Kabinetttheater mit Antonio Fian: Geld oder Leben = Kopf oder Zahl
„Wegen der Weiber“: U. L. Beck erklärt den Untergang.
Antonio Fian, der Ende März seinen 70-er feiert, kommentiert seit mehr als vier Jahrzehnten allwöchentlich das (gesellschafts-)politische Geschehen in Form von Dramoletten, zunächst im Falter, seit 2005 im Standard. Sie basieren oft auf Zitaten, die er, wie einst Karl Kraus, in diversen Medien gefunden hat. Oder er schaut seinen Kärntner Landsleuten aufs Maul.
Und weil er die Äußerungen im Dialekt notiert, besteht der Spaß der Lesenden schon beim Dechiffrieren. Denn Fian belohnt sie mit Aha-Erlebnissen. Für einen solchen sorgt auch Dramaturgin Alexandra Millner im Wiener Kabinetttheater – mit einem Reigen an Fian-Dramoletten unter dem Titel „MAKÓNI AWÓSSA“, der sich erst mit der Zeit entfaltet, zum Reggae mutiert oder zum afrikanischen Ritualgesang: Multiinstrumentalist Martin Zrost begleitet amüsant u. a. mit der „Trottel-Zither“ oder dem Eigenbau-Zugsaxofon.
Da das fünfviertelstündige Programm, das am Mittwoch zur bejubelten Uraufführung gelangte, länger im Repertoire bleiben soll, verzichtete Millner, die auch Regie führte, auf Tagespolitik: In ihrer Auswahl geht es um Kleingeistigkeit und jede Menge Doppeldeutigkeiten. Ein Ignorieren von „Kopf oder Zahl“ kann schon mal das Leben kosten.
Natürlich ist auch das verhasste Gendern Thema. Höhepunkt des wieder sehr liebevollen wie abwechslungsreichen Figurenspiels ist eine Trilogie mit „alpenländischen Interviews“ in der Tradition Otto Grünmandls, die Wolfram Berger schelmisch (in Videozuspielungen) führt: Das Hauptwort bekommt wahlweise die weibliche oder männliche Endsilbe, also z. B. Tirolerin oder Tirolerer. Zum Schreien komisch.
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