Josh über Erfolg und Tiefpunkte: „Das trifft jeden gleich heftig“
„Vor 15 Jahren hätte ich versucht, mich dafür zu rechtfertigen, Lieder über die Liebe zu schreiben. Heute denke ich: Mich beschäftigt das am meisten, also will ich auch darüber schreiben.“
Das tut Josh auf seinem neuen Album „Wer singt dann Lieder für dich“ ausführlich. Songs wie das unbeschwerte „Madam Florence“ oder das mit Country-Flair flott vorwärtstreibende „Sieben Mal im Kreis“ beschreiben Beziehungsprobleme in genau der humorvollen Art, die seinen Superhit „Cordula Grün“ auszeichnete.
Ferrari oder Fahrrad
„Diese Gefühle zwischen traurig und glücklich sind in der Liebe sehr arg“, erklärt der als Johannes Sumpich geborene Musiker im Interview mit dem KURIER. „Die extremen Höhen und Tiefen, wenn man verliebt ist oder sich trennt, finde ich spannend. Denn da sind wir alle die komplett gleichen Menschen. Da ist egal, ob du einen Ferrari hast oder nur ein Fahrrad. Man sagt oft, es gibt viel zu viele Lieder über die Liebe. Aber wer hat noch nie Liebeskummer gehabt? Da empfindet jeder gleich. Und in meinem restlichen Leben mit den Depressionen ist das genauso: Das trifft auch jeden gleich heftig, egal woher man kommt, oder was man macht.“
Auf dem vorigen Album „Reparatur“, vor allem in dem Hit „Ich gehör repariert“, hatte der Wiener verarbeitet, wie er nach dem rasanten Aufstieg mit „Cordula Grün“ gegen Depressionen kämpfte und in Therapie lernte, mit dem Erfolg umzugehen. Auf „Wer singt dann Lieder für dich“ findet das nur mehr im Titelsong Widerhall.
Josh schrieb ihn ein paar Tage, nachdem er das erste Mal in der Wiener Stadthalle – natürlich ausverkauft – aufgetreten war. Es war ein Meilenstein in seiner Karriere, die Erfüllung eines Jugendtraums, aber schon beim KURIER-Interview kurz davor fürchtete er, danach in ein Loch zu fallen.
Weil genau das passiert ist, singt er in dem Song, dass er damals aufhören wollte. Stimmt das? „Ja, schon“, sagt er. „Aber nur kurz. Dass solche Phasen nach solchen Events kommen, ist, glaube ich, ganz normal. Da denkt man sich, mehr will ich nicht machen. Aber dann nimmt man ein Instrument in die Hand, und es geht wieder los. Generell geht es mir jetzt schon sehr viel besser.“
Ambivalent
Das Wissen und die Erfahrung, dass diese Phasen der Tiefs wieder vorbeigehen, erzählt er, machen sie viel leichter.
„Der Satz mit dem Aufhören ist ein Nachhall von etwas, das ich schon 2023 verarbeitet habe“, sagt er. „Ich kann mich erinnern, dass ich damals weinend zu einem Therapeuten gesagt habe: Ich will nicht mehr Josh sein, nicht mehr berühmt sein. Obwohl ich es eigentlich sehr mag, erfolgreich zu sein und erkannt zu werden. Auch, dass mich Leute nach einem Selfie fragen. Das ist toll, wenn man sich in seiner Haut wohlfühlt. Aber wenn es dir nicht gut geht, du dich gerade wie der schiachste Mensch auf der Welt fühlst und jemand ein Selfie will – und das jeden Tag mehrmals –, ist es total schwer und sehr ambivalent, prominent zu sein.“
Dass es Josh jetzt viel besser geht, zeigt der fröhlichere Sound von „Wer singt dann Lieder für dich“. Neben dem oft witzigen Blick auf das Gefühlschaos, das die Liebe hervorruft, hat Josh den Song „Leise“ seiner Frau gewidmet.
Und „Was hat uns bloß so müde gemacht“ ist der Tatsache geschuldet, dass er am 22. Juni 40 Jahre alt wird und sich die Unvernunft der Jugend zurückwünscht: „Ich habe gemerkt, dass ich viel weniger ausgehe als früher. Wenn ich viel arbeite, bin ich viel müder als mit 20. Das finde ich blöd. Deshalb: Lass uns wieder losziehen – bis irgendwann.“
Gerade hat Josh in Wien seine „In einer Tour“-Tournee gestartet. Bis Anfang Mai ist er damit in ganz Österreich unterwegs, bevor es nach Deutschland geht und er im Sommer mit Rian, einem langjährigen Freund, auf Open-Air-Tour zurück nach Österreich kommt. Alle Daten und die Tickets für die Konzerte gibt es unter joshsmusik.at.
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