Kaufmann singt wieder Parsifal: Festspiele Erl mit Verdi und Wagner

Intendant Jonas Kaufmann konnte Sänger Jonas Kaufmann "überreden", wieder Parsifal-Titelrolle in Erl zu übernehmen.
Ein Mann mit lockigen Haaren und Bart gestikuliert mit beiden Händen und trägt ein blaues Sakko über einem gemusterten Hemd.

Die Tiroler Festspiele Erl haben am Donnerstag das Programm für Winter 2026/2027 und Sommer 2027 vorgestellt. Mit "Tristan und Isolde" im Sommer setzen die Festspiele ganz auf die Musik von Wagner. Im Winter 2026/2027 hingegen steht Verdi mit "La Traviata" am Spielplan. Auch Intendant Jonas Kaufmann kehrt zu Ostern 2027 als Sänger in der Titelrolle als "Parsifal" zurück - wie bereits in seiner Antrittsspielzeit. "Ich liebe diese Produktion einfach", sagte der Startenor.

Er habe "Herrn Kaufmann dazu überreden können, die Titelpartie zu übernehmen", fügte der Intendant scherzhaft am Donnerstag bei der Programmpressekonferenz in Erl hinzu. Unabhängig von seiner Rolle im "Parsifal" sei diese Oper mit seiner nunmehr bereits dritten Aufführung im Festspielhaus "fest als Tradition zu Ostern etabliert", erklärte der international gefragte Sänger. Er setze jedenfalls nur allzu gerne auf Wagner, schließlich sei dessen Musik einst der Hauptgrund dafür gewesen, Erl überhaupt aus der Taufe zu heben. "Ich habe mich hier in ein gemachtes Nest gesetzt und möchte dieses weniger austauschen, denn erweitern", sagte Kaufmann.

"Tristan und Isolde" als "Sehnsuchtsstück" im Sommer

In die Kategorie des gemachten Nestes fällt auch "Tristan und Isolde", das im Sommer 2027 im Passionsspielhaus zur Aufführung kommt. "Das ist ein absolutes Sehnsuchtsstück", meinte Kaufmann dazu und sprach dabei wohl nicht nur über den Inhalt der Oper. Er habe "mit sich gerungen", hier die Rolle des Tristan zu übernehmen. "Wenn ich das getan hätte, wäre ich im Sommer aber aufgrund der hohen Anforderungen als Intendant quasi abwesend gewesen", begründete der gebürtige Münchner seine Entscheidung, hier doch "auszulassen".

"La Traviata" im Winter

Denn ganz unberührt von seiner über die Intendanten-Rolle hinausgehenden Funktion als Sänger habe man in seiner dritten Spielzeit neuerlich "gemeinsam ein großartiges Programm ersonnen", kündigte Kaufmann das Kommende an. "Die dritte Spielzeit ist ohnehin eine der schwierigsten, weil es gilt, auf dem Vorhergehenden aufzubauen und die Künstler wieder anzulocken", sagte er weiters. So stehe im Winter 2026/2027 etwa mit "La Traviata" von Giuseppe Verdi ein "sehr bekanntes Stück" am Programm, das gleich vier Mal gespielt werde. Er gehe davon aus, dass sich das Haus an diesen vier Aufführungsterminen ausverkaufen lasse.

Weiters bewegen sich die Tiroler Festspiele Erl im Sommer in Richtung Zeitgenössischerem. "Der ferne Klang" von Franz Schreker sei neben "Tristan und Isolde" "das zweite Schmankerl der Sommersaison", führte Kaufmann aus. Für die Regie habe man Christian Blex gewinnen können, der Garant dafür sei, dass "geniale Stücke noch genialer werden", pries Kaufmann das Stück des 1931 verstorbenen Komponisten an.

Neben diesen Hauptanziehungspunkten bietet Erl auch einiges an "Rahmenprogramm" und entwickelt sich immer mehr zum Ganzjahresfestival. Dazu zählen zahlreiche Klavierkonzerte über die Spielzeit verteilt, die Erl-Dauergäste "Franui", deren Boss Andreas Schett auch gleich den "Ausklang" kuratiert, der dem Winter 2026/2027 im Herbst vorangeht. Dort treffe abermals "E auf U auf Volksmusik", skizzierte Kaufmann die Intention dieses Festivals im Festival. Zudem werde es bei den "Zwischentönen" im Mai 2027 erstmals auch Operette in Erl geben. Es stehe nämlich "Die Fledermaus" von Johann Strauss am Programm. Auch ein weiteres Novum wird es geben: Die Jonas-Kaufmann-Competition bietet Nachwuchssängern eine gute Spielwiese um sich unter Beweis zu stellen.

Kaufmann fühlt sich pudelwohl in Erl

Abseits der Fülle an Programmpunkten betonte Kaufmann mehrfach, sich in Erl pudelwohl zu fühlen. Auf eine mögliche vorzeitige Vertragsverlängerung angesprochen - sein Vertrag läuft noch bis 2030 - winkte er jedoch ein wenig ab. "Aktuell müssen wir uns noch nicht über diesen nächsten Schritt unterhalten", meinte er. "Ich kann bis 2030 die Großprojekte umsetzen, die ich umsetzen will", so Kaufmann. Auch ein möglicher Wechsel zu den Salzburger Festspielen reize ihn nicht: "Ich bin voll und ganz in Erl". Er hoffe für die Salzburger Festspiele allerdings, dass diese "in guten Händen sind" und "die Verantwortlichen verantwortungsvoll auf die derzeitig nicht lustige und rosige Situation reagieren", meinte der Wahl-Salzburger.

Rosen für Chor, Orchester und Programm streuten schließlich noch der Chefdirigent der Tiroler Festspiele Erl, Asher Fisch und Ilias Tzempetonidis, Artistic Advisor der Tiroler Festspiele Erl. "Wir haben ein anspruchsvolles Repertoire, gute Besucherzahlen und ein Orchester und einen Chor, die inspiriert und motiviert sind", sagte Fisch. Tzempetonidis wiederum betonte, dass unter Kaufmann ein "Klima geschaffen wurde, das ein Zuhause für ganz viele und vor allem auch internationale Künstlerinnen und Künstler ist." Keine Möglichkeit, die Bedeutung und Qualität der Tiroler Festspiele Erl hervorzuheben, hatte hingegen Landeshauptmann und Kulturreferent Anton Mattle (ÖVP). Denn dieser ließ sich kurzfristig aus terminlichen Gründen entschuldigen.

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