KHM in Schloss Miramare: Die Antikenwelt rund um eine Sphinx

60 Leihgaben aus der ägyptisch-orientalischen Sammlung des KHM sind nach 143 Jahren zu Gast am Ursprungsort bei Triest.
46-223946356

Maximilian von Habsburg (1832–1867) kehrt zurück, hieß es salopp bei der Presse-Preview der Ausstellung „Una Sfinge l’attra“ (bis 1. 11.) in den ehemaligen Stallungen (Scuderie) von Schloss Miramare bei Triest.

Tatsächlich sind Teile der ca. 2.000 Objekte umfassenden ägyptischen Sammlung des Erzherzogs und Bruders von Kaiser Franz Joseph nach 143 Jahren jetzt wieder am Ursprungsort zu sehen, bestückt u. a. mit rund 60 Exponaten des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien.

„Neugierig“ und deshalb auch auf Stipp-Visite in Triest ist Wilfried Seipel, bis Ende 2008 KHM-Generaldirektor: „Schließlich ist das der Ursprung unserer Sammlung in Wien. Erstaunlich, dass auch eines der absoluten Hauptwerke, der Kopf einer Sphinx des Sesostris III. unter den Leihgaben und zugleich Katalogcover ist.“

Eine Sammlungsbiografie

Aber der Fokus der Schau liegt sonst weniger auf einzelnen Prunkstücken. Der eigentliche „Schatz“ ist die Breite der Sammlung eines Adeligen, der eine „Welt im Kleinen“ zeigen wollte: Natur, Kulturen, Geschichte.

Ob Grab- und Bestattungsobjekte, Amulette und kleine Götterstatuetten, Keramik- und Alabastergefäße sowie Schmuckstücke: Die bedeutendsten Stücke sind heute keine einzelnen „Ikonen“, sondern ein repräsentativer Querschnitt altägyptischer Kultur.

„Eine Sphinx zieht ihn an“ verfolgt als Schau – atmosphärisch aufgeladen mit von der Decke hängenden Straußeneiern als Deko – nicht das altbekannte Konzept „Schätze des alten Ägypten“, sondern gibt Antworten auf Fragen wie: Wie entsteht eine Sammlung? Wie zirkulieren Objekte und Wissen? Wie wird Privates öffentlich?

„Jedes Objekt trägt drei Biografien in sich: die des Alten Ägyptens, in dem es entstanden ist, die des Sammlers, der es aus seinem ursprünglichen Kontext herausgelöst hat, und die der Gegenwart, in der wir uns fragen, was es bedeutet, es zu bewahren und auszustellen“, sagt Christian Greco, Kurator vom Turiner Museo Egizio.

Zur mit Napoleons Ägyptenfeldzug entfachten „Ägyptomanie“ kamen beim reisefreudigen Maximilian, der Schloss Miramare als „Museum der Welt“, Wissens- und Sammlungshaus mit naturkundlichen, ethnografischen und archäologischen Objekten konzipiert hatte, sein vielfältiges Interesse an Altertümern, Sammelleidenschaft und Fernweh.

Objekte als Protagonisten

Vor allem sein Leben als Marineoffizier findet Co-Kuratorin Cäcilia Bischoff im KURIER-Gespräch „sehr, sehr faszinierend“. Ebenso, dass geplant war, das Museum in Mexiko, wo Maximilian 1867 mit 35 Jahren erschossen wurde, „ganz neu aufzustellen, und es sogar eine Restitution von Franz Joseph nach Mexiko gab“. Die Objekte in Triest sind Akteure in einer Geschichte, keine isolierten Kunstwerke. Zum einen wird Maximilian als „moderne“ Figur dargestellt, als früher „Museumsdenker“ und ab 1850 systematisch sammelnder Intellektueller. Andererseits ist das an der Ausstellung beteiligte Winckelmann-Museum ein Beleg dafür, dass die „Ägyptomanie“ im 19. Jahrhundert in der wichtigsten Hafenstadt der Habsburgermonarchie keineswegs nur ein aristokratisches Phänomen, sondern auch im bürgerlichen Milieu stark verankert war.

Das Besondere in Triest: Statt der klassischen Klischees „Pharaonen und Pyramiden“ ist hier zu erfahren, wie Ägypten nach Europa kam, wer einst sammelte und warum – und wie ein Museum entsteht.

Kommentare