Jodie Foster im Interview: „Der ,Love Interest‘ war ich nie“
Jodie Foster als Psychoanalytikerin auf Mördersuche: „Paris Murder Mystery“ (jetzt im Kino).
Endlich wieder Jodie Foster im Kino! In dem unterhaltsamen Krimirätsel „Paris Murder Mystery“ spielt sie eine Psychoanalytikerin namens Lilian Steiner, deren Patientin Selbstmord begeht. Überzeugt davon, dass es sich um Mord handelt, beginnt Lilian mit ihrem Ex-Mann (Daniel Auteuil) Nachforschungen anzustellen.
KURIER: Frau Foster, Sie spielen eine Amerikanerin in Paris und sprechen ein astreines Französisch. Woher können Sie das so gut?
Jodie Foster: Ich bin auf eine französische Schule gegangen und habe die Hälfte meines Lebens damit verbracht, zwischen den beiden Ländern zu pendeln. Meine Mutter hat mich einfach an einer französischen Schule in Los Angeles angemeldet, als ich neun war. Das war schwer, denn ich habe nichts verstanden und musste Mathe und Naturwissenschaften und Geschichte in einer Sprache lernen, die ich nicht sprach. Und das in einer Klasse voller Franzosen; ich war eine von vielleicht zwei Amerikanern.
Wie haben Sie diesen „Kulturschock“ erlebt?
Ich hatte immer das Gefühl, ich sei dumm. Ich habe als junger Mensch viel Zeit damit verbracht, das Gefühl zu haben: Ich bin nicht gut genug, ich werde nie gut genug sein. Mir fehlt immer dieses letzte bisschen Sinn, und egal, wie sehr ich mich auch anstrenge, ich werde nie die Nummer eins sein. Diese Rolle auf Französisch als Lilian Steiner hat mich an meine jüngeren Jahre erinnert.
Inwiefern beeinflusst die Sprache auch Ihr Spiel?
Ich habe auf Französisch eine andere Persönlichkeit. Die Figuren fühlen sich für mich anders an, vielleicht, weil ich etwas zögerlicher bin oder mich in der Sprache nicht so sicher fühle. Meine Stimme ist höher, ich bin verletzlicher und unsicherer. Meine Figur hat eine andere Ausstrahlung.
Sie spielen eine Psychoanalytikerin, die auf Mördersuche geht. Musste man Sie zu der Rolle überreden?
Nein, das Drehbuch war einfach großartig. Es hat mir wirklich sehr gut gefallen, weil es ein kleiner Krimi ist, der fast etwas Altmodisches hat und sich ständig weiterentwickelt. Und dann natürlich die Möglichkeit, einen Film auf Französisch zu drehen, in dem ich im Mittelpunkt stehe. Ich habe schon kleinere Rollen in französischen Filmen gespielt, aber nie die Hauptfigur.
War es Ihnen wichtig, dass Sie mit einer Regisseurin zusammenarbeiten?
Das Interessante ist, dass ich, wenn ich mich jetzt nicht irre, meine letzten vier Filme mit Regisseurinnen gedreht habe. Aber davor habe ich in der ersten Hälfte meiner Karriere in vierzig Jahren nur einen Film mit einer Frau gemacht. In Amerika gibt es einfach viel weniger Regisseurinnen als in Europa, obwohl sich das jetzt ändert.
Sie spielen eine Frau, die um jeden Preis versucht, ihre Fassade aufrechtzuerhalten.
Ja, ich glaube, das gefällt mir. Ich interessiere mich für Frauenfiguren, die ihr Leben im Griff haben und ziemlich intellektuell sind. Und dann werden sie mit einer Situation konfrontiert, die sie auf die Probe stellt und für die sie sich vielleicht mehr öffnen müssen. Und ich finde es toll, wie meine Figur sich auf diese Ermittlung einlässt, von der sie glaubt, dass es um einen Mord geht – und eigentlich ist es doch eine Untersuchung ihrer selbst und die kleinen Details ihres Lebens: ihre Beziehung zu ihrem Sohn, zu ihrem Ex-Mann, eine Tragödie aus ihrer Kindheit ... Wir wissen nicht genau, was es ist, denn es ist eine Tür in ihrer Psyche, die sie noch nicht bereit ist zu öffnen. Das alles fand ich sehr interessant.
Ex-Ehepaar auf Mördersuche: Jodie Foster und Daniel Auteuil in "Paris Murder Mystery".
In einer Szene werden Sie hypnotisiert. Haben Sie je Hypnose ausprobiert?
Ja! Ich war vielleicht 27 oder 28, und eine furchtbare Raucherin, die einfach nicht aufhören konnte. Ich war sogar bei einer Hypnose, aber ich hab nichts gespürt. Ich bin weder in Trance gefallen, noch sind mir seltsame Bilder in den Sinn gekommen. Ich habe mich nur ein bisschen entspannter als sonst gefühlt und gedacht: So ein Blödsinn. Ich kann nicht glauben, dass ich diesem Typen dafür 95 Dollar bezahle. Und dann habe ich ihm die 95 Dollar gegeben und nie wieder geraucht.
Sie arbeiten im Filmgeschäft, seit Sie ein Kind sind, aber „Taxi Driver“ mit Robert De Niro war Ihr großer Durchbruch. Was haben Sie daran für Erinnerungen?
Tolle Erinnerungen! Dieser Film war ein ganz wichtiger Moment in meinem Leben. Robert De Niro war so großzügig und hilfsbereit. Das werde ich nie vergessen. Und er hat bei mir einen Schalter umgelegt und mir Improvisation beigebracht. In der Zusammenarbeit mit ihm wurde mir plötzlich klar: Oh, das ist ein echtes Handwerk! Schauspielerei ist eine Herausforderung und verlangt mir etwas ab! Das war für mich im Alter zwischen 12 und dreizehn eine große Veränderung. Ich hätte damals auch nicht gedacht, dass ich Schauspielerin bleiben würde. Ich dachte, mit 18 ist es vorbei, was ja für Kinderdarsteller meistens der Fall ist. Und danach würde ich irgendetwas anderes in der Filmindustrie machen. Aber damals wusste ich noch nicht, dass ich auch Regie führen könnte. Es gab ja nicht gerade viele weibliche Vorbilder in der Filmregie – außer vielleicht in Europa.
Der Thriller „Das Schweigen der Lämmer“ war 1991 ein unglaublicher Hit. Wie hat er Ihr Leben verändert?
„Das Schweigen der Lämmer“ war die nächste Phase meiner Karriere. Ich hatte gerade einen Oscar für „Angeklagt“ gewonnen, was natürlich eine sehr große Sache war. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits um die 20 Jahre im Geschäft und hatte viele große Momente in meinem Leben. Aber ich bin unglaublich stolz auf „Das Schweigen der Lämmer“, weil er ein so tiefgründiger Film ist, über den die Leute gesprochen haben, und als Horrorfilm trotzdem populär. Wir waren damals als Team unglaublich stolz darauf – und ich glaube, was wir befürchteten, war, dass wir nie wieder so gut sein würden. Dass es nur dieser eine Moment in unserem Leben war, in dem wir einfach die perfekte Mischung hatten.
Empfinden Sie es als schwierig, älter zu werden und trotzdem interessante Filmrollen zu bekommen?
Also, es ist kein Problem für mich, nicht den „Love Interest“ zu spielen, denn der war ich nie. Aber es gibt viele Schauspielerinnen, deren Karrieren darauf beruhen, die Ehefrau, die Freundin oder die Mutter von jemandem zu sein. Ich habe diese Rollen nicht gespielt, also ist das für mich nichts Neues. Aber es ist tatsächlich schwieriger, Rollen für ältere Frauen zu finden, weil es weniger davon gibt. Und das gilt auch für Männer: Die meisten Rollen werden für Leute zwischen 20 und 40 geschrieben.
Zweifache Oscarpreisträgerin Jodie Foster.
Wie gehen Sie damit um?
Die Projekte, die ich in den letzten Jahren gefunden habe, haben mir wirklich Spaß gemacht. Es ist eine Art neue Phase in meiner Karriere und ich denke, eine glücklichere, in der ich nicht unbedingt die ganze Last des Films auf meinen Schultern tragen muss. Und ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob der Film auf 5.000 Leinwänden anläuft. Ich interessiere mich mehr für die Stimmen anderer Leute und dafür, diese Stimmen zu unterstützen, wie zum Beispiel in der Serie „True Detective“ (vierte Staffel „Night Country“, Anm.). Ich glaube, das war eine der besten Erfahrungen meines Berufslebens. Und mir war einfach nicht klar, dass es so sein würde, wenn man über 60 ist.
Sie blicken also dem Älterwerden gelassen entgegen?
Auf jeden Fall. Ich war noch nie so glücklich. Ich glaube, ich war noch nie so ausgeglichen, so zufrieden und so im Gleichgewicht. Und das vor allem, weil es – wie im Fall von „True Detective“ – nicht um mich geht. Es geht um andere Menschen. Und es geht nicht so sehr darum, wie es mit meiner Karriere läuft und wohin mich mein Weg führt. Es geht wirklich darum, meinen Platz in anderen Geschichten zu finden.
Früher Start
Jodie Foster, geboren 1962 in Los Angeles, begann ihre Filmkarriere bereits als Kind. Ihr Durchbruch gelang ihr 1976 im Alter von 13 Jahren mit der Rolle der Prostituierten Iris in „Taxi Driver“.
Zwei Oscars
Sie gewann zwei Oscars als beste Hauptdarstellerin für „Angeklagt“ (1988) und „Das Schweigen der Lämmer“ (1991).
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