Kompost, Samen und Walgesang für mehr Klimabewusstsein

Die zweite Klima Biennale bietet bis 10. 5. viel Programm im öffentlichen Raum - Eröffnungswoche startet am Donnerstag.
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Die Walpopulation am Wiener Karlsplatz hat sich gegenüber 1982 verdoppelt. Als die Künstlerin Margot Pilz damals einen aufblasbaren Wal – mit Originalaufnahmen von Walgesängen – im Bassin vor der Karlskirche schwimmen ließ, war nämlich „Poldi“, heute das Maskottchen des Wien Museums, noch eine Attraktion im Wiener Prater.

Dass Pilz’ Installation „Kaorle am Karlsplatz“ – mit zweitem Wal, Sandstrand und Sonnenschirmen – im Rahmen des Kunstfestivals Klima Biennale nun bis 10. Mai eine Neuauflage feiert, ist nicht zuletzt angesichts der traurigen Ereignisse um den Buckelwal „Timmy“ eine freudige Nachricht.

Doch es ist auch klar, dass es um die Artenvielfalt und die Verschmutzung der Meere heute noch schlechter bestellt ist als vor 44 Jahren. „Die Installation ist eindeutig mahnend gemeint“, sagt Pilz, die im September 90 Jahre alt wird, im Gespräch.

Düster am Strand

Zu den Sonnenschirmen hat die Künstlerin Pia Sirén nun drei „Palmen“ aus Bau-Hebebühnen gesellt, mit grünen Plastikplanen als Palmwedeln. Das Gerüst um die linke Säule der Karlskirche wurde vom Künstler Zheng Mahler mit einem Wimmelbild verhüllt – als „Pestsäule“ im Gedenken an die Corona-Pandemie, wie man erfährt.

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Am anderen Ende des Karlsplatzes – im Rosa-Mayreder-Park am Eck von Zweierlinie und Wiedner Hauptstraße – hat Künstlerin Folke Köbberling den Abguss eines Mercedes-Geländewagens postiert, gefertigt aus einem Gemisch aus Jute, Lehm, Erde und Altpapier: Das Gebilde soll über den Sommer langsam verrotten und Denkanstöße liefern, wie viel Raum und Energie die Mobilität einnimmt.

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Die Werke im öffentlichen Raum sind allesamt Teil einer Programmschiene der in viele Richtungen ausufernden, zweiten Klimabiennale, die sich heuer aber auf die Laufzeit eines Monats verdichtet hat.

Dass der Grund dafür nicht nur Aufmerksamkeitsmaximierung, sondern auch  Geldknappheit ist, verschwieg Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SP) bei der Präsentation nicht.

Biennale in Sparzeiten

Das Festival bekam im Vorjahr 500.000 Euro von der Stadt, der für 2026 geplante Betrag von einer Million Euro wurde um 15 Prozent gekürzt. Das Kunst Haus Wien als Trägerinstitution fährt ebenfalls einen strikten Sparkurs – weswegen die Herbstausstellung entfällt und die nun zur Klima Biennale eröffnete Ausstellung „Seeds“, bei der es um poetische Zugänge zum Thema Samen und Saatgut geht, bis Februar 2027 (!) läuft.

Dem Team um Festivalleiterin Sithara Pathirana ist dennoch einiges gelungen – so werden zehn von der Kuratorin Anne Faucheret ausgewählte Kunsträume nicht nur ideell eingebunden, sondern auch mit je 4.500 Euro unterstützt. Die Wirtschaftsagentur fördert ihrerseits zehn Projekte, die sich u. a. mit Beschattung und Aufenthaltsqualität in der Stadt befassen, mit je 15.000 Euro.

Dazu gibt es Touren, Diskussionen – und nach dem „Soft Opening“ am Karlsplatz (Donnerstag 9. 4., ab 15 Uhr) einen prominent besetzten „Klimagipfel“ im Funkhaus Wien am 13. und 14. April.

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