Fast vergessen: Schau in Gent würdigt Alte Meisterinnen

Die Ausstellung „Unforgettable“ im Museum für Schöne Künste zeigt „Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam 1600–1750“.
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Plakate mit Sickerpointen prägen das Stadtbild von Gent: „Auch die alten Meister waren Frauen“, „Sie malte, er signierte“ und „Muse oder Meister“ konfrontieren Passanten mit einem blinden Fleck in der Kunstgeschichte.

Sie werben für „Unforgettable“ (bis 31. Mai), die Ausstellung im Museum für Schöne Künste (MSK), die „Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam 1600–1750“ präsentiert.

Ihre Namen sind vielen vielleicht neu, aber unvergesslich, sobald man die fast 150 Objekte – Gemälde, Drucke, Skulpturen, Textilien und Scherenschnitte – der mehr als 40 Frauen gesehen hat. Allgemein bekannt sind Rembrandt, Vermeer, van Dyck, van Eyck, Rubens, Brueghel, Ensor oder Magritte. Weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind hingegen die Namen der Frauen des Goldenen Zeitalters der niederländischen und flämischen Kunst.

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„Unforgettable“ rückt dieses Bild endlich zurecht und holt u. a. Alida Withoos, Anna Maria van Schurman, Maria Faydherbe, Margareta de Heer, Johanna Vergouwen, Maria Sybilla Merian und Clara Peters, die Königin der Stilllebenmalerei in der frühen flämischen Barockzeit, aus dem Schatten ihrer berühmten männlichen Kollegen.

Die Frauen waren zu Lebzeiten hoch geschätzt und überall präsent, sowohl in der Handwerkskunst als auch in ihrem Einfluss auf ihre Zeitgenossen. Und Rachel Ruysch erzielte am Kunstmarkt sogar höhere Preise als Rembrandt.

Falsche Zuschreibungen

Aber warum sind diese Malerinnen, Grafikerinnen und Kunsthandwerkerinnen, die vom frühen 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts unverzichtbar für die Entwicklung der visuellen Kultur waren, heute fast vergessen?

Obwohl sie die Techniken und Medien virtuos beherrschten und eine eigene Vision und einen scharfen Blick für Details hatten.

„Ihre Arbeiten verschwanden oft in Werkstätten von Familienmitgliedern oder wurden später anderen Künstlern zugeschrieben“, sagt die MSK-Kuratorin Frederica van Dam. „Aber Frauen waren nicht nur Models und Subjekte, sondern Teilnehmerinnen auf allen Ebenen der künstlerischen Ökonomie.“

Für europäische Fürstenhäuser malte Maria von Oosterwijck, spezialisiert auf detailreiche Blumenstillleben und Vanitas-Motive, die luxuriöse Blumenarrangements mit Symbolen wie Totenschädeln, Sanduhren oder Insekten kombinierte, ehe sie lange in der Schattenzone der Kunstgeschichte verschwand.

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Ein Opfer falscher Zuschreibungen war die von Frans Hals beeinflusste Judith Leyster aus Haarlem, die Genre, Porträts, Stillleben malte und ein wunderbar selbstbewusstes Selbstbildnis.

Wiedersehen mit Wautier

Die thematisch strukturierte Schau im Citadelpark, gespickt mit Botschaften wie „Einst unterdrückt, nie vergessen“ und „Keine Fußnote, sondern ein Kapitel“, fokussiert auf Netzwerke der Künstlerinnen, Familien- und Werkstattstrukturen in den frühzeitlichen Niederlanden sowie gesellschaftliche Erwartungen und Einschränkungen. Und wenn es darum geht, Künstlerinnen von anno dazumal wieder lebendig werden zu lassen, darf die seit der Personale im Kunsthistorischen Museum in Wien bekannte Michaelina Wautier auch in Gent nicht fehlen. Sie wagte sich sogar an großformatige Historienbilder, eine männliche Domäne dieser Zeit.

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Introvertiert und kontemplativ, ungewöhnlich für Porträts dieser Zeit, wirken hingegen die Figuren auf „Zwei Mädchen als Heilige Agnes und Heilige Dorothea“ (ca. 1650).

Eine subtile Traurigkeit umgibt die leise, fast prophetische Szene, so als wüssten die Kinder bereits, dass ihnen aufgrund ihres Glaubens der Märtyrerinnen-Tod bevorsteht.

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