Der 47-jährige Theatermacher Kay Voges übernimmt ab 2020 das Volkstheater.

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Kultur
06/07/2019

Kay Voges übernimmt Volkstheater

Der Intendant des Schauspiel Dortmund wechselt nach Wien und soll das Volkstheater ins digitale Zeitalter führen.

Wie bereits gestern Abend angekündigt, wird Kay Voges, seit 2010 Intendant in Dortmund, Direktor des Wiener Volkstheaters ab dem Sommer 2020 werden. Bestätigt wurde dies nicht. Die neue Leitung wird am Freitagvormittag von der parteifreien Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler präsentiert.  

Der 47-Jährige gilt als einer jener Theaterleute, die neue Technologien für ihre Arbeit nutzen wollen, statt sich der rasanten Digitalisierung zu verweigern. Ob er dafür am Volkstheater Wien, das er ab 2020/21 übernimmt, genügend Mittel zur Verfügung haben wird, bleibt abzuwarten.

Technik-Freak
Und doch ist der am 14. Mai 1972 in Düsseldorf geborene Kay Voges nicht nur einfach schlicht zu alt für einen digital Native. Auch sonst weist ihn seine frühe Biografie nicht gerade als Technik-Freak aus. Einer Ausbildung zum Heimerzieher folgte eine mehrjährige Tätigkeit als Filmvorführer in Krefeld und ein Soziologiestudium in Duisburg, ehe er mit 25 als Regieassistent in Oberhausen begann, wo er bald Hausregisseur und Leiter der Studiobühne wurde.

Als freier Regisseur für Schauspiel und Oper begann er eine Karriere, die ihn von Frankfurt bis Berlin und von Stuttgart bis Dresden führte. So richtig durchstarten konnte er jedoch am Schauspiel Dortmund, wo er 2010 Intendant wurde. Das Schauspiel fasst mit der Bühne des Schauspielhauses, dem Studio und kleinen Nebenbühnen knapp 600 Zuschauer - um 250 Plätze weniger als das Volkstheater Wien. In Dortmund konnte er seine Vorstellungen eines innovativen, angriffigen, zeitgemäßen Theaters in hohem Maße verwirklichen und bezog immer wieder auch Film und Video in seine Theaterarbeit mit ein.

Dortmund galt bald als das "führende deutschsprachige Theaterlabor" ("Die Welt"). Seine absolute Leidenschaft in der Verfolgung seiner Ziele wird ebenso gerühmt wie kritisiert. Er fordert und motiviert gleichermaßen. Einen eitlen Ego-Trip nennen die einen seine Kunst- und Theaterpraxis, eine rastlose, selbstausbeuterische Suche die anderen. Während die überregionale Kritik vermehrt anreiste, blieb das lokale Publikum immer häufiger aus.

Wichtige Arbeiten und Wien-Debüt
Zu Voges' wichtigsten früheren Arbeiten zählen u.a. "Einige Nachrichten an das All" von Wolfram Lotz und Thomas Vinterbergs "Das Fest". Zum NRW-Theatertreffen und zum Heidelberger Stückemarkt wurde er immer wieder eingeladen, mit "Die Borderline Prozession - Ein Loop um das, was uns trennt" schaffte er es 2017 erstmals auch zum Berliner Theatertreffen. Seine Loop-Ästhetik, bei der in Live-Regie aus vorgefertigten Versatzstücken der Abend erst gemixt wird, gilt als innovativ und zeitgemäß.

Noch ehe der verheiratete Vater zweier bereits am Theater mitarbeitender Söhne am Volkstheater antritt, wird er übrigens sein Wien-Debüt beim großen Bruder am Ring geben: Am Burgtheater soll er im Dezember eine "Endzeit-Oper" unter dem Titel "Dies irae - Tag des Zorns" realisieren. Mit dem dafür zuständigen neuen Burgtheater-Dramaturgen Alexander Kerlin verbinden ihn bereits einige erfolgreiche Projekte. Gut möglich, dass Kerlin zu ihm an das Volkstheater wechselt. Eine der bisherigen gemeinsamen Arbeiten hieß übrigens "Das Goldene Zeitalter". Auch für das Volkstheater bricht ein neues Zeitalter an. Wie es später einmal genannt werden wird, ist noch nicht abzusehen. Computer-Tastaturen haben jedenfalls sowohl Enter- als auch Escape-Tasten.

Liste der Direktoren des Volkstheaters seit der Eröffnung 1889:
Emmerich von Bukovics 1889-1905
Adolf Weisse: 1905-1916
Karl Wallner: 1916-1918
Alfred Bernau: 1918-1924
Dr. Rudolf Beer: 1924-1932
Rolf Jahn: 1932-1938
Bruno W. Ilz: 1938-1944
Günther Haenel: 1945-1948
Paul Barnay: 1948-1952
Leon Epp: 1952-1968
Gustav Manker: 1969-1979
Paul Blaha: 1979-1987
Emmy Werner: 1988-2005
Michael Schottenberg: 2005-2015
Anna Badora:  2015-2020
Kay Voges: ab 2020