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„Juggle & Hide“ bei den Festwochen: Revolte der Requisiten

Thailands aufstand- und putschreiche Geschichte in "Juggle & Hide", der neuen Arbeit des Theatermachers Wichaya Artamat bei den Festwochen.
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Am Anfang sind auf dem Tisch nur die Schienen einer Modelleisenbahn zu sehen, am Ende ist dort ein Mordstohuwabohu. Das ist die Klammer von „Juggle & Hide“, des neuen Projekts des thailändischen Theatermachers Wichaya Artamat. Am Sonntag war Premiere bei den Festwochen im Theater Hamakom.

Artamat, der schon zweimal beim Festival eingeladen war, erzählt in „Juggle & Hide“ zum einen von der Geschichte Thailands anhand einer Reihe von Aufständen und zum anderen von seiner Arbeitsweise. In der multimedialen Performance hört man Artamat, wie er 2023 einen Vortrag hält. Die Eisenbahnschienen werden von oben gefilmt, darüber legt sich ein Zeitstrahl, der sich nach und nach mit Daten füllt: Erst mal der Geburtstag von Artamat 1985, der schon bald erdrückend eingerahmt wird von Militärputschen 1991, 2006 und 2014.

Klappsessel

Währenddessen werden die Flächen zwischen den Schienen am Tisch mit Zeitungen und einem Steve-Jobs-Wackelkopf – weil sein Tod auch in die Zeitlinie fällt – vollgeräumt. Wie die Akteure das machen, sieht man auf einer zweiten Leinwand.

Artamat greift dann das Massaker vom 6. Oktober 1976 heraus, um konkret seine Form der Montage zu erklären. Ein Foto, auf dem sich ein Student gegen die Polizei und paramilitärische Einheiten, die auf dem Campus der Thammasat Universität das Feuer eröffneten, mit einem Klappsessel wehrt, wird von ihm nachgestellt – allerdings in nicht-gewalttätigem Kontext auf einer Party.

Festnetztelefon schrillt

So geht das etwa eine Stunde lang, der Tisch füllt sich mit immer mehr Miniaturen der Ansichten von Artamats Aufführungen: Spielzeuge, Bilderrahmen, ein Ventilator, ein kleiner gebastelter Christbaum, ein Smiley, Plastikenten. Dann wird ein Manifest dieser Requisiten eingeblendet, die vom Theatermacher fordern, dass er nicht dauernd die Bedeutungen, mit denen er sie auflädt, ändert. Es rattert, es pfeift, ein nie endenwollendes Festnetztelefonschrillen geht durch Mark und Bein. Die Szenerie erinnert an „Toy Story“, was auch die blinkende Tischlampe, die das Pixar-Logo zitiert, unterstreicht. Ein Aufstand: Hier imitiert nicht das Leben die Kunst, sondern die Kunst das Leben auf einer trickfilmhaften Metaebene.

Vielleicht würde das Stück mehr Eindruck hinterlassen, wenn nicht nur im Programmheft stehen würde, dass Artamat diese Requisiten braucht, um die Zensur in seiner Heimat zu umgehen. Im Stück selbst wird das nicht wirklich thematisiert. So wirkt der zwar historisch lehrreiche Abend wie ein Witz mit einer viel zu langen Einleitung und einer Ja-eh-Pointe.

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