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Jakub Józef Orliński sprengt im Konzerthaus alle Kategorien

Der Countertenor Jakub Józef Orliński sorgte im Konzerthaus für Jubel.
Ein Mann im Anzug singt neben einem Flügel, während ein Pianist spielt, im Hintergrund bunte Kirchenfenster.

Auf Instagram verbucht Jakub Józef Orliński mehr als 325.000 Follower. Im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses führte der Countertenor das Publikum von der Welt des Barock in die Liedkunst seiner polnischen Heimat und wieder zurück. Der 1990 geborene Sänger weiß, wie man ein Publikum begeistert. Tritt er in der Oper auf, kann es immer wieder vorkommen, dass er mit einer furiosen Breakdance-Einlage das Geschehen aufmischt.

Sein Rezital im Konzerthaus hob er mit einem ins Mark gehenden Lamento von Händel an. Das war absolute Intensität von Null auf Hundert. Atemberaubend spielte er mit seiner Stimme, fahle Schattierungen betonten das Leid, das er, kaum war der letzte Ton gesungen, flugs in ein Lächeln übergehen ließ. Charmant begrüßte er das Publikum auf Deutsch. Da wird klar, hier spricht ein Künstler, der alle Kategorien sprengt, vom Glück, an diesem Ort mit seinem Freund, dem Pianisten Michał Biel, zu singen.

Sogwirkung

Sanft wiegt er sich zum nächsten Lied „Un Zeffiro spiro“. Vibrato spart er gänzlich aus. Sein Gesang lässt an historisch informierte Aufführungspraxis denken. Das hat eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Immer wieder setzt er auf extreme Düsternis, ekstatische Dramatik eine ironische Pointe wie einen I-Punkt. So etwa nach den Staccato-artigen Passagen in Purcells „Cold Genius“, das mit „let me freeze to death“ endet. Sein Gesang ließe sich mit dem Spiel einer Geige auf Darmsaiten vergleichen. Das spießt sich in den Barock-Liedern mit dem stählernen Klang des Steinway-Flügels, dessen Tasten Biel forsch zupackend anschlägt. Bei den polnischen Liedern von Tadeusz Baird und Mieczysław Karłowicz ist dagegen nichts einzuwenden.

Zum Finale lässt er furios seine Koloraturen perlen. Der Jubel ist ihm sicher, vier Zugaben, bei denen auch das „Spinnerlied“ von Stanisław Moniuszko nicht fehlen darf. 

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