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Neues Album von Muse: Vom Bombast bis zum Metal in Hochform

Mit dem Album „The Wow! Signal“ liefert die Band nach 32 Karrierejahren ein Meisterwerk mit Songs, die anhand astronomischer Phänomene das Leben hinterfragen.
Die drei Bandmitglieder von Muse im Schnee.

15. August 1977: Das „Big Ear“-Radioteleskop der Ohio State University, das den Raum auf Anzeichen von Kommunikation ferner Zivilisationen überwacht, empfängt einen 72 Sekunden langen, extrem starken Impuls. Der Astronom, der das Teleskop überwacht, schreibt in seinen Aufzeichnungen „Wow!“ neben die Abweichung, die einzigartig bleiben sollte.

Muse-Sänger und -Gitarrist Matt Bellamy und seine Kollegen Chris Wolstenholme (Bass) und Dominic Howard (Drums) haben dieses Phänomen, bei dem nie geklärt wurde, worauf es beruhte, in den Mittelpunkt ihres Freitag erscheinenden neuen Albums „The Wow! Signal“ gestellt.

Bellamy, als Textautor bekannt für seinen Hang zu futuristischen Themen, beschreibt den Inhalt als „Mix aus kosmischer Reise, existenzieller Hoffnung und der berauschenden Möglichkeit des Kontakts mit etwas, das viel größer ist als wir selbst“.

Ambitioniert

Was das Album aber so spannend macht, ist die Verbindung seiner diesbezüglichen Gedanken und Thesen mit den ambitioniertesten und leidenschaftlichsten Songs, die man seit vielen Jahren von Muse gehört hat.

Es sind zwar nur zehn neue Stücke (der Begriff Lieder wäre zu kurz gegriffen), aber die haben es in sich. In der Länge, die zwischen vier und fünfeinhalb Minuten pendelt, aber vor allem in den mannigfaltigen Sounds, die Muse damit liefern.

Es beginnt mit „The Dark Forest“, einer kleinen Rock-Sinfonie, die mit spacigem Dröhnen anhebt. Dann setzt ein über galoppierenden Drums teuflisch klingendes Orchester ein und Bellamy legt eine seiner besten Melodien darüber, singt von Auslöschung und Fruchtlosigkeit. Aber das ist noch nicht alles: Harte, rasende Gitarren-Riffs beginnen den zweiten Teil, ein Opernchor skandiert lateinische Schlachtrufe – und irgendwie finden all diese Elemente in einem furiosen Finale zusammen.

All diese unterschiedlichen Facetten des Muse-Sounds, die in diesem Stück verschmelzen – und noch viele weitere – gibt es in den folgenden Songs: „Nightshift Superstar“ punktet mit wummerndem Bass, funkigen Vibes, braucht sonst nicht viel, während „Shimmering Scars“ – eine melancholische Ballade – mit seinem Klavier-Part sofort Visionen von der Kälte und der Einsamkeit des Alls hervorrufen, bevor das Stück mit Kirchenorgel und Powergitarren mächtig anschwillt.

Metal-Riff

„Cryogen“ lehnt sich an die rockigen Sounds der frühen Muse-Alben an. „The Sickness In You & I“ beruht auf einem stampfenden Metal-Riff, zu dem Bellamy seinen Text weitgehend rhythmisch nasal vorträgt, und auf den Power-Gesang, der übrigens hier in jeder Stimmlage hervorragend klingt, verzichtet.

Auch überraschend: „Hush“ mit Ellie Goulding als Gast und das mystische „Space Debris“, das „The Wow! Signal“ nachdenklich, aber höchst effektiv abschließt. So überzeugend ist das, was man da gehört hat, dass man auch nach dem vierten und fünften Abspielen gleich wieder auf „nochmal“ drücken will, weil die musikalische Vielfalt und die Song-Themen so reich an Emotion und Denkanstößen sind, dass man damit noch so viele „Wow“-Effekte mehr erleben kann.

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