung.
Kálmán verbrachte mehrere Jahre in den USA im Exil, war bald ein bekennender Westernfan und vermischte in diesem Stück Westernmusik mit den damaligen amerikanischen Modetänzen wie Foxtrott oder Shimmy sowie österreichisch-ungarischen Operettenklängen. Insgesamt beinhaltet das Stück sehr charmante, eingängige Songs, die das Werk zum Zwitter zwischen Operette und Musical werden lassen, wobei auf letzterem der Schwerpunkt liegt. Diese Musik wird von den Grazer Philharmonikern unter Kai Tietje stilsicher, schwungvoll und schmissig aufgeführt.
Der deutsche Dirigent hat auch selbst Hand an den Text gelegt, diesen neu bearbeitet sowie die Lieder neu arrangiert und auch die Handlung mit Regisseur Christian Thausing umgearbeitet. Einige Längen kann man dem Plot zwar nicht absprechen, und manche Sprechdialoge sind auch zu langatmig geraten, aber insgesamt ist das Werk, flott, mit viel Zauber, teils herrlich überzeichnet inszeniert und mit zahlreichen, mitreißenden Tanzeinlagen (Choreographie: Evamaria Mayer) gewürzt.
Leider zeigt ausgerechnet die Hauptfigur der Lona Farrell, einer Ranchbesitzerin im männerdominierten Wilden Westen, durch Frederike Haas zu wenig Präsenz und trotz Mikro-Verstärkung auch zu wenig Stimme. Für einen Cowboy ist Christof Messner sehr charmant und singt genauso den Roy Dexter. Liebevolle Momente sind in einem längeren Liebesduett zwischen den beiden zu vernehmen.
János Mischuretz ist ihr Gegenspieler Donald McDumb, der ihre überschuldete Farm, Cowboys und Rennpferde wegnehmen will. Vergleiche mit Donald Trump und dessen Sprüchen sind nicht zufällig. Mit prächtiger Stimme und enormer Bühnenpräsenz ist Corina Koller als Alkoholhändlerin Nelly Nettleton zu vernehmen. Weiters stechen aus dem riesigen Ensemble noch Ivan Orescanin als verweichlichter Städter Chester Kingsbury, Markus Butter als Sheriff Harry Sullivan und Neira Muhic als Nachtclub-Sängerin Bonita heraus. Bewegungs- und singfreudig erweist sich auch der gut disponierte Chor des Hauses
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