Zurück in die Zukunft der 80er-Jahre: Marcus Miller mit „We Want Miles!“ im Konzerthaus
Miles Davis wäre heuer 100 Jahre alt geworden. 1982 wurde sein Album „We Want Miles“ kontrovers diskutiert. Vielen Puristen erschien es zu laut, zu rockig, zu elektrisch.
Mittwoch wurden die Kapazunder von damals mit Standing Ovations gefeiert: Marcus Miller (E-Bass), Mike Stern (Gitarre), Bill Evans (Sax) und Mino Cinelu (Percussion) beleuchten eine lange unterschätzte Phase im Werk des Trompeters neu. Nicht nostalgisch, sondern spekulativ: Was würde Miles heute spielen?
Denn er habe nie zurückgeblickt, sondern immer nach vorne. Der Opener „It’s About That Time“ ist wie ein programmatisches Statement, das Wiederhören nach der Fasson von Marcus Miller kein Museum, keine Rekonstruktion, keine Kopie, sondern ein permanent im treibenden Funk-Rock-Groove pulsierendes Kraftfeld, in dem lange Improvisationen entwickelt werden.
Hochenergetisch
Russell Gunns Trompetenton ist kraftvoll und intensiv, ohne den für Miles charakteristischen fragilen Sound, der als Tanz auf Eierschalen beschrieben wurde. „Aida“ verbindet Funk, R&B, Fusion und afrikanisch inspirierte Rhythmen. „Fat Time“ ist auf Sterns verzerrte Stratocaster zugeschnitten. Bewegung und Entschlossenheit suggeriert kraftstrotzend „Hannibal“. „Catémbe“ reproduziert die radikalen Funk- und Afrika-Experimente der „On the Corner“-Ära. Nach viel Hochdruck wirkt Joe Zawinuls „In A Silent Way“ wie ein Innehalten – beinahe meditativ.
Der Klassiker „Jean Pierre“ ist Spielfeld und Plattform für alle: Über dem oft wiederholten berühmten Bass-Riff entfalten sich Soli, Percussion-Passagen und kollektive Improvisationen. Seinerzeit für manche irritierend, heute immer noch faszinierend.W. Rosenberger
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